Börse am Mittag Tech-Titel glänzen
Frankfurt am Main - Der Dax hat seine frühen Gewinne wieder abgeben müssen und ist bis zum Mittag wieder auf den Schlussstand vom Freitag zurückgefallen. Gegen 12 Uhr notierte das Börsenbarometer auf 4747 Punkten, ein mageres Plus von 0,1 Prozent. Am Neuen Markt hielt der Nemax 50 sein Plus und legte um 1,1 Prozent auf 974 Zähler zu.
"Die Marke von 4800 Punkten blockiert den Dax", sagte Stefan Buchholz, technisch orientierter Aktienhändler der DZ Bank. Es gebe aber kurzfristig verhaltene Kaufsignale. Im Wochenverlauf werde das wichtigste deutsche Kursbarometer hingegen eher nachgegeben. "Bei rund 4700 Punkten ist der Ansatz einer Bodenbildung erkennbar", fügte Buchholz hinzu. Ab März sei dann mit einer mittelfristigen Aufwärtsbewegung zu rechnen. Davon dürften besonders Technologietitel profitieren.
Einen positiven Konjunkturausblick hat zuvor der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, gewagt. "Es gibt immer mehr Anhaltspunkte dafür, dass der weltweite Wirtschaftsabschwung gegen Ende des Vorjahres zu einem Ende gekommen ist", sagte Duisenberg am Montag auf einer Veranstaltung der People's Bank of China in Peking. Duisenberg erwartet in diesem Jahr eine leichte Erholung der Weltwirtschaft. Diese werde sich 2003 beschleunigen. Es gebe allerdings auch Risiken, sagte der Notenbankchef. Diese seien im Zusammenhang mit Ungleichgewichten zu sehen, die in der Periode außerordentlich hohen Wirtschaftswachstums entstanden seien.
Technologietitel erholen sich
Nach den massiven Verlusten in der Vorwoche haben die Techwerte am Montag wieder freundlich notiert. Die Titel von Infineon verteuerten sich um 2,6 Prozent auf 24,22 Euro und führten die Gewinnerliste im Dax an. Siemens-Aktien kletterten um 1,1 Prozent, Epcos-Papiere notierten nahezu unverändert.
Die Aktie des Softwarekonzerns SAP gewann 0,7 Prozent auf 150,04 Euro. Das Unternehmen will sich bei der Suche nach geeigneten Firmenübernahmen auf kleine Unternehmen und mögliche Beteiligungen beschränken. Es gebe immer wieder Gelegenheiten andere Unternehmen zu übernehmen, sagte der SAP-Chef Hasso Plattner dem "Handelsblatt".
Rüge aus Brüssel belastet Eon
Mit 0,7 Prozent im Minus auf 55,22 Euro notierten die Papiere des Energieversorgers Eon . EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti hat sich in einem Zeitungs-Interview zum Streit um die Übernahme des Gasversorgers Ruhrgas durch Eon geäußert und gegen eine Ministererlaubnis ausgesprochen. Eine Ministererlaubnis würde die ablehnende Haltung des Kartellamtes aufheben. Ein Aktienhändler in Frankfurt sagte, der Zusammenschluss werde damit immer unwahrscheinlicher.
Die Aktie der Deutschen Lufthansa hat ihre Gewinne vom frühen Handel wieder abgeben müssen und verlor zuletzt rund 0,9 Prozent auf 17,05 Euro. Händler begründeten die frühen Kursgewinne mit der Einigung im Streit mit der Pilotenvereinigung Cockpit. "Damit konnte Lufthansa den zweiten Streik innerhalb von zwölf Monaten abwenden", sagte ein Marktbeobachter.
Aktien des Allfinanzkonzerns Allianz wurden leichter gehandelt. Die Allianz-Tochter Dresdner Bank rechnet einem Bericht des "Spiegel" zufolge mit einem Totalverlust ihres Engagements bei der argentinischen Banco General de Negocios. Die in der Presse kursierende Summe von 80 Millionen Euro sei gering verglichen mit der Größe der Allianz-Gruppe, hieß es von Seiten der Münchener Privatbank Merck Finck & Co. Daher werde auch ein Totalverlust das Jahresergebnis nicht wesentlich belasten. 80 Millionen Euro seien bereits in den Büchern der Dresdner Bank Lateinamerika zurückgestellt, berichtete das Blatt in seiner neuen Ausgabe. Banksprecher Torsten Albig wollte sich nicht zu konkreten Summen äußern, bestätigte aber, dass sein Institut bereits im Jahresabschluss 2001 hinreichend Vorsorge getroffen habe.
Neuer Markt: Deutliches Plus bei Telegate und Mobilcom
Dünne Umsätze am Neuen Markt
Händler begründeten den freundlichen Handelsauftakt mit den guten Vorgaben aus den USA. "Wenn wir den Zugewinn verteidigen können, ist schon viel gewonnen", sagte ein Börsianer. Dass die Indizes ihren Zugewinn im Tagesverlauf deutlich ausbauen würden, sei nicht zu erwarten. Die Grundstimmung am Neuen Markt sei weiterhin gedrückt. Ein anderer Börsianer sprach von "recht mageren" Umsätzen. Seiner Einschätzung nach warten die Anleger auf Konjunkturimpulse aus den USA.
Die Aktie des Biotech-Unternehmens Morphosys kletterte um 2,2 Prozent auf 47,50 Euro, nachdem das Unternehmen eine gegenseitige Lizenzvereinbarung mit dem US-Unternehmen Xoma bekannt gegeben hatte. Den Angaben zufolge dürfen Morphosys und seine Partner gegen eine Lizenzzahlung die Antikörper-Technologie der Amerikaner nutzen.
Die Aktie des Telefonauskunfts-Dienstleisters Telegate legte mehr als elf Prozent zu auf 2,96 Euro. Das Unternehmen hatte vor Handelsbeginn gemeldet, dass für seinen Kooperationspartner Debitel den Auskunftsservice vollständig abwickeln wird. Die Stuttgarter Telefongesellschaft Debitel stelle ihren eigenen Auskunftsdienst unter der Rufnummer 11818 ein und vermarkte von nun an nur noch den Telegate-Service unter der Rufnummer 11880. Diese Entscheidung bedeute für Telegate schon jetzt pro Monat rund 250.000 zusätzliche Anrufe.
Comroad weiter unter Druck
Der Kursverfall des Telematik-Anbieters Comroad hält dagegen an. Die am Neuen Markt notierte Aktie verlor 2,5 Prozent auf 1,92 Euro. Das Unternehmen will heute seine vorläufige Geschäftsbilanz 2001 vorlegen.
Die Mobilcom-Aktie kletterte um 9,8 Prozent auf 13,50 Euro. Die Zulieferfirmen des am Neuen Markt notierten Telekomunternehmens befürchten nach Informationen des eine Verzögerung des Aufbaus des UMTS-Mobilfunknetzes. Durch den jüngsten Streit zwischen Mobilcom und dessen zweitgrößtem Aktionär, France Telecom, über den Zeitplan und die Höhe der Investitionen für den Aufbau der neuen Mobilfunktechnik UMTS, könnten bei den Ausrüstern bereits eingeplante Einnahmen zunächst ausbleiben, schreibt das Handelsblatt unter Berufung auf Unternehmenskreise. "Die erste Abwärtsbewegung der Mobilcom-Aktie ist wohl beendet", sagte ein Wertpapierhändler in Frankfurt. Das Papier hatte in der vergangenen Woche rund 30 Prozent an Wert verloren und war von rund 17 Euro auf zeitweise kaum mehr als elf Euro abgestürzt. "Bei Kursen um 11,30 Euro hat die Aktie ihren Boden gefunden", sagte der Händler. Die Aufwärtsbewegung sei eine "gesunde Gegenreaktion".
Carrier1: Anleger verlassen "das sinkende Schiff"
Größter Verlierer im Nemax 50 war die Aktie des luxemburgischen Telekom-Dienstleisters Carrier1 . Sie verlor knapp neun Prozent und war damit nur noch zehn Cent wert. Das Unternehmen hatte am Freitag in Luxemburg ein Konkursverfahren beantragt. Nun verließen auch die letzten Anleger "das sinkende Schiff", kommentierten Händler.
Positive Konjunkturentwicklung - Flut von Bilanzen am Neuen Markt
Umfeld bessert sich
Positive Impulse erhoffen sich die Anleger von der Konjunkturentwicklung. Schon seit Jahresbeginn habe sich das fundamentale Umfeld für Aktien nach und nach verbessert, schreibt die Bankgesellschaft Berlin. Die Stimmungsindikatoren wiesen aufwärts, und auch Konjunkturzahlen wie die Industrieproduktion begännen sich in der Eurozone und in den USA zu stabilisieren.
Am Dienstag wird der Ifo-Geschäftsklima-Index für Februar veröffentlicht. Am Mittwoch folgt das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das abgelaufene Quartal. "Positiv überraschen" dürfte nach Einschätzung der DGZ DekaBank die zweite Schätzung des US-BIP, die am Donnerstag erwartet wird. Auch "Befragungsindikatoren" wie der Chicago-Einkaufsmanagerindex am Donnerstag sollten sich "verhalten positiv" zeigen. Von den Verbraucherpreisen für Frankreich (Dienstag) und Italien (Freitag) sowie den jüngsten Daten zur Geldmenge M3 (Mittwoch) erhoffen sich Volkswirte Hinweise auf die inflationäre Entwicklung in der Eurozone.
Etliche Unternehmenszahlen am Neuen Markt
Auch von Unternehmensseite gibt es Impulse für den Aktienmarkt. Am Donnerstag legen die am Neuen Markt notierten Analytik Jena Zahlen zum ersten Quartal sowie International Media und SCM Microsystems ihre Jahresbilanzen vor. Im Wochenverlauf legen auch die stark unter Druck geratenen Windpark-Bauer Umweltkontor und Plambeck ihre Kennzahlen für 2001 vor.
ThyssenKrupp veröffentlicht Bilanz
Unter den Standardwerten meldet sich am Dienstag ThyssenKrupp mit Zahlen zum ersten Quartal zu Wort. ProSiebenSat.1 veröffentlicht am Dienstag vorläufige Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr, die US-Baumarktkette Home Depot für das vierte Quartal 2001.
Am Mittwoch folgt der Schweizer Pharmakonzern Roche mit seiner Jahresbilanz 2001. Geschäftszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr gibt es am Donnerstag von Babcock Borsig und dem italienischen Autobauer Fiat. Am Freitag stellt die französische Großbank BNP Paribas ihr Jahresergebnis vor. An dem Tag lädt der Berliner Pharmakonzern Schering zur Bilanz-Pressekonferenz.
Positive Vorgaben aus New York - Nikkei etwas leichter - Euro kaum verändert
Nikkei unter Druck
Die Aktienbörse in Tokio hat am Montag leichter geschlossen. Nach anfänglichen Gewinnen in Folge der positiven Vorgabe der Wall Street büßte der Nikkei-Index für 225 führende Werte 60,31 Punkte oder 0,6 Prozent ein und ging beim Stand von 10.296 Zählern aus dem Markt. Der breitere Topix verlor 2,07 Punkte oder 0,2 Prozent und beendete den Handel beim Stand von 987 Punkten.
Wall Street schließt fest
Die Standardwerte an der New York Stock Exchange (NYSE) haben am Freitag im Plus geschlossen, obwohl neue Zweifel an den Bilanzierungspraktiken von US-Unternehmen den Markt belastet hatten. In New York schloss der Dow Jones rund 1,4 Prozent höher auf 9968 Zähler, während der marktbreite S&P-500-Index um 0,8 Prozent auf 1089 Punkte kletterte. Die Nasdaq kletterte um 0,5 Prozent auf 1724 Punkte.
Kurs des Euro kaum verändert
Der Euro ist mit einem leichten Kursverlust in die neue Woche gestartet. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete um 11.45 Uhr 0,875 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Freitag den Referenzkurs bei 0,8747 (Donnerstag: 0,8701) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,1432 (1,1493) Euro.
Die Devisenanalysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt rechnen zum Wochenstart mit einer Stabilisierung des Euro-Kurses. Impulse für den Devisenhandel könnten am Mittwoch aus den USA kommen, wenn sich US-Notenbankpräsident Alan Greenspan zur Konjunkturlage in der größten Volkswirtschaft der Welt äußern wird.
In der Vorwoche hatte der Euro gegenüber dem Dollar etwas Boden gut machen können. Devisenanalysten und Händler machten dafür vor allem die Verunsicherungen der Anleger über den Umfang von falschen oder unvollständigen Bilanzen von führenden US-Konzernen verantwortlich. Immer neue Meldungen über neue Untersuchungen bei US-Firmen - zuletzt JP Morgan und Computer Associates - habe erst den Aktienmarkt und nun den Dollar belastet, sagte David Ethridge, Devisenanalyst von MMS International.