Börse am Mittag Thiel fährt Achterbahn
Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte haben nach einem festen Auftakt gegen Mittag ihre Gewinne abgegeben und sind deutlich in die Verlustzone gerutscht. Der Dax verlor bis 12 Uhr 1,5 Prozent auf 3592 Punkte. Am Neuen Markt fiel der Nemax 50 um rund zwei Prozent auf 481 Zähler.
"Die Käufer halten sich vor der Zinsentscheidung in den USA zurück", sagte ein Händler einer ausländischen Großbank. Die Umsätze blieben daher sehr dünn. Der so genannte Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Notenbank Fed gibt seine Entscheidung erst nach Börsenschluss in Frankfurt bekannt. Die meisten Börsianer rechnen nicht damit, dass die Leitzinsen in den USA gesenkt werden. Die frühen Gewinne führte er auf die US-Vorgaben zurück. Der Dow-Jones und die Nasdaq hatten in den beiden letzten Handelsstunden am Montag ihre Verluste reduziert beziehungsweise wieder wett gemacht.
MAN einsam an der Dax-Spitze
Nach Vorlage der Quartalszahlen zog die Aktie des Münchener Maschinen- und Nutzfahrzeugherstellers MAN um mehr als fünf Prozent an und zählte damit zu den wenigen Gewinnern im Dax. "Die Zahlen haben uns überrascht", sagte ein Düsseldorfer Aktienhändler. Sie lagen über den Schätzungen vieler Analysten, wie er sagte. Der Konzern hatte zudem seine Jahresprognose bestätigt.
Leichte Gewinne verbuchten noch die Papiere von BMW und Fresenius Medical Care (FMC) . FMC profitierten dabei von positiven Analystenkommentaren. Die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein hatte am Morgen die Aktie des deutschen Medizintechnikanbieters von "Add" auf "Buy" herauf gestuft, wie Händler in Frankfurt berichteten.
Bei MLP nehmen Anleger Gewinne mit
Stark unter Druck geriet hingegen die Aktie des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP . Der Titel fiel um rund sieben Prozent auf 15,50 Euro. Der Kurs der MLP-Aktie sei geprägt von Spekulationen, sagte ein Händler. An den einen Tag ginge es rauf, am anderen Tag wieder nach unten. Nach der Gewinnwarnung und dem folgenden Kurssturz auf rund acht Euro hatte die Aktie in den vergangenen Tagen ihren Kurs nahezu verdoppelt.
Geschäftszahlen hatte auch der weltgrößte Spezialchemiekonzern Degussa veröffentlicht, die etwas besser als erwartet ausgefallen sind. Sie rücken nach Einschätzung von Händlern jedoch in den Hintergrund, da Degussa zum Tauschobjekt im Ruhrgas-Deal von Eon und RAG geworden ist. Degussa verloren rund ein Prozent auf 31,60 Euro nach.
Bayer rutscht in die Verlustzone
Hatte die Aktie des Chemie- und Pharmaunternehmen Bayer zunächst mit einem Kursplus von zwei Prozent zu den Gewinnern im Dax gezählt, rutschte die Aktie zuletzt um mehr als vier Prozent auf 23,33 Euro ab. Anleger sackten offenbar kurzfristig die Kursgewinne ein.
Ein Berufungsgericht in den USA habe das Bayer-Patent auf das Antibiotikum Cipro bestätigt und den Antrag auf Freigabe durch einen Generika-Hersteller zurückgewiesen, sagte ein Händler in Frankfurt. "Es scheint damit gesichert, dass Bayer das Patent bis zum Ende der Laufzeit (Dezember 2003) alleine nutzen kann", begründetet er die vorübergehenden Kursgewinne. Auch BASF notierten nach einem positiven Auftakt zuletzt mit rund einem prozent in der Verlustzone.
Gerüchte um Infineon
Unter den Technologiewerten verbuchten Infineon die größten Kursverluste und gaben mehr als vier Prozent nach. Es gebe Gerüchte, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs Infineon-Aktien platziere, sagten Händler. Ein Händler sagte, er habe mit seinen Kontakten bei Goldman Sachs gesprochen, die diesen Marktspekulationen widersprochen hätten.
Fortgesetzt unter Druck standen die Aktien der Versicherer. Allianz gaben rund drei Prozent auf 124 Euro nach. Münchener Rück verloren rund zwei Prozent auf 190 Euro. "Ein großes US-Brokerhaus hat geraten, den Allianz-Titel zu verkaufen und die französische Axa zu kaufen", sagte ein Händler in Frankfurt. Am Montag war die Allianz mit einem Minus von mehr als fünf Prozent als Dax-Schlusslicht aus dem Handel gegangen.
"Die massiven Schäden durch die Unwetter belasten das normale Versicherungsgeschäft", erklärte ein Analyst die Abschläge. Außerdem sei der Markt nach Ansicht eines Händlers "auf das Schlimmste gefasst", wenn die Allianz in dieser Woche die Halbjahreszahlen veröffentlicht.
Beiersdorf-Aktie gibt nach Zahlen nach
Der Kosmetikkonzern Beiersdorf hat im ersten Halbjahr Umsatz und Ergebnis gesteigert, gleichzeitig aber seine Prognosen für das Gesamtjahr leicht nach unten revidiert. Der Umsatz solle im Gesamtjahr nur noch um rund vier Prozent auf 4,70 Milliarden Euro wachsen, teilte das im MDax notierte Unternehmen am Dienstag in Hamburg mit.
Zuvor war Beiersdorf von 4,75 Milliarden Euro ausgegangen. Beim Jahresüberschuss erwartet der Konzern nun 275 Millionen Euro. Noch auf der Hauptversammlung Anfang Juni hatte Unternehmenschef Rolf Kunisch 285 Millionen Euro Reingewinn angekündigt. Die Aktie gab zuletzt mehr als fünf Prozent auf knapp 95 Euro nach.
Neuer Markt: Zocker spielen mit Thiel-Aktie
Neuer Markt: Zocker spielen mit Thiel-Aktie
Die meisten Aktien am Neuen Markt haben am Dienstag nachgegeben. "Die Umsätze sind sehr dünn", sagte ein Börsianer. Die Marktteilnehmer hielten sich vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank zurück. Zudem stiegen Investoren vom Neuen Markt in den Dax um.
Nur kurz profitierte die Aktie des im Nemax50 notierten Luxemburger Logistikdienstleisters Thiel Logistik von der Meldung, dass die Bad Homburger Beteiligungsgesellschaft Delton AG Thiel Logistik mit einer Beteiligung von knapp mehr als 50 Prozent übernehmen will. Der Titel verlor zuletzt mehr als sieben Prozent auf sieben Euro, nachdem er zu Handelsbeginn noch mit zwölf Prozent im Plus gestanden hatte.
"Es ist eine interessante Sache", sagte ein Düsseldorfer Händler. Hinter Delton stünde die Quandt-Familie und damit ein solider Finanzier. Allerdings sei die Nachricht schon seit Tagen als Gerücht im Markt gewesen und die Aktie hätte schon deutlich zugelegt. "Nun ist die Fantasie heraus", fügte er hinzu.
Zu den Gewinnern am Neuen Markt gehörte die Aktie der D.Logistics , die um rund 2,50 Prozent zulegte. "Das Unternehmen will bis Ende des Jahres entschuldet sein", begründete ein Händler.
Nach Vorlage von Bilanzzahlen verbilligten sich die Aktien von GPC Biotech um 5,75 Prozent auf 4,10 Euro. Die Papiere von CE Consumer fielen um rund vier Prozent. CE ist im zweiten Quartal bei rückläufigen Umsätzen und wegen hoher Sonderabschreibungen tief in die roten Zahlen abgerutscht.
Euro notiert bei 98 Cent
Der Kurs des Euro hat am Dienstagmittag um die Marke von 98 US-Cent gependelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag bei 0,9780 (Freitag: 0,9729) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0225 (1,0279) Euro.
Vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank Fed am Abend gegen 20.15 Uhr hielten sich die Marktteilnehmer zurück, sagten Händler. Die Umsätze seien sehr gering. Die Mehrheit der Volkswirte erwartet bei der Sitzung des geldpolitischen Ausschusses zwar keine Leitzinssenkung. Der wichtigste Leitzins beträgt derzeit 1,75 Prozent und befindet sich damit bereits auf dem niedrigsten Stand seit 40 Jahren. "Die Marktteilnehmer sind aber neugierig, ob der Offenmarktausschuss eine Neueinschätzung der geldpolitischen Ausrichtung vornimmt", sagte Takashi Fujieda, Devisen-Manager bei Mizuho Asset Trust Bank.
Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss am Montag mit Verlusten. Der Nikkei gab 0,4 Prozent auf 9707 Zähler ab.
Wall Street: Verluste im späten Geschäft reduziert
Wall Street: Verluste im späten Geschäft reduziert
Schwindende Hoffnungen auf eine Zinssenkung und der Insolvenzantrag der Fluggesellschaft US Airways sowie die Angst vor weitern Insolvenzen haben die Wall Street am Montag belastet. Immerhin: Im späten Geschäft konnte der Dow Jones seine Verluste auf 0,7 Prozent oder 8688 Punkte reduzieren. Der Nasdaq Composite schaffte sogar mit 0,1 Prozent den Sprung in die Pluszone, Endstand: 1306 Punkte.
Die Mehrheit der Analysten erwartet derweil keine Rücknahme der Zinsen an diesem Dienstag. Nach einer gestern veröffentlichten Umfrage des Forschungsinstituts National Association for Business Economics (NABE) zufolge werde die US-Wirtschaft aller Voraussicht nach nicht in eine erneute Rezession abrutschen und brauche daher auch keine neue Zinssenkung. Die Notenbank wird ihre Entscheidung kurz nach Börsenschluss in Deutschland bekannt geben.
Finanzwerte kamen unter Verkaufsdruck. Zu den Verlierern gehörten unter anderem Citigroup , J.P. Morgan Chase und Fannie Mae. "Finanztitel fielen, weil eine Zinssenkung unwahrscheinlich ist", sagte James Weiss, Fondsmanager bei State Street Research & Management.
Aktien der Fluggesellschaften fielen nach dem Konkursantrag der US Airways und Anlegersorgen über mögliche weitere Insolvenzanträge in der nach den Terrorangriffen vom 11. September hochverschuldeten Branche. US Airways fielen im nachbörslichen Handel um 76 Prozent auf 0,60 Dollar. Die Titel von Delta Airlines gaben rund vier Prozent nach. Auch UAL, die Holding der Fluglinie United Airlines, geriet unter Verkaufsdruck. Der zweitgrößte Carrier gilt als nächster Konkurskandidat. UAL fielen 27 Prozent.
An der Technologiebörse Nasdaq belastete nach Händlerangaben die Senkung eines Kursziels für die Aktien des führenden Zulieferers der Halbleiterindustrie, Applied Materials, auch andere Titel der Branche. Prudential Securities hatte das zwölfmonatige Kursziel für die Aktien des Unternehmens auf 21 von zuvor 27 Dollar gesenkt.