Börse am Mittag: T-Aktie erholt sich - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag T-Aktie erholt sich

Adidas, Allianz und T-Aktie bauen ihre Gewinne aus. Die deutschen Börsen nehmen die Vorlage aus New York auf: Trotz Worldcom-Skandal greifen Schnäppchenjäger am letzten Handelstag des Quartals zu. Am Neuen Markt brechen jedoch Thiel und Dialog ein.
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Frankfurt am Main - Nach dem Bilanzskandal bei Worldcom hat eine Schnäppchenjagd eingesetzt, die die US-Börsen und auch die europäischen Indizes wieder in Fahrt bringt. Der Dax kletterte am Freitag bis 11.30 Uhr um 1,6 Prozent auf 4324 Punkte, während der Nemax 50 um 1,1 Prozent auf 609 Zähler zulegte.

Window-Dressing nach verkorkstem Halbjahr

Viele Anleger nutzten die Gelegenheit zum Wiedereinstieg, sagten Händler. Außerdem betreiben Fondsmanager zum Quartalsschluss "Window-Dressing" - sie werfen Aktien mit schwacher Performance aus ihren Depots. Trotz der deutlichen Gewinne sind jedoch auch kritische Stimmen zu hören. Nur eine Hiobsbotschaft sei nötig, um den Trend umzukehren, warnten Marktteilnehmer.

Allerdings ist die Halbjahresbilanz an den Börsen sehr enttäuschend: Der Dax hat seit Jahresbeginn rund 17 Prozent nachgegeben, der EuroStoxx ist sogar um 19 Prozent gefallen. In den USA verbuchten Dow Jones (minus sieben Prozent seit Januar) und Nasdaq Composite (minus 25 Prozent) ebenfalls ein dickes Minus.

Adidas und Nike im WM-Fieber

Die Aktie des Sportartikelherstellers Adidas Salomon   stieg um mehr als fünf Prozent auf 86,05 Euro an und war damit gemeinsam mit dem Finanzdienstleister MLP   größter Gewinner im Dax. Der Titel profitiert nicht nur davon, dass die deutsche Nationalmannschaft im WM-Finale steht und die Nachfrage nach Fan-Artikeln groß ist. Adidas will den Umsatz in Asien kräftig steigern. Auch der Gewinnanstieg beim US-Konkurrenten Nike (Ausrüster vom Finalgegner Brasilien) hat der Aktie heute Rückenwind verliehen: Nike steigerte den Umsatz im abgelaufenen Quartal auf 2,7 Milliarden Dollar. Dies ist im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von acht Prozent.

Deutsche Bank verschärft Sparkurs - Versicherer gesucht

Die Aktie der Deutschen Bank   kletterte um 1,5 Prozent und überwand die Marke von 70 Euro. Das Unternehmen will weitere 3.770 Stellen streichen. Von der Neuordnung sind die Konzernbereiche Corporate and Investment Bank (CIB) mit 1970 und Private Client and Asset Management (PCAM) mit 1800 Mitarbeitern betroffen, teilte das Geldinstitut mit. Die Gewinne bei der Aktie sind aber auch auf die Erholung bei den US-Finanztiteln zurückzuführen. Auch die gebeutelten Aktien der Allianz   und der Münchener Rück   legten wieder deutlich zu. Berichte, die Deutsche Bank werde auch ihre Allianz-Beteiligung reduzieren, hatten die Allianz-Aktie in dieser Woche zeitweise unter 180 Euro gedrückt.

Technologiewerte erholt

Besonders kräftig profitierten im Dax die Technologiewerte. SAP-Aktien   näherten sich zum Wochenschluss mit einem Plus von 1,5 Prozent wieder der Marke von 100 Euro. Die Papiere wurden auch von einer Aussage des Oracle-Vorstandsvorsitzenden Larry Ellison gestärkt, der große Worte liebt und die großen Softwareunternehmen wie SAP und Oracle als Profiteure der Krise sieht.

Technologie-Anleger, die trotz des Kursrutsches an ihren Aktien festgehalten haben, können für heute auf weitere Erholung hoffen. Epcos  , Siemens   und Infineon   gehörten ebenso wie die T-Aktie   zu den größten Gewinnern. Die Titel gewannen zwischen 2,5 und 3,6 Prozent.

Die T-Aktie   notierte am Freitag Vormittag wieder deutlich über neun Euro. Der Worldcom-Bilanzskandal scheint in der Branche verarbeitet zu sein, sagten Händler. Sollte sich eine Trendwende abzeichnen, dürften weitere Leerverkäufer ihre Geschäfte abschließen, sich wieder mit Technologieaktien eindecken und durch diesen "Short Squeeze" für steigende Kurse sorgen. Allerdings seien bei der Telekom noch viele Fragen ungeklärt, zum Beispiel bei der Bilanzierung der Immobilien, sagten Händler.

Autowerte trotz General Motors fest

Die Automobilwerte litten am Donnerstag zeitweise unter den GM-Gerüchten, konnten anschließend aber wieder zulegen. Die Anteilsscheine von DaimlerChrysler  , Volkswagen   und BMW   lagen bis Freitag Mittag zwischen 1,1 und 2,5 Prozent im Plus. General Motors war gestern mit einem Minus von drei Prozent aus dem US-Handel gegangen.

Post leidet unter Stinnes-Gerüchten

Zu den wenigen Verlierern im Dax zählte zum Auftakt die Deutsche Post  . Eine mögliche Senkung des Briefportos und Umschichtungen in der Logistik-Branche belasteten das Unternehmen: Nach Presseberichten will die Deutsche Bahn AG das im MDax notierte Logistik-Unternehmen Stinnes übernehmen. Als möglicher Übernahmepreis wurden 30 bis 35 Euro pro Aktie genannt. Stinnes notierte am Vormittag bei 29,10 Euro.

Neuer Markt: Analysten verzichten auf Kursziel für Thiel

Der Nemax 50 kam trotz der guten Vorgabe der Nasdaq nicht recht in Schwung und kletterte um 1,9 Prozent auf 612 Zähler. Der Index hatte aber bereits am Vortag deutlich zugelegt. Zu den größten Gewinnern zählte am Freitag die DAB Bank   mit einem Gewinn von mehr als zehn Prozent.

Dialog Semiconductor verloren dagegen fast ein Viertel ihres Wertes auf 1,44 Euro. Der Chiphersteller rechnet im zweiten Quartal mit einem Umsatzrückgang um 10 Prozent. Der Verlust je Aktie werde voraussichtlich 0,09 Euro betragen. Auch die Aktie des Internet-Dienstleisters Pixelpark   gab deutlich nach. Die Bertelsmann-Tochter schließt weitere Stellenstreichungen nicht aus.

Außerdem setzte die Aktie von Thiel Logistik   ihre Talfahrt fort und fiel deutlich unter vier Euro. Angesichts einer unklaren Unternehmensentwicklung hat die Investmentbank Morgan Stanley die Thiel-Aktie von "Overweight" auf "Equalweight" herunter gestuft. Nachdem er zwei Tage zuvor das Kursziel von 20,50 Euro auf 8,90 Euro gesenkt hatte, verzichtete Analyst Caspar Lund in seiner in London veröffentlichten Studie nun auf ein genaue Angabe.

US-Börsen trotz Worldcom sehr fest

Der Dow Jones schloss 1,6 Prozent fester auf 9269 Punkte, während der Nasdaq Composite sogar um 2,1 Prozent auf 1459 Zähler kletterte. Die Aufholjagd in USA und Europa wurde zeitweise von Gerüchten unterbrochen, dass es auch beim Autoriesen General Motors   Bilanzunstimmigkeiten geben könnte. Die Aktie war zeitweise vom Handel ausgesetzt und schloss knapp drei Prozent schwächer, doch im späten Handel ging es für Dow und Nasdaq wieder aufwärts.

Vor allem die nach oben korrigierten Zahlen für das US-Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal (plus 6,1 Prozent statt 5,6 Prozent) sorgten für positive Stimmung, obwohl dieses Wachstum nach Einschätzung von Volkswirten in den Folgequartalen deutlich nachlassen dürfte. Weiterhin betrieben Fondsmanager zum Ende des zweiten Quartals "Window Dressing" und schichteten ihre Depots um, was vor allem den Standardwerten zu Gute kam. Für heute werden der US-Einkaufsmanagerindex sowie Angaben zum Konsumklima in den USA erwartet.

Finanz- und Chiptitel gesucht

Bemerkenswert, dass die beiden größten Gewinner im Dow Jones ausgerechnet die Finanzwerte Citigroup   und JP Morgan Chase   waren. Ein Zeichen, dass Investoren trotz der zahlreichen Bilanzskandale Corporate America immer noch etwas zutrauen: Unter möglichen Unternehmenspleiten in Folge von falscher Bilanzierung leiden auch Finanzwerte, da sie um ihre Kredite fürchten müssen.

Ein Konkurs des im Nasdaq 100 Index notierten Skandalunternehmens Worldcom   ist nach Darstellung von Marktkennern nicht mehr auszuschließen. Sollte Worldcom früher oder später Gläubigerschutz bei einem Konkursrichter suchen, wäre dies der größte Konkurs der US-Geschichte.

GE bestätigt die Prognose

Unter den US-Technologieaktien zählte Motorola zu den größten Gewinnern. Das Unternehmen hatte seine Prognosen für das zweite Quartal wie für das Gesamtjahr bestätigt und einen weiteren Stellenabbau angekündigt. Sogar die gebeutelten Chipaktien legten zu, nachdem Lehman Brothers die Semiconductor-Branche auf "Neutral" heraufgestuft hatte. Aktien des Netzwerkausrüsters Sun Microsystems stiegen sogar um knapp zehn Prozent auf 5,17 Dollar. Goldman Sachs hatte mitgeteilt, dass Sun mehr Fortschritte als erwartet mache. Händler dämpften jedoch aufkommende Euphorie und sprachen von einer technischen Gegenreaktion im Hightechsektor nach den massiven Verlusten der vergangenen Wochen.

Auch das Schwergewicht General Electric   hat seine Gewinnprognosen bestätigt. Die Aktien des Pharmakonzerns Pfizer profitierten davon, dass das Unternehmen Aktien im Wert von zehn Milliarden Dollar zurückkaufen will.

Tokio fest

Die Aktienbörse in Tokio hat am Freitag eine Rallye hingelegt. Der Nikkei-Index schloss 360 Punkte fester auf 10621 Zähler. Vor allem die gestiegene Industrieproduktion sorgte in Japan für gute Stimmung. Der Euro notierte am Freitag Vormittag wieder knapp über der Marke von 99 US-Cent.