Börse am Mittag: Siemens legt klar zu - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Siemens legt klar zu

Nachdem der Dax die Marke von 5000 Punkten klar übersprungen hatte, bröckeln die Gewinne wieder ab. Die Allianz verliert nach schwachen Zahlen, Siemens legt trotz eines Milliardenverlustes im letzten Quartal zu.
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Frankfurt am Main -Die Standardwerte im Dax haben gegen Mittag einen Teil ihrer Gewinne wieder abgegeben. Marktbeobachter erklärten, Investoren hätten einen Teil ihrer Kursgewinne wieder mitgenommen und damit die Kurse gedrückt. Während Siemens kurz nach Vorlage der Zahlen zulegen konnten, quittierte die Börse die Ergebnisse der Allianz mit Abschlägen. Der Dax stand gegen 13 Uhr noch mit 0,7 Prozent im Plus und war damit wieder unter die Marke von 5000 Punkten gefallen. Die Wachstumswerte hingegen konnten ihre Zugewinne halten: Der Nemax 50 verbuchte ein Plus von 4,3 Prozent auf 1210 Punkte.

Infineon   führten weiter die Gewinnerliste mit einem Plus von 6,55 Prozent auf 23,60 Euro an. Bereits am Vortag hatte das Papier rund zehn Prozent hinzugewonnen, obwohl der Chiphersteller einen Milliardenverlust veröffentlicht hatte. Offenbar gehen Investoren aber davon aus, dass sich der Halbleitermarkt mit Beginn kommenden Jahres erholen werde. Das Investmenthaus Schroder Salomon hat am Morgen das Kursziel für die Aktie von 20 auf 35 Euro erhöht und empfiehlt das Papier zum Kauf. Die Gewinnprognose je Aktie setzten die Experten für das kommende Jahr von minus 0,89 Euro auf plus 0,47 Euro herauf.

Siemens   kletterten kräftig nach oben und standen mit 5,54 Prozent auf 61 Euro im grünen Bereich. Nach ersten Ad-hoc-Meldungen ist der Siemens-Gewinn im Geschäftsjahr 2000/01 (30. September) drastisch eingebrochen. Der Netto-Gewinn sank von 8,9 auf 2,1 Milliarden Euro. Allerdings profitierte der Konzern in beiden Jahren von milliardenschweren Sondererträgen. Im Geschäftsjahr 2000/01 beliefen sich diese insbesondere wegen der Übertragung von Infineon-Anteilen auf einen Siemens-Pensionsfonds auf zwei Milliarden Euro. Ohne diese Effekte hätte Siemens das Geschäftsjahr mit einer schwarzen Null abgeschlossen.

Der Umsatz konnte im Geschäftsjahr 2001 um zwölf Prozent gesteigert werden. Der Konzern plant, für 2001/2002 eine Dividende von einem Euro auszuschütten. Für die Zukunft erwartet Siemens steigende Ergebnisbeiträge aus dem operativen Geschäft.

Warmer Geldregen für die Deutsche Telekom   . Der Konzern erhält von den Finanzbehörden eine Steuerrückzahlung in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro. Wie das Unternehmen bekannt gab, geht es dabei um Körperschaftssteuern des vergangenen Jahres sowie Vorauszahlungen aus dem laufenden Jahr. Die Beträge seien "in vollem Umfang cash-wirksam" und würden zur weiteren Schuldenreduzierung verwendet. Die Börse honorierte die Ankündigung mit einem Kursaufschlag von mehr 3,70 Prozent auf 19,66 Euro.

Die Lufthansa   hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres wie erwartet einen Ergebniseinbruch verbucht, dabei aber noch schwarze Zahlen geschrieben. Der Kurs der Lufthansa-Aktie stieg nach den Zahlen deutlich an und stand zuletzt auf 13,80 Euro: ein Kursplus von 4,77 Prozent.

Operativ verdiente der Konzern von Januar bis September mit 290 Millionen Euro rund ein Drittel weniger als im Vorjahr. Analysten hatten im Schnitt mit einem operativen Gewinn von 208 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz nahm um 14 Prozent auf 12,314 Milliarden Euro zu, wobei die Verkehrserlöse knapp 9,5 Milliarden Euro ausmachten. Eine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr gab Konzernchef Jürgen Weber mit Verweis auf die unsichere Lage der Luftverkehrsbranche in Folge der Anschläge in den USA nicht ab.

Der Markt habe sich auf deutlich schlechtere Zahlen eingestellt, erklärte ein Händler einer süddeutschen Bank die starken Kursgewinne des Titels. "Da haben wir Schlimmeres befürchtet", sagte er.

Bayer   hat für das dritte Quartal einen drastischen Ergebnisrückgang ausgewiesen und die Erwartungen von Analysten deutlich verfehlt. Die Aktie drehte zuletzt wieder mit knapp einem Prozent auf 34,57 Euro ins Minus.

Der operative Gewinn aus dem laufenden Geschäft vor Sonderposten betrage 66 Millionen Euro nach 711 Millionen vor Jahresfrist, teilte Bayer am Mittwoch in Leverkusen mit. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt 281 Millionen Euro erwartet. Unter dem Strich wies Bayer einen Konzernverlust von 183 Millionen Euro aus, nach einem Gewinn von 534 Millionen im Vorjahr. Trotz der Konjunkturschwäche und den Belastungen in der Sparte Gesundheit erwarte Bayer für das vierte Quartal aber ein positives operatives Ergebnis, hieß es.

Die Allianz   muss aus den Anschlägen auf das World Trade Center (WTC) größere Schäden verkraften als erwartet, hält aber an ihrer Prognose für das Jahr 2001 fest. Der Schadenaufwand auf eigene Rechnung liege bei 1,5 Milliarden Euro statt der bislang veranschlagten einen Milliarde Euro, teilte Europas größter Versicherungskonzern am Mittwoch in München mit. Dennoch erwarte die Allianz 2001 einen Jahresüberschuss von rund 1,7 Milliarden Euro. Der Gewinn fiel in den ersten neun Monaten mit 1,32 Milliarden Euro höher als von Analysten geschätzt aus. Ihre Prognosen lagen im Mittel bei 1,14 Milliarden Euro. Vergleichszahlen für neun Monate legte der Konzern nicht vor. Im gesamten Jahr 2000 hatte die Allianz, um Sondereffekte bereinigt, 2,39 Milliarden Euro verdient. Die Aktie gab weiter nach und rutschte mit mehr als zwei Prozent auf 272 Euro ins Minus. Auch die Papiere der Münchener Rück   gaben nach und standen mit knapp drei Prozent auf 305 Euro im Minus.

Am Neuen Markt bauten Carrier 1   ihre Verluste deutlich aus und standen zuletzt mit knapp 20 Prozent auf 1,37 euro im Minus. Das Unternehmen hat für das dritte Quartal tiefrote Zahlen vorgelegt. Der Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) habe bei 45,7 Millionen US-Dollar gelegen, teilte der Anbieter von Daten- und Sprachverkehrsdienstleistungen mit. Zudem fielen Forderungen in Höhe von 2,2 Millionen Dollar aus. Im Vorjahr hatte der Verlust noch 8,5 Millionen Dollar und im Vorquartal 29,9 Millionen Dollar betragen.

Gute Vorgaben aus New York

Die Chancen für einen festen Handelsauftakt in Deutschland stehen gut. Die US-Börsen konnten nach Handelsschluss in Deutschland noch zulegen und liefern heute erfreuliche Vorgaben. Der Dow Jones legte um 2,1 Prozent auf 9750 Zähler zu. Der Nasdaq Composite kletterte um 2,8 Prozent auf 1892 Punkte. "Der Rückzug der Taliban aus Kabul sorgte für gute Stimmung. An den Aktienmärkten hofft man auf einen Etappensieg im Kampf gegen den Terrorismus", kommentierte Peter Cardillo, Director of Research bei Westfalia Investments.

Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss im Plus. Der Nikkei kletterte um 0,6 auf 10.086 Zähler.