Börse am Mittag: Technologiewerte geben nach - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Technologiewerte geben nach

Die Schwäche der Technologietitel drückt den Dax am Mittag tiefer ins Minus - lediglich DaimlerChrysler und MAN stemmen sich gegen den Trend. Am Neuen Markt gibt es mit Brokat eine weitere Pleite.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main –Der Dax baute am Mittag seine Verluste auf 1,5 Prozent und 5044 Punkte aus. Nachdem die Unterstützungsmarke bei 5100 Punkten nicht gehalten werden konnte, sehen Charttechniker nun Abwärtspotenzial für den Index.

Die Aktie der Deutschen Telekom   baute ohne neue Nachrichten ihr Minus auf drei Prozent aus und notierte am Mittag bei 18,92 Euro. Der Nemax baute seine Verluste auf 1,9 Prozent aus und notierte bei 1292 Zählern.

Gewinnmitnahmen bei Infineon

Da einen Tag nach dem Feiertag Thanksgiving an der Wall Street heute nur von 15.30 Uhr bis 19 Uhr mitteleuropäischer Zeit gehandelt wird, fehlen in Frankfurt Impulse. Bei geringen Umsätzen sind die Werte besonders anfällig für Schwankungen, insbesondere die Technologiewerte drehten nach festem Start deutlich ins Minus. Immer mehr Anleger nehmen nach der Kursrallye der vergangenen Tage offenbar Gewinne mit.

Auch der Chiphersteller Infineon rutschte auf Grund von Gewinnmitnahmen in die roten Zahlen. Infineon war gestern mit einem zweistelligen Plus aus dem Handel gegangen und notierte am Freitagvormittag zeitweise weitere drei Prozent im Plus. Konzernchef Ulrich Schumacher hat eine Erholung auf dem Sektor angedeutet, und zudem gibt es Anzeichen einer Preiserholung auf dem Chipmarkt.

Goldman Sachs behält Infineon weiterhin auf seiner Empfehlungsliste. Der Mutterkonzern Siemens   , der gestern von einer Heraufstufung durch Goldman Sachs profitiert hatte, baute seine Verluste auf 0,7 Prozent aus.

Volkswagen: Entscheidung im Aufsichtsrat

Die Aktie von Volkswagen   notierte am Tag der Aufsichtsratssitzung zuletzt nur noch 0,1 Prozent fester. Der designierte Konzernchef Bernd Pischetsrieder stellt seine Ziele vor. Weiterhin wird kräftig über die personellen Weichenstellungen im Konzern spekuliert. Berichten zufolge wechselt Audi-Chef Paefgen an die RWTH-Aachen. Ex-Hoffnungsträger Herbert Demel, derzeit Leiter von VW-Brasilien, muss offenbar auch gehen. Sowohl VW-Finanzchef Bruno Adelt als auch der bei VW für den Vertrieb zuständige Robert Büchelhofer werden nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ihre Positionen behalten.

DaimlerChrysler gegen den Trend fest

Stärkster Autotitel im Dax war DaimlerChrysler  : Der Konzern legte entgegen der schwächeren Tendenz 1,1 Prozent zu, während BMW   nachgab. Die größten Zuwächse im Dax verbuchte bis zum Mittag der Maschinenbauer MAN   mit einem Plus von 1,2 Prozent, obwohl der Konzern im Jahr 2002 mit einem weiteren Rückgang im Bereich Nutzfahrzeuge rechnet.

Die Aktie der HypoVereinsbank   notierte nach Anfangsgewinnen zuletzt schwächer. Die Krise in der Finanzbranche werde auch die HypoVereinsbank zu betriebsbedingten Kündigungen zwingen, berichtet das Handelsblatt.

Trüber Ausblick bei Allitalia – Lufthansa in Turbulenzen

Die Aktie der Lufthansa   , die gestern noch größter Verlierer im Dax war, legten am Freitag wieder leicht zu. Der trübe Ausblick bei Alitalia hat die deutsche Fluglinie vorerst nicht belastet: Die italienische Fluggesellschaft wird in diesem Jahr voraussichtlich einen Verlust von 600 Millionen Euro erzielen.

Schwächste Werte im Dax waren neben der Deutschen Telekom die Versorgerwerte Eon   und RWE   , die jeweils rund 2,4 Prozent abgaben. Auch Preussag   rutschte am Mittag weiter ab.

Konjunktur: Niedrige Energiekosten drücken Erzeugerpreise

Der Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte ist im Oktober dank rückläufiger Energiepreise lediglich um 0,6 Prozent zum Vorjahresmonat gestiegen. Dies sei die niedrigste jährliche Steigerungsrate seit Oktober 1999, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Im September 2001 hatte die Jahresveränderungsrate noch plus 1,9 Prozent betragen. Im Vergleich zum Vormonat ist der Index im Oktober 2001 um 0,9 Prozent gefallen. Der gestern bekannt gegebene Rückgang des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) im dritten Quartal hatte kaum Einfluss auf das Handelsgeschehen. Die EZB hatte gestern die Zinsen unverändert gelassen.

Neuer Markt: Brokat meldet Insolvenz an

Das Softwareunternehmen Brokat hat am Freitag die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Derzeit bestehe keine realistische Chance mehr, die am 12. November 2001 gemeldete Überschuldung zu beseitigen, erklärte das Unternehmen. Die Aktie wurde vorläufig vom Handel ausgesetzt.

Auch der Online-Broker ConSors   setzte auf Grund der Schwierigkeiten der Muttergesellschaft Schmidtbank seine Talfahrt fort. Spitzenreiter im Nemax 50 blieb Teleplan: Ergebnis und Umsatz der niederländischen Teleplan   sind in den ersten neun Monaten deutlich gestiegen. Wie der Anbieter von Dienstleistungen für die IT- und Kommunikationsindustrie am Freitag mitteilte, wuchs das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen in den ersten neun Monaten bereinigt um einmalige Kosten um 70 Prozent auf 26,2 Millionen Euro.

Euro unter 88 Cent

Der Euro bewegt sich bei geringen Umsätzen in engen Spannen. Die Gemeinschaftswährung habe zunächst von Äußerungen des britischen Premierministers Tony Blair profitiert, sich stärker in Europa engagieren zu wollen. Ein Euro kostete am Morgen 0,8791 Dollar.