Börse am Mittag Schwergewichte unter Druck
Frankfurt am Main - Der Dax konnte am Vormittag seine Anfangsverluste nicht reduzieren und notierte 1,4 Prozent schwächer auf 5215 Zähler. Der Nemax 50 blieb mit 2,3 Prozent auf 1257 Punkte im Minus. Nachdem der Dax in den vergangenen Tagen um rund zwei Prozent gestiegen war, kehre nun Ernüchterung ein, sagten Händler. Zudem halten sich Börsianer vor Beginn der Ertragssaison zurück.
Investoren in den USA hatten schon am Mittwoch Gewinne realisiert, nachdem die Märkte zunächst noch von optimistischen Ausblicken der Technologiekonzerne Cisco Systems und Oracle beflügelt worden waren. "Wir können nur hoffen, dass zu Beginn der Ertragssaison keine schlechte Nachrichten kommen", sagte ein Händler. Zudem dürften sich einige Akteure mit Blick auf am Donnerstag und Freitag anstehende Reden von Fed-Gouverneur Alan Greenspan zurückhalten.
DaimlerChrysler belastet Autotitel
Die Aktie von DaimlerChrysler konnte seine Verluste ein wenig reduzieren, war mit einem Verlust von 2,5 Prozent aber weiterhin Schlusslicht im Index. Man habe für 2002 das Ziel eines operativen Gewinns von 5,5 bis 6,5 Milliarden Euro noch nicht aufgegeben, sagte Finanzvorstand Manfred Gentz am Rande der Detroit Motor Show. Die globale Konjunkturschwäche sorge jedoch für Gegenwind. DaimlerChrysler betonte am Vormittag jedoch, man rechne mit einer deutlichen Erholung gegenüber dem Vorjahr. Die Bedenken der Investoren konnte dies nicht zerstreuen: Volkswagen und BMW bauten ihre Verluste auf jeweils 1,8 Prozent aus.
Einzelhändler und Pharmatitel gefragt
Die Aktie des Berliner Pharmakonzerns Schering waren mit einem Plus von 1,7 Prozent am Vormittag größter Gewinner im Dax. Finanzvorstand Klaus Pohle rechnet für das laufende Jahr mit deutlichen Zuwächsen beim Gewinn. Weiterhin sützte der freundliche Trend für Pharmawerte an der Wall Street, nachdem die Gesundheitsbehörde ein Cholesterol-Präparat von Bristol Myers freigegeben hat.
Auch der Einzelhandelskonzern Metro legte am Donnerstag gegen den schwachen Trend leicht zu. Der im MDax notierte Einzelhändler Karstadt Quelle hat seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2001 um vier Prozent auf 15,9 Milliarden Euro gesteigert und ebenso wie Douglas die Erwartungen erfüllt. Wie KarstadtQuelle mitteilte, wuchs der stationäre Einzelhandel um 5,6 Prozent auf acht Milliarden Euro. Weitere Gewinner im Dax waren defensive Werte wie Adidas und Eon , die von Umschichtungen aus Technologiewerten profitierten.
Gewinnmitnahmen bei Technologietiteln
Der Softwarehersteller SAP gab auf Grund der schwachen Tendenz in den USA einen Teil der Vortagesgewinne wieder ab und notierte rund 2,2 Prozent schwächer. SAP erwartet für das vierte Quartal 2001 einen Umsatz bei den Softwarelizenzen von mehr als einer Milliarde Euro und hatte gestern mehr als 12 Prozent zugelegt. Die Aktie des Halbleiterherstellers Infineon und der Muttergesellschaft Siemens gehörten ebenfalls zu den Verlierern: Siemens hat 40 Millionen Infineon-Aktien durch das US-Investmenthaus Goldman Sachs platzieren lassen. Heute meldet der US-Chiphersteller Rambus Ergebnisse.
Deutsche Telekom bleibt unter Druck
Die schwache Tendenz bei US-Telekomunikationswerten wie Sprint und AT&T hat die Aktien der Deutschen Telekom weiter belastet. Das Magazin "Capital" hatte gestern gemeldet, dass der Konzern auch im Jahr 2002 nicht aus den roten Zahlen herauskommen werde. Die Deutsche Telekom hat nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" im Jahr 2001 ihren Umsatz um etwa 20 Prozent auf rund 49 Milliarden Euro gesteigert. Dieses Ergebnis entspreche den Erwartungen und dem von Januar bis September 2001 erzielten Wachstum. Die mittelfristige Planung gehe für 2001 beim Umsatz von der Ausgangsbasis 49 Milliarden Euro aus, schreibt die "FAZ". Dieses Ergebnis soll bis 2004 auf 70 Milliarden Euro gesteigert werden.
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Auch die Aktien der Lufthansa gaben zum Handelsauftakt nach. Der US-Flugzeughersteller Boeing hat im vergangenen Jahr deutlich weniger Aufträge erhalten. Wie die Boeing Company (Chicago) am Mittwoch mitteilte, gingen die Bestellungen für Verkehrsflugzeuge gegenüber 2000 um 45 Prozent auf 335 zurück.
Abgang am Neuen Markt
Am Neuen Markt ging es nach den schwachen US-Vorgaben zum Auftakt steil nach unten. Die Sorge um eine mögliche Überhitzung der Technologiekurse lasse die meisten Anleger auf die Bremse treten und Gewinne der jüngsten Zeit realisieren, hieß es. Zu den wenigen Gewinnern im Nemax 50 zählten am Vormittag die Biotechnologie-Unternehmen GPC Biotech und Evotec : GPC Biotech kann einen Erfolg in der Osteoarthrose-Forschung melden. Dafür bekommt das Unternehmen eine Meilensteinzahlung von seinem Partner Aventis Pharma.
Die Deutsche Börse AG hat der eJay AG, die Zulassung für den Handel am Neuen Markt entzogen. Die Beendigung werde mit Ablauf des 8. Februar wirksam. Zur Begründung wurde auf Verstöße von eJay gegen Pflichten aus dem Regelwerk Neuer Markt verwiesen. Die Zulassung der Aktien zum Geregelten Markt sei davon nicht berührt, hieß es. Die Aktie gab zweistellig nach.
Aktien der angeschlagenen Micrologica fielen im frühen Handel um rund fünf Prozent. Das Software-Unternehmen sieht ein Ende des Insolvenzverfahrens durch Entschuldung frühestens Ende März. Micrologica werde mindestens solange weiter am Neuen Markt notiert sein, bis das Schiedsgericht über den Beschluß der Deutschen Börse AG entschieden hat. Für ein Ausweichen auf den Geregelten Markt fehle noch eine zweite Betreuerbank.
Beim Chipbroker ACG wird sich der EBITDA-Verlust des Geschäftsjahres 2001 im einstelligen Millionen-Bereich bewegen, sagte Vorstandssprecher Markus Solibieda im Gespräch mit der "Börsen-Zeitung". Das Umsatzziel von zuletzt 340 Millionen Euro werde erreicht. Die Aktie begrenzte zuletzt seine Verluste auf zwei Prozent.
Nikkei schwächer
Der japanische Aktienmarkt hat am Donnerstag schwächer geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte fiel um 125,55 Punkte und beendete den Handel beim Stand von 10 538,43 Punkten. Das entspricht einem Verlust von 1,1 Prozent. Der Euro notierte am Vormittag etwas fester bei 0,893 US-Dollar.