Börse am Mittag Technologiewerte, avanti!
Frankfurt am Main - Einige Anleger nahmen zum Wochenende Gewinne mit, doch der Dax verteidigte bis zum Mittag ein Plus von 0,8 Prozent und hielt sich über der Marke von 3200 Punkten. Die Gewinne im Nemax 50 schrumpften auf 0,3 Prozent.
Technologiewerte und Versicherer waren die Zugpferde im Dax: Epcos , Infineon und SAP führten den Index mit Gewinnen zwischen 3,1 und 5,8 Prozent den Index an. Die deutlichen Gewinne an der US-Technologiebörse Nasdaq sorgten für Optimismus bei den Anlegern, obwohl der Computerbauer Dell nach guten Zahlen einen nur verhaltenen Ausblick lieferte.
Auch die Allianz und die Deutsche Telekom setzten ihre Klettertour zunächst fort. Beide Titel hatten bereits gestern trotz schwacher Zahlen deutlich zugelegt. Der Ausblick der Allianz auf das kommende Jahr und der neue Chef der Telekom wecken aber neue Hoffnungen.
BMW: Expansion kostet Geld
Gegen den freundlichen Trend gaben die Aktien von BMW am Freitagmittag 0,7 Prozent auf 33,61 Euro nach: Die aktuelle Modelloffensive wird nach Angaben von Konzernchef Helmut Panke auch 2003 das Ergebniswachstum belasten. Außerdem musste BMW im Oktober Einbußen bei den Neuzulassungen in Westeuropa hinnehmen. "Vor uns liegt eine Expansion, wie wir sie in der Vergangenheit noch nie durchgeführt haben", sagte Panke.
MLP: Ziel ist "schwer erreichbar"
Der Finanzdienstleister MLP hat im dritten Quartal vor Steuern nur noch halb so viel verdient wie vor Jahresfrist. Zudem scheint dem Unternehmen der operative Ertrag von 100 Millionen Euro "nur schwer erreichbar". Das Vorsteuerergebnis habe 7,7 Millionen Euro betragen nach 15,3 Millionen Euro im dritten Quartal 2001, teilte MLP mit. Die Gesamterlöse stiegen im dritten Quartal um 14 Prozent auf 246,5 Millionen Euro. Die Aktie gab bis zum Mittag um rund drei Prozent nach.
Analyst Arne Jockusch von Merck Finck & Co erklärte die Kursverluste damit, dass MLP für die nächsten Jahre nur noch ein gutes zweistelliges Wachstum prognostiziert habe. Damit wolle sich der Finanzdienstleister nicht mehr auf die zuvor erwarteten 20 Prozent festlegen. Ursprünglich hatte der Konzern sogar mit einem Plus von 30 Prozent gerechnet.
Allianz schiebt Münchener Rück an
Die Dresdner Bank AG wird nach Einschätzung von Allianz-Aufsichtsratsmitglied Helmut Perlet frühestens in einem Jahr zur Wertsteigerung der Allianz AG beitragen. Eine erfolgreiche Neuordnung der Bank werde mindestens zwölf Monate dauern, sagte Perlet. Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle hatte sich gestern trotz Rekordverlust für die Zukunft verhalten optimistisch geäußert. "Wir dürften den Tiefpunkt hinter uns haben." Die Allianz setzte mit einem Plus von 3,1 Prozent auf 108 Euro ihre Erholung fort und zog auch die Münchener Rück mit, die ebenfalls um 3,1 Prozent kletterte.
MobilCom: Blick nach Paris
Neuer Markt: MobilCom-Aktie im Fokus
Am Neuen Markt stehen einmal mehr die Aktien des angeschlagenen Telefonunternehmens MobilCom im Blickpunkt. Am Donnerstagabend wurde bekannt, dass Konzerngründer Gerhard Schmid nach langem Hickhack den Treuhänder-Vertrag unterschrieben hat. Ab jetzt verantwortet Ex-RTL-Chef Helmut Thoma Schmids Aktien. Damit ist die Insolvenz bei MobilCom vorerst abgewendet. Die Aktie kletterte daraufhin um 33 Prozent und schloss bei sechs Euro. Auch am Freitag setzte das Papier seine Klettertour zunächst fort und notierte um 9.30 Uhr bei 6,80 Euro, gab bis zum Mittag aber einen Teil der Gewinne wieder ab und notierte um 11.45 Uhr bei 6,30 Euro.
Noch ist das Unternehmen aber nicht über den Berg: Großaktionär France Telecom muss den Vertrag noch anerkennen, und die Banken müssen weiteren Krediten zustimmen. Die MobilCom AG erwartet allerdings nach der Einigung über den Treuhändervertrag, dass das komplette Sanierungspaket in den nächsten Tagen verabschiedet wird. Anleger erwarten, dass France Telecom heute zu dem Treuhändervertrag Stellung nimmt.
Comdirect: Hohe Kosten für den Umbau
Unbeeindruckt vom hohen Quartalsverlust des dritten Quartals sind die Aktien der Comdirect um 3,33 Prozent auf 3,72 Euro geklettert. Restrukturierungskosten hatten das Ergebnis gedrückt. Allerdings hat die Commerzbank-Tochter für das Gesamtjahr einen operativen Gewinn in Aussicht gestellt.
Nikkei legt zu
Die Börse in Tokio hat am Freitag deutlich im Plus geschlossen. Nach der positiven Vorgabe der Wall Street erholte sich der Nikkei-Index für 225 führende Werte um 200 Punkte oder 2,4 Prozent und ging bei 8503 Zählern aus dem Handel. Am Vortag war das Börsenbarometer noch auf den tiefsten Stand seit 19 Jahren gefallen.
Der Kurs des Euro notierte am Freitag etwas leichter bei 1,0029 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag bei 1,0095 US-Dollar festgesetzt.