Börse am Mittag: T-Aktie in Bestform - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag T-Aktie in Bestform

Die deutschen Aktienmärkte laufen heiß. Der Nemax 50 legt gegen Mittag mehr als neun Prozent zu. Händler trauen dem Aufschwung nicht, warnen vor Euphorie. Im Dax trumpft die T-Aktie immer stärker auf.
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Frankfurt am Main - Das Geschäft an den deutschen Börsen läuft unverändert auf Hochtouren. Beflügelt von positiven Nachrichten aus den USA klettern die Aktienindizes von Tageshoch zu Tageshoch. "Der Markt schöpft Hoffnung", sagte ein Händler. Die veröffentlichten US-Quartalszahlen würden die tendenziell aufwärtsgerichtete Markttechnik unterstützen. "Die Börse ist reif für eine deutliche Erholung, aber niemand weiß, was passieren würde, wenn erneut ein Flugzeug entführt würde", schränkte er ein. Die vorbörslichen Barometer in New York standen satt im Plus.

Angeführt von kräftigen Gewinnen bei Technologiewerten baute der Dax seine Zugewinne bis 13 Uhr auf 4765 Zähler aus: ein Plus von drei Prozent. Die Wachstumswerte im Nemax 50 hatten am Morgen zum ersten Mal seit Wochen die Marke von 1000 Punkten übersprungen und notierten zuletzt 9,1 Prozent über dem Vortagsniveau.

Infineon   , seit Tagen Stammgast in der Dax-Spitze, notierte neun Prozent stärker auf 18,12 Euro. Siemens   , Epcos   und SAP   folgten mit Kursaufschlägen zwischen 6,20 und 4,50 Prozent. SAP legt am Donnerstag seine Quartalszahlen vor. Experten rechnen mit deutlich gestiegenen Gewinnen.

Nach der Entscheidung der französischen Regierung zu günstigeren Konditionen für den Mobilfunkstandard UMTS haben Telekom-Aktien europaweit zugelegt. In Frankfurt kletterten die Papiere der Deutsche Telekom   um 4,55 Prozent auf über 19 Euro.

Commerzbank   -Papiere zogen um 4,35 Prozent auf 17,53 Euro an. Die erhöhte Nachfrage sei eine "klare Reaktion auf die gestern bekannt gewordenen Restrukturierungen und das Sparprogramm", sagte ein Frankfurter Händler.

Neuer Markt: Händler warnt vor Euphorie

Trotz des Höhenflugs am Neuen Markt wollten Marktbeobachter nicht von einer Trendwende sprechen. "Die politische Krise und die schwache Weltkonjunktur spricht ganz eindeutig dagegen." Außerdem sei der prozentuale Anstieg der vergangenen Wochen gewaltig gewesen. "Das kam alles sehr schnell. Gewinnmitnahmen können jederzeit ein Thema sein", hieß es. "Die aktuelle politische Krise dominiert noch immer das Marktgeschehen. Dann kann der Index auch schnell wieder unter 1000 Punkte fallen", sagte ein Aktienhändler.

Zuletzt hatten der Nemax 50 und der marktbreitere Nemax All Share am 6. September über 1000 Punkten notiert.

IDS Scheer   legten knapp sechs Prozent auf 7,60 Euro zu. In den ersten neun Monaten 2001 hat der IT-Dienstleister seinen Umsatz nach vorläufiger Bilanzauswertung um nahezu 35 Prozent auf rund 116 Millionen Euro gesteigert. Allerdings rechne der Vorstand nicht mehr damit, das operative Ergebnis gegenüber dem Vorjahr steigern zu können, hieß es in einer Pflichtveröffentlichung vor Handelsbeginn.

MorphoSys   verteuerten sich um 18 Prozent auf 57 Euro. Das Münchener Biotechnologie-Unternehmen hatte zuvor die Erteilung eines neuen Patents durch das US-Patentamt bekannt gegeben, das die Humane Kombinatorische Antikörper-Bibliothek "HuCAL" des Unternehmens betrifft. Kursaufschläge von jeweils mehr als 20 Prozent sicherten den Biotechnolgiewerten Lion Bioscience   und MediGene   ebenfalls einen Spitzenplatz im Nemax 50.

EM.TV   gaben auf plus acht Prozent bei knapp drei Euro nach, nachdem die Aktie am Vortag bereits über 90 Prozent zugelegt hatte. Das Medienunternehmen profitiere weiter von einem angeblichen Ausstieg des Lizenzhändlers aus der Formel 1.

Die im Nemax All Share notierten Papiere von Kinowelt   fielen guten Start am Morgen zuletzt wieder mit rund fünf Prozent auf 0,57 Euro ins Minus: Der angeschlagene Filmrechte-Verwerter hat angeblich die Merchandisingrechte an dem ersten Teil der Roman-Verfilmung "Herr der Ringe" verloren. Wie die Tageszeitung "Die Welt" unter Berufung auf einen Unternehmenssprecher berichtete, fehlen der Kinowelt damit 50 Millionen Deutsche Mark Umsatz.

Alle Blicke auf New York gerichtet

Es waren vor allem Intel und IBM, die nach schwachen Konjunkturdaten im späten Handel die New Yorker Börsen wieder nach oben gezogen haben. So schloss der Dow Jones mit 0,4 Prozent im Plus auf 9384 Zähler. Der Nasdaq Composite präsentierte sich 1,5 Prozent fester auf 1722 Punkte. Und die Quartalszahlen der beiden Hightech-Riesen nach Börsenschluss enttäuschten nicht.

IBM   überraschte mit einem Ergebnis über den Markterwartungen. Außerdem fiel der Ausblick auf das vierte Quartal ermutigend aus. Das Management bestätigte die Prognosen für das vierte Quartal: "Nach unserem derzeitigen Wissen erscheinen die gegenwärtigen Konsensschätzungen für das vierte Quartal als vernünftig", sagte John Joyce, Chief Financial Officer von IBM, gegenüber Analysten.

Intel   , der weltgrößte Chiphersteller, meldete einen Gewinn von 19 Cents pro Aktie vor außerordentlichen Kosten. Das Ergebnis lag im Rahmen der Markterwartungen. Unter Einbeziehung der Einmalkosten verdiente Intel zwei Cents pro Aktie - 96 Prozent weniger als im dritten Quartal des Vorjahrs. Der Konzern erwarte im vierten Quartal einen Umsatz auf dem Niveau der beiden vorangegangenen Quartale.

Der Reigen der US-Quartalsberichte geht heute weiter: Vor Handelsbeginn melden unter anderem AOL Time Warner   , Ford   und der Finanzkonzern J.P Morgan Chase   .

Im Laufe des Tages werden Citigroup   , Philip Morris   und der Pharmakonzern Pfizer   ihre Geschäftsberichte vorlegen. Nach Handelsschluss in den USA treten wieder Technologiekonzerne in den Vordergrund. So berichten der Intel-Rivale Advanced Micro Devices   , die Computerkonzerne Apple   und Texas Instruments   .