Börse am Mittag T-Aktie an der Spitze
Frankfurt am Main - Der Dax notierte gegen Mittag 0,5 Prozent schwächer bei 5851 Punkten. Die Wachstumswerte im Nemax 50 legten 0,8 Prozent auf 1430 Punkte zu.
Die Aktie der Deutschen Telekom (plus 4,33 Prozent auf 25,31 Euro) führte weiter die Gewinnerliste im Dax an. Der Bonner Konzern verkauft die noch bei ihr verbliebenen sechs regionalen Kabelfernsehgesellschaften an die amerikanische Liberty Media Corporation. Über den Kaufpreis machte die Telekom keine Angaben.
Konnten Technologietitel im Dax zu Handelsbeginn deutlich zulegen, gaben sie zuletzt wieder nach. Epcos fielen auf plus 0,63 Prozent auf 63,70 Euro zurück. Siemens-Papiere rutschten mit 0,55 Prozent auf 71,06 Euro ins Minus. Infineon-Aktien, die am Vortag nach einer Gewinnwarnung um mehr als 14 Prozent gefallen waren, setzten ihre Talfahrt mit Verlusten von 2,70 Prozent auf 29,10 Euro fort und gehörten damit zu den schwächsten Standardwerten.
Mehrere Analysten stuften die Aktie ab oder beurteilten sie negativ. Die Bankgesellschaft Berlin empfahl, das Papier zu verkaufen. UBS Warburg senkte das Kursziel auf 25 Euro. Die HypoVereinsbank sieht in Infineon nur noch einen "Underperformer".
Eine Volatilitätssperre hatte am Morgen den Handel mit Infineon-Papieren kurzzeitig lahm gelegt. Verkaufsorders setzten den Titel weiter unter hohen Abgabedruck. "Seien Sie froh, wenn Sie keine Infineon-Aktien haben", kommentierte ein Händler der SEB-Bank den erneuten Kursrutsch.
Nach einer Gewinnwarnung für das zweite Quartal verlor die Aktie von BASF 4,76 Prozent auf 42,60 Euro. Mehrere Banken stuften die Aktien des Chemieriesen nach der Gewinnwarnung ab. Im Sog von BASF standen auch die Papiere von Bayer, die 3,60 Prozent auf 44 Euro nachgaben. Vergeblich hatte Bayer zuvor versucht, durch die Bestätigung der Gewinn- und Umsatzprognose für das Gesamtjahr den Kursverfall der Aktien abzumildern.
Im Nemax-50 führten zeitweilig die Papiere des angeschlagenen Software-Unternehmens Brokat die Gewinnerliste mit Aufschlägen von mehr als 12 Prozent an, fielen dann aber auf plus sechs Prozent bei 3,45 Euro zurück.
Das Unternehmen hat vor seinen Aktionären die Lösung der massiven Finanzprobleme angekündigt. "Wir werden unsere Hausaufgaben im finanziellen Bereich mit Hochdruck machen", sagte Vorstandschef Stefan Röver auf der Hauptversammlung. Röver gestand auch Fehler ein: "Wir sind davon ausgegangen, dass sich das weltweite Wachstum im Technologiesektor rasant fortsetzen würde. Nach früheren Angaben will Brokat im vierten Quartal 2001 die Gewinnzone erreichen.
Intershop-Aktien verteuerten sich zuletzt mehr als sechs Prozent auf 3,50 Euro. Intershop will die Lizenzeinnahmen durch Partnerschaften mit Unternehmen wie etwa Hewlett-Packard steigern. Damit wolle das Softwareunternehmen der allgemeinen Marktschwäche entgegen wirken, sagte der Vorstandsvorsitzende Stephan Schambach der FAZ. Die Lizenzeinnahmen waren im ersten Quartal deutlich zurückgegangen. Schambach rechnet jedoch in den USA mit einer Aufbauzeit von ein bis eineinhalb Jahren. In Europa sehe es besser aus, da die Partnerschaften bereits besser funktionierten.
Die Morphosys AG bestätigte die Klage seines Konkurrenten Cambridge Antibody Technology Ltd. (CAT) wegen einer möglichen Patentverletzung in den USA. In Europa sei das umstrittene Winter-II-Patent nach einer Klage von Morphosys stark eingeschränkt worden. Analysten hatten den Kurssturz auf 45,11 Euro am Mittwoch mit den Unsicherheiten über den Ausgang des Patenstreits begründet.
Gleichzeitig meldete das Biotechnologieunternehmen den Abschluss einer Vereinbarung mit der ImmunoGen. ImmunoGen erwirbt den Angaben zufolge die Nutzungrechte der Morphoysy-Technologie für die nächsten vier Jahre. Die Aktie legte um 7,51 Prozent auf 46,50 Euro zu. Händler machten für die Kursgewinne von Morphosys auch eine Kaufempfehlung der einflussreichen Investmentbank Lehman Brothers verantwortlich.
Ce Consumer Electronic holte nach Verlusten am Vortag wieder auf. Die Aktien rückten um 3,12 Prozent auf 7,27 Euro vor. Auch der Chipbroker ACG erholte sich von den Vortagesverlusten, die durch die Gewinnwarnung von Infineon ausgelöst worden waren. Die Aktien verteuerten sich zuletzt um knapp drei Prozent auf rund 18 Euro, hatten am Vormittag allerdings schon besser gestanden.
Zinssenkung der EZB nicht in Sicht
Im Fukus der Börsianer dürfte heute noch die Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) stehen. Obwohl der Ruf nach einer weiteren Zinssenkung zur Stützung der schwachen Konjunktur vor allem bei den Gewerkschaften stärker wird, rechnet die Finanzwelt überwiegend nicht mit einer Lockerung der Geldpolitik. Vor allem die Rekord-Inflation in der Währungsunion von derzeit mehr als drei Prozent sei kein Umfeld für Zinssenkungen, wird argumentiert.