Börse am Mittag Run auf Technologietitel
Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte haben gegen Mittag ihre Zugewinne ausgebaut. Der Dax kletterte bis 13.15 Uhr um 2,2 Prozent auf 5014 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax 50 präsentierten sich zuletzt 2,8 Prozent fester auf 1188 Zähler. Die vorbörslichen Barometer in New York standen leicht im Plus.
Händler berichten von Käufen seitens einiger großer Adressen. Diese kauften europaweit Aktien, weil sie zum großen Verfall am Freitag an den Terminbörsen an höheren Kursen interessiert seien. Außerdem sei reichlich Liquidität vorhanden. Auch sei das Verkaufsinteresse gering, denn in der vergangenen Woche hätten viele Anleger bereits Gewinne mitgenommen. Die Aktienmärkte profitierten nicht zuletzt von einem gestiegenen ifo-Geschäftsklima-Index.
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich nach monatelanger Talfahrt wieder leicht verbessert. Der ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland sei im November um 0,2 Punkte auf 84,9 Punkte gestiegen, teilten die Wirtschaftsforscher am Montag in München mit. Damit setzte sich die Stabilisierung fort. Im Oktober war das viel beachtete Konjunktur-Barometer nur noch um 0,3 Prozentpunkte gefallen. Nach den Terroranschlägen in den USA war der Index im September drastisch eingebrochen.
Infineon an der Dax-Spitze
Infineon gewannen 4,20 Prozent auf 23,81 Euro hinzu und zählten damit zu den stärksten Werten im Dax. Die koreanischen Konkurrenten Samsung Electronics und Hynix Semiconductor haben die Preise für Speicher-Chips erhöht. Der Markt rechne damit, dass auch die Münchner die Preise erhöhen werden, sagten Händler. Auch beim Personal könnten gute Nachrichten anstehen. Presseberichten zufolge wollen die Münchner weniger Stellen als geplant streichen.
Die Papiere der Konzernmutter Siemens führten die Gewinnerliste mit plus 4,49 Prozent an und durchbrachen die Marke von 70 Euro. Der Vorstandschef des Elektronikkonzerns, Heinrich von Pierer, blickt verhalten optimistisch auf das kommende Geschäftsjahr, will das Unternehmen aber auch gegen schlechte Zeiten wappnen. "Unser Ergebnis wird 2002 besser als 2001", hieß es in Presseberichten am Wochenende. Konkrete Zahlen zu Umsatz und Gewinn nannte von Pierer allerdings nicht. Der dritte im Familienbunde, die Aktien von Epcos kletterten um mehr als drei Prozent auf 57,89 Euro. SAP zeigten sich 3,30 Prozent fester auf 144,63 Euro.
Die Aktie der Deutsche Telekom kletterte trotz negativer Analystenkommentare um rund drei Prozent auf 19,24 Euro. Das Investmenthaus Merrill Lynch bestätigte die T-Aktie mit "reduzieren".
Eon stiegen um 2,20 Prozent auf 55,82 Euro. RWE kletterten um 2,36 Prozent auf 41,64 Euro. Das Bundeskartellamt will die Großfusionen von Tankstellen nur unter erheblichen Auflagen zulassen, um eine Marktbeherrschung nicht zu verstärken. Die Zusammenschlüsse in der Tankstellenbranche von Shell und DEA, die zu RWE gehört, sowie der britischen BP und der Eon-Tochter Aral betrachte das Bundeskartellamt nach wie vor kritisch. "Diese Nachricht ist bereits im RWE-Kurs eingepreist", sagte Aktienhändler Thomas Lang vom Wertpapierhandelshaus Lang & Schwarz.
Bayer klettert nach Analystenkommentaren
Positive Analystenkommentare haben die Aktie des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer beflügelt. Der Titel kletterte knapp zwei Prozent auf 35,24 Euro. Das US-Investmenthaus Lehman Brothers hat die Aktie von Bayer auf die "European Recommended Portfolio" gesetzt. Die Analysten begründeten dies damit, dass die Leverkusener besonders von der Steuerreform im kommenden Jahr begünstigt werden. Unternehmen können ab 2002 Beteiligungen steuerfrei veräußern. Die Lehman-Empfehlung habe der Bayer-Aktie Auftrieb gegeben, sagten Händler.
Der im M-Dax notierte Hamburger Kosmetikkonzern Beiersdorf wird im Geschäftsjahr 2001 einen höheren Jahresüberschuss erwirtschaften als im Vorjahr. Auch beim Umsatz erwartet das Unternehmen eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. "Beim Umsatz gehen wir gegenwärtig von 4,53 Milliarden Euro aus. Und der Jahresüberschuss wird voraussichtlich bei 275 Millionen Euro liegen." Das kündigte Unternehmenschef Rolf Kunisch im Gespräch mit der "Euro am Sonntag" an. Die Aktie kletterte um 2,42 Prozent auf 125,06 Euro.
Neuer Markt: Morphosys weiter im Aufwind
Am Neuen Markt legten die Aktien von Morphosys im Nemax 50 rund neun Prozent auf 57,60 Euro zu. Die Aktie war am Freitag als Tagessieger mit plus 13 Prozent aus den Handel gegangen und profitierte dabei von einer Kaufempfehlung der DZ-Bank.
Ein Händler verwies darauf, dass der Titel trotz des Kurssschubs nicht die Gunst der Kleinanleger genieße. Vielmehr hätten Fonds größere Anteile an den Martinsriedern. Da könne es gut sein, dass hier noch vor Jahresende die Bilanz verbessert werden soll und deshalb MorphoSys gekauft werde. Das würde auch die hohen Umsätze erklären.
Die Bestätigung, dass Amgen, ein US-Biotech-Unternehmen wie geplant den Konkurrenten Immunex übernommen hat, könnte die Spekulationen über Zusammenschlüsse am deutschen Markt weiter anschieben, sagte ein anderer Händler.
Die ersten Schnuppermünzen des Euro sind seit Mitternacht an deutschen Bankenschaltern zu bekommen. Die Währung notierte bei 0,9070 Dollar. Devisenhändler erwarten durch die Bargeldeinführung einen Schub für die Gemeinschaftswährung.
Das Softwareunternehmen SER Systems will eigene Aktien über die Börse verkaufen. Diese Nachricht ließ die Aktie um rund 23 Prozent auf 1,71 Euro fallen. Das Papier war damit schwächster Wert am gesamten Neuen Markt.
SER scheint die Aktien verkaufen zu müssen, weil das Unternehmen keine freien Mittel mehr hat. Ein Händler nannte die Nachricht ironisch "supergut", wollte SER doch im Sommer noch eigene Aktien zurückkaufen. Es sei "absolut negativ", wenn man nun verkaufen muss.
Erst im November hatte SER eine nach eigenen Angaben "unbefriedigende Geschäftsentwicklung" für das dritte Quartal eingeräumt. Während das Software-Unternehmen mehr Verluste machte, gingen die Umsätze zurück. Am Montagmorgen teilte SER Systems mit, dass 275.230 Aktien oder 1,8 Prozent vom Grundkapital an der Börse verkauft werden sollen.
Euro zieht an
Die ersten Schnuppermünzen des Euro sind seit Mitternacht an deutschen Bankenschaltern zu bekommen. Die Währung notierte bei 0,9071 Dollar. Devisenhändler erwarten durch die Bargeldeinführung einen Schub für die Gemeinschaftswährung.