Börse am Mittag: Post-Aktie auf Talfahrt - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Post-Aktie auf Talfahrt

Der US-Notenbankchef drückt nicht nur auf die Zinsen, sondern mit seinen Rezessionswarnungen auch auf die Stimmung an den Börsen. Der Dax rutscht tiefer ins Minus. Lufthansa droht nach dem Scheitern der Tarifgespräche eine harte Landung.
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Frankfurt am Main - Der Dax baute bis zum Mittag bei dünnen Umsätzen seine Verluste auf 1,5 Prozent aus und fiel auf 5980 Punkte. Der Nemax All Share rutschte um 1,9 Prozent auf 1772 Zähler, der Nemax 50 gab 2 Prozent auf 1682 Punkte nach.

Die Leitzinssenkung der Fed war erwartet worden, die Wirkung ist bereits verpufft. Nun vergrößern sich die Konjunktursorgen: Die US-Notenbank schließt weitere Zinssenkungen nicht aus, so dass Anleger befürchten, die Rezessionsgefahr sei größer als bisher angenommen.

Im Plus notierte am Mittag lediglich die Aktie von AdidasSalomon (plus 1,5 Prozent auf 66 Euro). Die Papiere der Deutsche Lufthansa drehten deutlich ins Minus, nachdem die Tarifgespräche erneut abgebrochen worden sind. Nun droht für Donnerstag wieder ein 24-Stunden-Streik. Die Aktie gab zuletzt zwei Prozent auf 21,40 Euro nach.

Die Finanztitel im Dax zeigten sich zumindest knapp behauptet: Commerzbank und Deutsche Bank tendierten nur minimal im Minus. Eine aggressive Zinspolitik nützt Finanztiteln: Die Zinsen in den USA sind nach der fünften Leitzinssenkung der Fed auf dem niedrigsten Stand seit April 1994. Der Zinssatz ist jetzt bei 4 Prozent und damit niedriger als in der Eurozone (4,5 Prozent). Die EZB gerät nun unter Druck, ebenfalls mit einer Zinssenkung nachzuziehen.

Branchenhaftung: Murata setzt Epcos unter Druck

Technologiewerte standen auf der Verkaufsliste der Anleger. Infineon, Siemens, T-Aktie und SAP verloren zwischen 1 und 2 Prozent. Größter Verlierer unter den Tech-Werten war am Vormittag Epcos mit einem Minus von 2,5 Prozent. Der Hersteller passiver Bauelemente litt unter Branchenhaftung und der Gewinnwarnung des japanischen Bauelemente-Herstellers Murata. Händler konnten die Verkäufe weniger nachvollziehen, da Epcos im Vergleich zu Murata viel günstiger bewertet sei. Es passe aber zur momentan angeschlagenen Marktpsyche.

Die Linde AG hat im ersten Quartal ein um 14 Prozent gestiegenes operatives Ergebnis (EBITA) von 124 Millionen Euro erwirtschaftet. Das Vorsteuerergebnis lag unter den Erwartungen der Analysten. Der Auftragseingang bei Linde erhöhte sich um 2,6 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Die Aktie gab bis zum Mittag 2 Prozent auf 49,20 Euro ab.

Post nach Quartalszahlen Schlusslicht

Die Deutsche Post AG tendierte nach Bekanngabe der Quartalszahlen 2,8 Prozent schwächer und war gemeinsam mit Degussa Schlusslicht im Dax. Die Post steigerte ihren Umsatz zwar um rund zehn Prozent, doch erlitt das Unternehmen im wichtigen Briefgeschäft leichte Einbußen. Auch der Jahresüberschuss des Gesamtkonzerns fiel im 1. Quartal 2001 geringer als im Vorjahreszeitraum aus. Neuer Markt: Thiel im Aufwind, T-Online unter Druck

Am Neuen Markt drücken die Konjunktursorgen noch stärker auf die Kurse. Lediglich Biodata (plus 3,5 Prozent), Lambda Physik (plus 2,6 Prozent) und Thiel Logistic (plus 2,1 Prozent) verbuchten deutliche Kursgewinne. Der Logistikdienstleister Thiel hat im ersten Quartal 2001 sein operatives Ergebnis (Ebit) um 243 Prozent auf 12,7 Millionen Euro erhöht.

Der Telefonauskunfts-Dienstleister Telegate meldete dagegen einen Quartalsverlust von 15 Millionen Mark und rutschte damit tiefer in die roten Zahlen. Die Papiere stürzten zuletzt um 11 Prozent auf 24 Euro ab. Auch Evotec Biosystems gaben knapp fünf Prozent nach und notierten am Mittag bei 18,50 Euro. Das Biotechnologie-Unternehmen hat seinen Umsatz im ersten Quartal um 440 Prozent auf 11,3 Millionen Euro gesteigert. Der Nettoverlust habe 40,1 Millionen Euro betragen. Das Nemax-Schwergewicht T-Online rutschte um 4 Prozent auf 11,55 Euro ab.

Euro legt deutlich zu

Nach der US-Zinssenkung hat sich die Zinsschere zwischen den USA und Euroland wieder geöffnet. Kurzfristige Euro-Anlagen werden damit attraktiver. Der Euro war am Mittwoch Morgen zunächst leicht auf 0,876 Dollar gefallen, zog dann aber deutlich an und wurde zuletzt für 0,8828 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag auf 0,8768 US-Dollar festgesetzt.