Börse am Mittag: SAP unter Druck - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag SAP unter Druck

Der rettende Strohalm ist gegen Mittag nicht in Sicht. Von der T-Aktie nach unten gezogen, baut der Dax seine Verluste aus. Von der Wall Street ist wenig Unterstützung zu erwarten. Unter den Techwerten rutscht SAP immer stärker ab.
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Hamburg - Die deutschen Aktienmärkte konnten gegen Mittag nicht auf Rückenwind von der Wall Street hoffen, obwohl nach den deutlichen Kursverlusten vom Vortag eine technische Gegenreaktion der US-Börsen nicht auszuschließen ist. Die vorbörslichen Barometer in New York standen jedenfalls gegen 12.40 Uhr nur geringfügig im Plus. Gedrückt von deutlichen Kursverlusten bei Bayer, T-Aktie und Technologiewerten baute der Dax sein Minus auf 1,8 Prozent bei 5514 Zählern aus. Die Wachstumswerte im Nemax 50 notierten 2,3 Prozent schwächer auf 1130 Zähler.

Die Aktien von Bayer waren mit Kursabschlägen von rund vier Prozent auf 35,89 Euro das Kellerkind im Dax. Bereits am Vortag hatte das Papier mehr als 17 Prozent eingebüßt. Der Chemie und Pharmakonzern hat im zweiten Quartal einen deutlicheren Gewinnrückgang als von Analysten erwartet ausgewiesen. Der Konzern bekräftigte am Morgen zudem seine Aussage vom Vortag, wonach das Ergebnis auf Grund des Rückrufs des Cholesterinsenkers Lipobay/Baycol im Gesamtjahr deutlich unter den bisherigen Prognosen liegen werde.

Das Investmenthaus Lehman Brothers sieht die Zukunft für Bayer wenig optimistisch und hat die EPS-Gewinnprognose deutlich gesenkt. Der Gewinn je Aktie werde in diesem Jahr um 28 Prozent, im kommenden Jahr um 16 Prozent und in 2003 um 19 Prozent fallen, prognostizieren die Analysten. Zudem erwarten die Experten im schlimmsten Fall sogar einen Verkauf der Pharmasparte. Allein sei dieser Konzernteil zu schwach. Commzerbank Securities stufte Bayer von "Halten" auf "Reduzieren" zurück.

Ein Händler einer Frankfurt Großbank begründete die Kursverluste überdies mit einer drohenden Klage in den USA. Presseberichten zufolge sammelt eine Kanzlei im US-Staat North Carolina bereits Adressen von geschädigten Patienten. Sollten sich mehrere tausend Geschädigte einer Sammelklage anschließen, drohen Bayer Schadenersatzforderungen in dreistelliger Millionenhöhe, hieß es.

T-Aktie: Analysten halten 15 Euro für möglich

Die T-Aktie rutschte nach Verlusten von mehr als neun Prozent am Vortag zuletzt noch um weitere 2,96 Prozent auf 20,62 Euro ab. "Unter den Aktionären regiert die Angst", sagte ein Marktbeobachter. Die Investoren befürchten weitere Verkäufe von ehemaligen Voicestream-Aktionären und Großinvestoren. Anfang September läuft die Haltefrist für weitere rund 240 Millionen Papiere ab. Aus charttechnischer Sicht sehe es für die T-Aktie schlecht aus, sagte ein Analyst. Sacke das Papier unter die Marke von 20 Euro, könnte es im schlimmsten Fall Richtung 15 Euro gehen.

Technologiewerte gehörten nach den schwachen Vorgaben der Nasdaq zu den größten Verlierern. Siemens, Epcos, Infineon und SAP gaben zwischen 2,22 und 3,36 Prozent nach. Das Investmenthaus Goldman Sachs hat für Siemens heute die Gewinnschätzung nach unten revidiert.

Die Commerzbank gewann trotz schlechter Geschäftszahlen rund drei Prozent auf 26,95 Euro. Der Gewinn der Commerzbank brach im ersten Halbjahr 2001 auf 262 Millionen Euro ein, ein Rückgang um rund 76 Prozent. Im Vorjahr hatte er bei 1,095 Milliarden Euro gelegen. Im ersten Halbjahr 2000 hatte die Commerzbank allerdings hohe Sondererlöse durch den Börsengang der Online-Tochter Comdirect. Mit einem Einstellungsstopp und Kürzungen bei IT-Projekten will das Institut nun im laufenden Jahr noch 240 Millionen Euro einsparen. Letzteres scheint die Investoren zu überzeugen.

Ein Händler begründete die Zuwächse überdies mit anhaltenden Übernahmefantasien. "Am Markt kursieren Gerüchte, dass HSBC oder JP Morgan zumindest an Teilbereichen interessiert sind." Die Zahlen seien wie erwartet "verhalten bis schlecht" gewesen, sagte der Experte. Die Devise heiße: "Buy on bad news."

Bereits nach Börsenschluss am Mittwoch hatte das Schwergewicht im Nemax 50, Aixtron, seine Halbjahreszahlen vorgelegt, und die sahen gut aus. So wurde der Gewinn nach Steuern um 112 Prozent auf 16,5 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz stieg um 79 Prozent auf 118,7 Millionen Euro. Die Aktie gab in einem äußerst schwachen Marktumfeld zuletzt rund ein Prozent auf 26,04 Euro nach und gehörte damit noch zu den besseren Titeln im Nemax 50.

Nach der Veröffentlichung der Halbjahresergebnisse hatte die Aktie der Mobilcom leicht zugelegt, fiel dann aber auf ihr Vortagesniveau von 15,31 Euro zurück. Die Geschäftszahlen lagen über den Erwartungen der Analysten. Mobilcom hat im ersten Halbjahr 2001 ein Umsatzplus von 33 Prozent verbucht. Der Umsatz stieg von 1,05 Milliarden Euro (2,05 Milliarden Mark) im 1. Halbjahr 2000 auf 1,4 Milliarden Euro in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Im operativen Geschäft sei das Halbjahres-Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) mit 18,3 Millionen Euro positiv. Mit UMTS-Anlaufkosten betrug es dagegen minus 31,12 Millionen Euro (1. Halbjahr 2000: 65,17 Millionen Euro).

Schwächster Wert im Nemax 50 waren die Aktien von United Internet, die rund 13 Prozent auf 3,10 Euro verloren. United schreibt im ersten Halbjahr bei einem höheren Umsatz weiterhin rote Zahlen, erzielt aber mit seinen Internet-Beteiligungen einen positiven Zahlungsfluss. Am Vortag hatte die Börse den Verbleib des Unternehmens im Nemax 50 noch mit einem Kursplus von 3,55 Prozent belohnt.