Börse am Mittag: SAP rauscht in die Tiefe - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag SAP rauscht in die Tiefe

Gegen Mittag rauschen die Aktienindizes tief in die Verlustzone. Die meisten Aktien geben ihre Zugewinne wieder ab. SAP markiert den tiefsten Stand in diesem Jahr. Die Schwergewichte Allianz und Münchener Rück gehören zu den größten Verlierern.
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Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte haben bis Montagmittag ihre Zugewinne vom Morgen bereits wieder abgegeben und sind stark ins Minus gedreht. Der Dax fiel bis 12.40 Uhr mit 2,6 Prozent auf 4120 Zähler in die Verlustzone. Der Nemax 50 gab 1,6 Prozent auf 610 Punkte ab.

Die Aktie der Deutsche Telekom   konnte sich in der Dax-Spitze mit Zugewinnen von 0,77 Prozent auf 9,12 Euro halten. "Das ist eine kleine Gegenreaktion auf die Kursverluste vom Freitag", sagte ein Frankfurter Händler. "Ich würde dem aber keine große Bedeutung beimessen". Am Freitag hatte die Aktie der Telekom zeitweise die Marke von neun Euro unterschritten und mit 8,93 Euro ein neues Allzeittief markiert.

Preussag   -Aktien führten die Gewinnerliste mit Aufschlägen von 3,44 Prozent auf 25,62 Euro an. Händler verwiesen auf eine technische Reaktion auf die Kursverluste der vergangenen Wochen. So habe der Titel noch im April bei rund 34 Euro notiert.

Das Bekenntnis des Terrornetzwerkes al-Qaida von Osama bin Laden zu dem Anschlag auf die Synagoge der tunesischen Ferieninsel Djerba wirke sich nicht negativ auf den Wert aus. "Das ist keine Überraschung. Die Ängste vor Terroranschlägen sind bereits in den Titel eingepreist", sagte ein Frankfurter Händler. Bei dem Anschlag waren im vergangenen April 19 Menschen getötet worden, darunter 14 deutsche Touristen.

Ein anderer Händler verwies auf die Strategie des Konzerns, sich auf das Tourismusgeschäft zu fokussieren. Der Verkauf von Randaktivitäten - etwa bei Werftanteilen - wirke sich positiv auf den Schuldenabbau aus. Auch Spekulationen um den Aufbau einer Billigfluglinie mit der Germania stützten den Aktienkurs. Allerdings hat Preussag eigenen Angaben zufolge noch keine Entscheidung getroffen.

Offenbar schien man Berichten über eine Billigfluglinie am Markt auch wenig Glauben zu schenken. Lufthansa   , die mit einem weiteren Discount-Anbieter in Bedrängnis geraten könnte, standen jedenfalls nur leicht im Minus, nachdem sie bis Mittag im Plus gestanden hatten.

Autowerte hatten am Freitag zu den größten Verlierern gezählt und notierten gegen Mittag uneinheitlich. BMW   kletterten zuletzt noch um 0,21 Prozent auf 38,26 Euro. Volkswagen   gaben zuletzt um 2,65 Prozent auf 46,34 Euro ab. DaimlerChrysler   fielen um rund 1,90 Prozent auf 44,12 Euro ab.

Bayer   fielen nach einem unruhigen Handel zuletzt wieder mit rund einem Prozent in die Verlustzone. Der Konzern will sich von Unternehmensteilen trennen und dabei bis zu vier Milliarden Euro einnehmen, hieß es in Presseberichten am Wochenende. Anfang Juli werde Bayer in vier weitgehend selbstständige Einheiten aufgeteilt. Das sei der radikalste Umbau in der Geschichte Bayers, meinte Vorstandschef Werner Wenning.

Unter Abgabedruck stand die Aktie des Münchener Finanzkonzerns Allianz   die um 3,21 Prozent auf 184 Euro nachgaben. Händler begründeten die Kursverluste damit, dass die Dresdner Bank möglicherweise 120 Millionen Euro Steuergelder an die Bundesrepublik Deutschland und den Freistaat Bayern zurückzahlen müsse. Im Schlepptau dieser Kursverluste ging es auch mit dem Kurs der Münchener Rück   bergab, die 3,70 Prozent auf 214 Euro verloren und damit schwächster Wert im Dax waren.

Die von der EU-Kommission angeordnete Beihilfe-Rückzahlung der Deutsche Post   an den Bund in Höhe von 572 Millionen Euro wird Postchef Klaus Zumwinkel zufolge nicht zu einer Senkung des Briefportos führen. Ein zu hohes Briefporto in Deutschland könne nicht der Grund die Beihilfe-Entscheidung gewesen sein, sagte Zumwinkel der "Welt am Sonntag". Die "Aktie Gelb" notierte zuletzt mit rund 0,23 Prozent fester auf 13,03 Euro. Am Freitag hatte das Papier rund vier Prozent nachgegeben.

Für Gesprächsstoff sorgte am Wochenende der Münchner Halbleiterhersteller Infineon   . Das Unternehmen will bis zur Marktreife 2004 oder 2005 fertige Lösungen zur Herstellung von UMTS-Handys entwickelt haben. Das sagte Vorstandsvorsitzender Ulrich Schumacher in einem Interview mit dem "Focus". Die Aktie rückte um zwei Prozent auf 15,56 Euro vor. Siemens   notierte zuletzt mehr als ein Prozent schwächer. Epcos   rutschten um mehr als zwei Prozent auf 33,27 Euro ab.

Schwächer präsentierten sich ebenso die Papiere von SAP   , die mehr als drei Prozent auf 92,52 Euro verloren. Zuvor hatten die Aktien mit 92,33 Euro den bislang tiefsten Stand in diesem Jahr markiert.

Die Aktien des angeschlagenen Anlagenbauers Babcock Borsig   haben am Montag ihre Talfahrt fortgesetzt. Das Papier fiel bis 111.50 Uhr um rund 20 Prozent auf 1,48 Euro. Händler verwiesen auf negative Presseberichte, wonach das Unternehmen mehr Geld zur Fortführung des Geschäftsbetriebs benötigt.

So ist der Finanzbedarf von Babcock Borsig nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Focus" mit rund 400 Millionen Euro doppelt so groß wie bislang bekannt. "Solche Nachrichten treiben die Anleger natürlich aus dem Wert", sagte ein Händler in Frankfurt.

Neben dem Sanierungsbeitrag der Arbeitnehmer von 50 Millionen Euro und 150 Millionen Euro, die die Großaktionäre beisteuern sollen, fehlten weitere 200 Millionen Euro. Sie sollen nach dem Sanierungskonzept von Unternehmensberater Roland Berger durch den Verkauf von Unternehmensteilen hereinkommen, heißt es im "Focus". Das Konzept, das der Aufsichtsrat am 28. Juni verabschieden wolle, sehe die Schrumpfung des Konzerns von jetzt 22.000 auf rund 15.000 Beschäftigte vor.

Am vergangenen Freitag hatte Babcock Borsig mitgeteilt, dass das Unternehmen kurzfristig rund 200 Millionen Euro zur Fortführung seines Geschäftsbetriebs benötige.

Nach dem Hinauswurf bei der Büdelsdorfer Mobilfunk-Firma MobilCom   ringt Firmengründer Gerhard Schmid um ein lukratives Übernahme-Angebot. "Ich erwarte, dass France Telecom den in Deutschland geltenden Gesetzen entspricht und mir und den freien Aktionären ein vernünftiges Angebot unterbreitet", sagte Schmid der FTD. Die Aktie lag gegen Mittag mit 0,70 Prozent auf 10,15 Euro im Plus.

Der französische Telekom-Konzern will nach Informationen der Pariser Wirtschaftszeitung "Les Echos" je Mobilcom-Anteilschein zehn 10 Euro in Aktien bieten. Dagegen fordert Schmid 22 Euro in Bar. Schmid hält derzeit noch fast 40 Prozent der Mobilcom-Anteile, seine Frau Sibylle Schmid-Sindram weitere zehn Prozent.

Laut dem Pariser Wirtschaftsblatt "La Tribune" setzt France Telecom allerdings weiterhin darauf, dass Schmid sich mit einem niedrigen Übernahmeangebot abfindet, weil sonst ein Konkurs bevorstehen könnte. Im Juli muss Mobilcom einen Kredit über 4,7 Milliarden Euro ablösen, der zum Erwerb einer UMTS-Lizenz verwendet wurde.

Euro rückt Dollar auf den Pelz

Der Euro ist am Montag im europäischen Devisenhandel auf Kurse über 0,9807 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit 27 Monaten gestiegen. Händler sprachen von einer anhaltend schlechten Stimmung für den Dollar im Zuge der US-Aktienmarktschwäche. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 0,9782 Dollar.

Analysten erwarten lange Durststrecke der Wall Street

Schwache Vorgaben aus den USA

Nach Handelsschluss rutschten die US-Indizes noch weiter ab und schlossen im tiefroten Bereich. Der Dow Jones ging mit Verlusten von 1,9 Prozent auf 9253 Zählern aus dem Handel. Der Index der US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite rutschte um 1,6 Prozent auf 1440 Punkte ab. Der Nasdaq 100 ist in der vergangenen Woche auf den tiefsten Stand seit Januar 1998 gefallen.

Zwar verwiesen Marktbeobachter darauf, dass sich der Dax trotz des dreifachen Verfalls an der Terminbörse Eurex noch vergleichsweise gut gehalten habe. Doch das Misstrauen in eine Erholung der Konjunktur, Sorgen um die Entwicklung der Unternehmensgewinne und neue Terrordrohungen belasteten weiter die Stimmung. Zudem seien die Aktienindizes charttechnisch angeschlagen. Sollte der Dax die Marke von 4200 Punkten nicht nachhaltig verteidigen können, sei ein Rückschlag auf bis zu 3800 Punkten zu befürchten, heißt es.

Folgt das dritte schwache Jahr der Wall Street?

Mittlerweile schließen amerikanische Analysten nicht aus, dass erstmals seit 1941 die großen Marktindizes zum dritten Mal in Folge ein Jahr mit Verlusten abschließen, könnten. Sollten die Signale für eine Konjunkturerholung nicht eindeutiger werden und sich der Dollar weiter abschwächen, sei sogar ein viertes Verlustjahr denkbar. Ob sich die deutschen Aktienmärkte von so einer Entwicklung abkoppeln können, bleibt zweifelhaft.

"Für ein drittes schwaches Jahr sprechen die ungleichmäßige Konjunkturentwicklung und die materiell nicht verbesserten Unternehmensgewinne", sagte Joseph Battipaglia, Chefinvestment-Officer bei Ryan, Beck & Co. Bilanztrickser verblüfften immer noch die Investoren, und die Gefahr eines Terroranschlags über die israelisch-palästinensische Konfrontation hinaus sei gegeben. Sollte die US-Regierung dazu noch ihre Ausgaben nicht begrenzen, könne sich die Börse in 2003 auf ein weiteres schwaches Jahr einstellen. "Wir brauchen Budget-Disziplin", sagte Battipaglia, der sich Anfang der neunziger Jahre als Börsenoptimist präsentiert hatte. Er sehe zwar Anzeichen für eine Erholung der Konjunktur und des Marktes, aber derzeit sei ein Kampf zwischen "Bullen" und "Bären" im Gang.

In dieser Woche werden weitere wichtige Konjunkturzahlen erwartet. Am Dienstag wird der viel beachtete Ifo-Geschäftsindex veröffentlicht, bei dem die meisten Analysten von einem moderaten Anstieg ausgehen. Im Mai war der April-Rückgang exakt ausgeglichen worden.

In den USA werden kommende Woche einige Konjunkturdaten veröffentlicht, die auf eine moderate Konjunkturerholung zur Jahresmitte hindeuten könnten. "Dies gilt, auch wenn das US-Verbrauchervertrauen am Dienstag leicht sinken dürfte", schreiben die Analysten der DGZ DekaBank. Die US-Notenbank wird auf ihrer Sitzung am Dienstag und Mittwoch nach Einschätzung vieler Marktexperten die aktuellen Leitzinsen unverändert lassen.

Von Seiten der Unternehmen erwarten Marktteilnehmer allerdings wenige Impulse für die Aktienmärkte. Am Mittwoch werden der Tourismuskonzern Preussag   und der deutsche Flughafenbetreiber Fraport ihre Hauptversammlungen abhalten. Der Flughafenbetreiber wird den Aktionären auf seiner ersten ordentlichen Hauptversammlung ein Konzept zur Umstrukturierung vorlegen und eine Prognose für das laufende Geschäftsjahr geben.

Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss am Montag fester. Der Nikkei kletterte um 1,1 Prozent auf 10.471 Zähler.