Börse am Mittag: Techwerte schwächeln - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Techwerte schwächeln

Verluste der Schwergewichte Deutsche Telekom und Siemens drücken den Dax. Auch andere Technologiewerte und SAP leiden. Am Neuen Markt verliert Consors mehr als zehn Prozent.
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Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte sind weiter abgerutscht. Der Dax stand gegen 13 Uhr mit 1,7 Prozent auf 4826 Zähler im roten Bereich. Die Wachstumswerte im Nemax 50 verloren mehr als zwei Prozent auf 1099 Punkte.

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten die Aktien des Spezialchemiekonzerns Degussa   . Degussa hatte am Morgen Bilanzzahlen zum dritten Quartal vorgelegt. Das Papier verteuerte sich zuletzt noch um 0,34 Prozent auf 26,34 Euro. "Die Zahlen sind in line", sagte ein Händler einer ausländischen Großbank. Aber der Ausblick sei nicht gerade vielversprechend, merkte er an.

Degussa hat im abgelaufenen Quartal ein über den Erwartungen von Analysten liegendes Ergebnis erwirtschaftet, seine Ende Oktober gesenkten Erwartungen für das Gesamtjahr aber wiederholt. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) sei im dritten Quartal um elf Prozent auf 314 Millionen Euro gestiegen. Indes sei der Umsatz ohne den Edelmetallhandel um 16 Prozent auf 3,656 Milliarden Euro gefallen. Im Gesamtjahr erwartet Degussa weiterhin einen leichten Rückgang beim Ebita und bezifferte den bereits vorhergesagten deutlichen Rückgang beim Betriebsergebnis mit 20 bis 25 Prozent.

Henkel spricht Gewinnwarnung aus

Henkel   hat seine Erwartungen für das Geschäftsjahr 2001 deutlich nach unten revidiert. Das Papier verlor zuletzt 2,31 Prozent auf 63,84 Euro. Wie das Unternehmen am Montag bei der Vorlage des Neunmonatsberichts mitteilte, wird jetzt mit einem Rückgang des betrieblichen Ergebnisses (Ebit) um etwa fünf bis sieben Prozent gerechnet, der Jahresüberschuss und das Ergebnis je Aktie sollen "leicht unter Vorjahr" liegen. Im August hatte das Unternehmen noch ein Ergebnis auf Vorjahresniveau oder darüber in Aussicht gestellt.

Das Investmenthaus Delbrück Asset Management hat die Aktie nach Bekanntgabe der Zahlen von "Neutral" auf "Untergewichten" gestuft. Der Gewinn liege unter den Erwartungen, hieß es von der Investmentbank.

Gerüchte über schwache Geschäftszahlen belasteten die Aktien von Bayer  . Die Aktie gab 1,64 Prozent auf 34,29 Euro ab. Bayer legt am Mittwoch Zahlen für das dritte Quartal vor. "Es kursieren Gerüchte am Markt, wonach Bayer einen Verlust aufweisen wird", sagte ein Frankfurter Händler. Zudem habe es einen Pressebericht über Nebenwirkungen beim Milzbrand-Medikament Ciprobay gegeben. Nach dem Vermarktungsstopp des Cholesterin-Senkers Lipobay/Baycol drücke dies zusätzlich den Aktienkurs.

Schwächster Wert Dax-Wert war die Aktie von Siemens   . Das Papier verbilligte sich um 5,20 Prozent auf 56,25 Euro. "Der Ausblick für das US-Geschäft ist nicht so prickelnd", erklärte ein Händler. Zudem lege Siemens am Mittwoch Zahlen vor. Analysten erwarten einen Gewinneinbruch. Die Anleger gingen auf Nummer sicher und steckten die Kursgewinne der vergangenen Wochen ein, sagte der Händler.

Auch SAP   weiteten ihre Verluste auf über drei Prozent bei 125,65 Euro aus. Aktien der Deutsche Telekom   setzten ihren Negativtrend vom Freitag fort und verloren zuletzt 2,64 Prozent auf 18,44 Euro.

MobilCom   hat im dritten Quartal ohne UMTS-Anlaufkosten für ein positives Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibung und Amortisation (Ebitda) ausgewiesen. Das Ebitda inklusive UMTS-Anlaufkosten belief sich den Angaben zufolge im dritten Quartal allerdings auf minus 6,83 Millionen Euro im Vergleich zu plus 3,66 Millionen Euro im Quartal davon. Die Aktie rutschte um 2,60 Prozent auf rund 20,85 Euro ab. "Die Quartalszahlen waren unter den Erwartungen des Marktes", sagte ein Händler in Frankfurt. Er sei erstaunt, dass die Aktie nicht noch weiter nachgegeben habe.

Unter Verkaufsdruck standen auch Titel der Direktbanken. Consors   gaben 10,46 Prozent auf 11,64 Euro nach. Die Schmidt Bank, mit 64,5 Prozent Mehrheitsaktionär von Consors, hat Spekulationen über einen Finanzengpass energisch bestritten. "Wir sind überhaupt nicht gefährdet", sagte Bankchef Karl Gerhard Schmidt dem Düsseldorfer "Handelsblatt" (Montagausgabe). Es gebe keine Existenzbedrohung. Die Aktie von Consors geriet dennoch stark unter Druck.

Der "Spiegel" hatte berichtet, dass das Traditionshaus einen zusätzlichen Wertberichtigungsbedarf von bis zu 400 Millionen Euro (rund 782 Millionen Mark) habe. Die Bankenaufsicht prüfe, ob die Bank ihr Eigenkapital aufstocken müsse. Die Papiere der DAB Bank   rutschten um 6,67 Prozent auf 14 Euro ab und standen damit ebenfalls am Ende des Nemax 50.

Das kränkelnde Software-Unternehmen Brokat   ist überschuldet. Der Tatbestand, dass die Schulden das Vermögen der Firma übertreffen, sei bereits vor Abschluss der Sanierung eingetreten, teilte Brokat am Montag mit. Damit droht unmittelbar die Insolvenz. Der Umsatz des Unternehmens brach im dritten Quartal komplett zusammen und ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 75 Prozent auf 5,7 Millionen Euro (11,2 Millionen Mark) zurück. Der Nettoverlust im dritten Quartal lag bei 71 Millionen Euro.

Die Aktionäre von Brokat sollten heute auf der Hauptversammlung in Leinfelden-Echterdingen ihrer eigenen Entmachtung zustimmen. Nach dem Willen des Vorstandes sollen die Gläubiger einer Hochzinsanleihe Aktien erwerben und künftig die Mehrheit an dem Unternehmen halten. Die Aktie fiel zuletzt um knapp 19 Prozent auf 0,52 Euro ab.

Das Biotechnologieunternehmen GPC Biotech   hat seinen Verlust in den ersten neun Monaten 2001 verringert und damit ein Ergebnis am oberen Rand der Analystenerwartungen erzielt. Der Fehlbetrag sei in den ersten drei Quartalen auf 21,7 Millionen Euro von 27,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum geschrumpft, teilte das Nemax50-Unternhemen mit. Der Verlust je Aktie sei damit auf 1,20 Euro von 2,03 Euro gesunken. Den Umsatz bezifferte GPC mit 9,3 (Vorjahreszeitraum unbereinigt: 9,2) Millionen Euro. Die Aktie drehte in einem schwachen Marktumfeld mit 2,70 Prozent auf 13,41 Euro in die Verlustzone.

Verschaufpause in dieser Woche

Nach der Kursrallye und dem Zinssenkungsreigen der vergangenen Woche dürften die Aktienmärkte in den kommenden Tagen zunächst eine Pause einlegen. Für Zurückhaltung der Investoren sprechen unter anderem zahlreiche in dieser Woche anstehende Quartalszahlen von Unternehmen im Dax und am Neuen Markt. Zugleich dürften Gewinnmitnahmen nicht überraschen: Hatten die Standardwerte in der vergangenen Woche doch im Schnitt mehr als sieben Prozent zugelegt. Bei den Wachstumswerten im Nemax 50 waren es mehr als sechs Prozent.

Sollte der Dax allerdings nachhaltig die Marke von 5000 Zählern überschreiten können, stünden Fondsmanager Gewehr bei Fuß, um erneut einzusteigen, erklären Optimisten. Dann sei auch mit weiteren Kursaufschlägen zu rechnen. Die Experten von Helaba Trust hingegen zeigen sich pessimistisch. Sie rechnen für diese Woche mit einer Abwärtsbewegung auf bis zu 4500 Punkten.

Die Entwicklung im Dax wird auch stark davon abhängen, wie die Unternehmenszahlen ausfallen. Gleich elf der Dax30-Konzerne werden ihr Bilanzwerk vorlegen. Nach Meinung von HSBC Trinkaus & Burkhardt stehen den Anlegern dabei auch Negativüberraschungen ins Haus.

Der Zahlenreigen setzen am Dienstag BASF   und Infineon fort. Am Mittwoch folgen Lufthansa   , Bayer   , Allianz   und Siemens   mit ihren Resultaten. Für den Donnerstag haben Eon   und Linde   Ergebnisse angekündigt.

Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss am Montag deutlich schwächer. Der Nikkei gab verlor 134 Punkte oder 1,3 Prozent auf 10.081 Zähler.