Börse am Mittag: Später Applaus für Schering - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Später Applaus für Schering

Anleger belohnen Schering, Adidas-Salomon und Aixtron für ihre Quartalsergebnisse. Die Aktien legen gegen den Trend zu. Neben Infineon gerät auch SAP unter Druck. Commerzbank bleibt nach den hohen Quartalsverlusten Schlusslicht.
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Frankfurt am Main - Der Dax gab bis 14 Uhr um 75 Punkte (1,5 Prozent) auf 4918 Zähler nach, während der Nemax 50 im Sog nachgebender US-Futures um 2,4 Prozent auf 1114 Punkte rutschte. "Logisch, dass der Markt nach den deutlichen Zugewinnen der vergangenen Tage eine Auszeit nimmt", sagte ein Händler in Frankfurt. Schließlich habe der Index in dieser Handelswoche mehr als acht Prozent zugelegt, seit dem Kurseinbruch nach den Terroranschlägen sogar rund 40 Prozent. Die Zinssenkungs-Phantasie sei nach der deutlichen Zinssenkung durch die EZB aus dem Markt, sagten Händler: Nun würden viele Marktteilnehmer Gewinne mitnehmen.

Gegen den schwachen Trend am Markt verzeichneten der Pharmakonzern Schering   und der Sportartikelhersteller Adidas-Salomon   Zugewinne. Adidas setzte nach den guten Quartalszahlen seine Kursrallye nun schon den dritten Tag in Folge fort und notierte deutlich über 70 Euro. Auch bei Schering wirken die guten Quartalsergebnisse nach. Der Pharmakonzern hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass er im Gesamtjahr erneut einen Rekordgewinn einfahren und die Dividende anheben wird.

Auch die Dax-Schwergewichte T-Aktie   und der Autobauer DaimlerChrysler   hielten sich noch in der Gewinnzone. Die niedrigen Zinsen verbessern die Stimmung im Telekomsektor, da sie dazu beitragen, die Zinslasten im Zusammenhang mit dem Schuldenabbau zu verringern. Die Deutsche Telekom profitierte außerdem weiterhin von einer Kaufempfehlung der Deutschen Bank.

Krisenjahr für Siemens-Titel

Die Technologietitel Siemens   und Infineon   notierten deutlich im Minus, während der Bauelemente-Hersteller Epcos   sich am frühen Nachmittag erholen konnte. Siemens-Chef Heinrich von Pierer legt am Mittwoch, 14. November, die Zahlen für das Geschäftsjahr 2000/2001 (per 30. September) vor. Im dritten Quartal entstand ein hoher Verlust bei Deutschlands größtem Elektrokonzern; auch für das vierte Quartal erwarten Analysten keine Trendwende. Auch Epcos und Infineon werden für das Geschäftsjahr 2000/01 laut Branchenkennern Gewinneinbrüche oder gar Verluste präsentieren. Die drei Unternehmen kündigten bereits die Streichung von 24.000 Stellen an.

Commerzbank Schlusslicht

Die Titel der Commerzbank   waren mit einem Minus von mehr als fünf Prozent auf 19,31 Euro Schlusslicht im Dax. Die Bank hat einen Verlust nach Steuern in Höhe von 184 Millionen Euro für das dritte Quartal gemeldet, der damit noch höher ausfiel als von Analysten befürchtet. Der Gewinn in den ersten neun Monaten 2001 sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 95 Prozent eingebrochen. Dresdner Kleinwort Wasserstein hat die Aktie der Commerzbank auf "Reduzieren" gesetzt.

Auch ThyssenKrupp   gab im Vorfeld der Geschäftszahlen knapp drei Prozent nach. Dem Stahlkonzern steht nach Ansicht von Analysten ein schwieriges viertes Quartal 2002 bevor. Ab 2002 werde sich die Situation jedoch aufhellen, meinen die Experten. Die Aktie hatte gestern nach einer Empfehlung durch das Investmenthaus Goldman Sachs deutlich zugelegt.

Neuer Markt: Aixtron gegen den Trend

Im Nemax 50 gehörten der Anlagenbauer Aixtron   und Constantin   zu den wenigen Gewinnern. Die Investmentbank Goldman Sachs hat Aixtron nach der gestrigen Bilanz als "Outperformer" bestätigt. Der Nemax-Absteiger Constantin   hatte gestern massiv nachgegeben und erholte sich im Zuge einer technischen Gegenreaktion.

Die Aktien von Medion   bauten am nachmittag ihre Verluste auf knapp vier Prozent aus, obwohl das Unternehmen seine Gewinnprognosen bestätigt hat. Die Zahlen hätten die Erwartungen getroffen, erklärte ein Händler. Die größten Verluste im Index verzeichneten United Internet   und Heyde   .

Spannung bei Comdirect, Countdown bei Brokat

Der Online-Broker Comdirect hat die Bekanntgabe seiner Quartalszahlen vom 12. auf den 16. November verschoben. Wie aus Kreisen verlautete, ist auf der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag eine Entscheidung gefallen, die das Auslandgeschäft betreffe. Anfang der Woche hatte Comdirect erklärt, dass Partner für die Filialen in Frankreich und Italien gesucht werden. Die Aktie notierte am Mittag knapp fünf Prozent im Minus.

Auch die finanziell angeschlagene Brokat   wird ihre Unternehmenszahlen für die ersten neun Monate und das dritte Quartal 2001 später als erwartet erst am kommenden Montag, dem Tag der außerordentlichen Hauptversammlung, vorlegen. Ursprünglich war die Veröffentlichung für den heutigen Freitag vorgesehen. Auf dem Aktionärstreffen in Stuttgart soll über Maßnahmen, wie das von der Insolvenz bedrohte Unternehmen zu retten sei, abgestimmt werden.

US-Futures leicht im Plus, Euro schwächer

An der Wall Street ließen Gewinnmitnahmen gestern die Anfangsgewinne schwinden. Am Vormittag hatte der Dow Jones ein Plus von 170 Punkten eingefahren, das bis zum Ende der Börsensitzung auf 32 Punkte zusammenschmolz. Der Technologieindex Nasdaq Composite gab einen Gewinn von mehr als 2 Prozent ab und rutschte in der letzten Börsenstunde ins Minus. Die Futures für Nasdaq und S & P Index drehten 90 Minuten vor Eröffnung der Wall Street leicht ins Minus. Der Euro notierte am Vormittag leichter mit 0,8902 Dollar nach 0,8970 Dollar am Vortag.