Börse am Mittag Siebels Ausblick belastet SAP
Frankfurt am Main - Gewinnmitnahmen haben den Dax am Dienstag in die Knie gezwungen. Bis zwölf Uhr gab der deutsche Leitindex um 1,5 Prozent auf 3168 Punkte ab. Die im MDax zusammengefassten Nebenwerte verloren durchschnittlich um 0,6 Prozent und drückten das Börsenbarometer auf 3086 Punkte. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 bei 422 Zählern, einem Minus von 1,3 Prozent.
Die Kursgewinne in der vergangenen Woche seien überzogen gewesen, sagte der Chef-Aktienhändler einer großen Frankfurter Bank. Darauf deuteten einige charttechnische Indikatoren hin. Ein Rückfall des Dax bis auf 3050 Zähler sei daher nicht auszuschließen, hieß es weiter. Zudem reagierte der Markt auf die schwachen Vorgaben von der Wall Street. "Aber die Verluste bleiben durchaus im Rahmen", urteilte ein anderer Marktteilnehmer.
Techwerte schmieren ab
Beim Softwarehersteller SAP belaste eine schlechte Branchenaussicht vom Chef des US-Konkurrenten Siebel Systems , sagte der Aktienhändler Oliver Hauer von M.M. Warburg. Die Aktie von Infineon war mit einem Abschlag von 3,8 Prozent auf 8,71 Euro der größte Verlierer im Dax. Aber auch SAP (minus 3,7 Prozent auf 80,93 Euro), Epcos (minus 3,3 Prozent auf 13,35 Euro) und Siemens (minus 2,3 Prozent auf 45,70 Euro) standen deutlich unter Druck. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen.
MAN-Aktien schwankten im Handelsverlauf stark und gaben zuletzt um rund 3,5 Prozent auf 12,56 Euro nach. "Die Zahlen haben auf den ersten Blick nicht das gebracht, was der Markt erwartet hatte", sagte der Fondsmanager Jochen Mathee von Invesco Asset Management. "Auf den zweiten Blick sehen die Auftragseingänge aber besser aus als erwartet und darauf sollte man achten. Sie sind ein Indikator für die Zukunft." MAN hatte zuvor mit dem Gewinn im dritten Quartal die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten verfehlt, aber bekräftigt, 2002 weiterhin mit einem Auftragseingang von rund 15,7 Milliarden Euro zu rechnen. Zeitweise stiegen MAN-Titel um mehr als drei Prozent.
Die Aktie der Deutschen Post hat nach dem Bescheid zur Beihilferückzahlung in Höhe von 906 Millionen Euro unverändert notiert. "Die Post hat bereits Rücklagen für eine Rückzahlung gebildet. Daher ist der Bescheid keine Überraschung. Was die Höhe betrifft ist das letzte Wort noch nicht gesprochen", sagte ein Frankfurter Händler. "Die Post will rechtlich gegen die Zinsberechnung vorgehen." Bislang war die Post wegen der Quersubventionierung für ihren Paketdienst von einer Rückzahlung in Höhe von 850 Millionen Euro ausgegangen. Über diesen Betrag hatte die Post bereits im Halbjahresbericht bilanziell vorgesorgt.
Wella steigen nach positivem Ausblick
Die Aktien des Darmstädter Pflegemittelherstellers Wella sind nach der Veröffentlichung von Quartalszahlen um 2,2 Prozent auf 54,15 Euro gestiegen. Die Unternehmensergebnisse hätten die Erwartungen der Analysten erfüllt, sagte ein Frankfurter Händler. Besonders erfreulich sei aber der Ausblick für das Weihnachtsgeschäft. "Während der Einzelhandel sich um Rabatte sorgt, hält Wella an den Prognosen fest", sagte er. Für dieses Jahr peilen die Darmstädter einen Umsatzschub von zehn bis 14 Prozent an. In den ersten drei Quartalen um 10,2 Prozent gestiegen.
Negative Analystenkommentare haben die Aktien von KarstadtQuelle belastet. Das Papier verlor über fünf Prozent auf 18,19 Euro. Händler begründeten die Verluste mit Abstufungen der Aktie: Sowohl die Deutsche Bank als auch Julius Bär hatten KarstadtQuelle von "Kaufen" auf "Halten" heruntergesetzt. Darüber hinaus senkte der deutsche Branchenprimus sein Kursziel von 21 Euro auf 18 Euro. Am Vortag hatte Europas größter Einzelhandels- und Versandkonzern mit dem Quartalsergebnis und dem Ausblick die Erwartungen der Analysten enttäuscht. Zudem kündigte KarstadtQuelle einen Konzernumbau an.
Stada mit Rekordumsatz
Die Aktien des Bad Vilbeler Pharmaunternehmens Stada präsentierten sich nach Quartalszahlen geringfügig fester auf 37 Euro. In Erwartung des Rekordumsatzes für die ersten neun Monate war der Kurs in der vergangenen Woche gestiegen. "Nun ist das Pulver verschossen und es geht nicht mehr aufwärts", sagte ein Händler. Bei Stada war der Umsatz um 15 Prozent auf 465,1 Millionen Euro gestiegen. Der Jahresausblick habe nicht überzeugt, sagte der Händler. Er sei nicht mehr der erhofften Bestimmtheit ausgesprochen worden. Stada hatte mitgeteilt, der angepeilte Umsatzanstieg werde "voraussichtlich sicher" erreicht.
Gerüchte drücken T-Online in den Keller
Spekulationen, wonach die Deutsche Telekom Aktien ihrer Tochtergesellschaft T-Online am Markt platzieren will, haben die Aktie des Internetportals belastet. Die Papiere des Nemax-Schwergewichts verloren 1,3 Prozent auf 6,94 Euro.
Der Münchener Telefonauskunftsdienst Telegate hat eine Klage gegen die Telekom-Tochter DeTeMedien beim Landgericht Mannheim eingereicht. Gegenstand sei die kostenlose Telefonauskunft von DeTeMedien im Internet. Anbieter von Telefonauskünften müssten 14 Cent pro Auskunft an DeTeMedien bezahlen. Telegate fürchtet, dass DeTeMedien mit seinem kostenlosen Internetangebot Wettbewerber im Auskunftsmarkt verdrängen will. Die Aktie verlor 6,2 Prozent auf 3,05 Euro.
Gewinnmitnahmen belasten die Wall Street
Nach einem freundlichen Start rutschten die Aktienkurse in New York am Montag ins Minus. Der Handel verlief eher ruhig. Der 30 Standardwerte umfassende Dow-Jones-Index fiel um 92,52 Punkte oder ein Prozent auf den Stand von 8486 Zählern, und der technologielastige Nasdaq-Index gab um 17,45 Punkte oder 1,2 Prozent auf 1393 Zähler nach.
Händlern zufolge lösten negative Nachrichten vom Handelsunternehmen Wal-Mart und von dem Telekom-Konzern AT & T am Nachmittag Gewinnmitnahmen aus. Wal-Mart Stores sagte für November einen Umsatzanstieg von zwei bis vier Prozent voraus; die neue Prognose liegt am unteren Ende der Erwartungen. Die Aktien fielen um 3,3 Prozent auf 53,68 Dollar.
AT&T verbilligten sich um 35 Cent auf 13,51 Dollar, nachdem die Investmentbank Lehman Brothers die Aktie des Unternehmens herabgestuft hatte. Die Bank begründete die Maßnahme mit dem zurückhaltenden Verbraucherverhalten. Lehman sagte, der Börsenwert von AT&Ts Verbrauchersparte könnte bis Ende 2003 wertlos sein und eingestellt werden.
Auch Anlegerängste vor einem möglichen Krieg gegen den Irak habe die Börse belastet, sagten die Händler weiter. Zuvor waren die UN-Waffeninspekteure in Bagdad eingetroffen. Ihr Mandat, den Irak abzurüsten, könnte entscheiden, ob die USA in den Krieg eintreten.
Tokios Börse schließt uneinheitlich
Die Börse in Tokio hat am Dienstag uneinheitlich geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gewann 19,25 Punkte oder 0,2 Prozent hinzu und ging mit 8365,26 Punkten aus dem Handel. Der breit angelegte Topix gab indes nach und schloss mit einem Minus von 6,75 Punkten oder 0,8 Prozent bei 817,09 Zählern.