Börse am Mittag Verkaufspanik vor dem Hexensabbat
Frankfurt am Main - Der Dax ist am Freitag in den freien Fall übergegangen. Bei hohen Umsätzen rutschte der Index zeitweise um 140 Punkte (minus 3,2 Prozent) auf 4331 Punkte, erholte sich dann jedoch wieder ein wenig. Gegen 12.20 notierte der Index bei 4334,74 Punkten oder 3,0 Prozent im roten Bereich. Auch im Nemax 50 gibt es längst kein Halten mehr, der Index notierte zuletzt 5,5 Prozent im Minus bei 639 Punkten.
Auf dem Parkett nannten Händler auch den dreifachen Verfallstermin für Futures und Optionen als Grund für den erneuten Verkaufsrausch: Die Spekulationen vor dem "Hexensabbat" am kommenden Freitag, 21. Juni, hätten bereits eingesetzt. Und die enttäuschenden Unternehmensgewinne, die politische Unsicherheit sowie die tiefe Vertrauenskrise am Markt locken immer mehr Bären hervor, die auf weiter fallende Kurse setzen.
T-Aktie einstellig - Chance auf Turnaround?
Schwergewichte im Dax stehen massiv unter Druck. Die Aktie der Deutschen Telekom hat die 10-Euro-Marke durchschlagen und notierte zuletzt mit einem Verlust von 3,2 Prozent unter 9,88 Euro. Einige Händler zeigten sich sogar erleichtert: "Wenn jetzt die Marke endlich gefallen ist, gibt es vielleicht die Chance auf eine Erholung in den kommenden Wochen." Einige Händler spekulieren auf eine technische Gegenbewegung, die in der kommenden Woche einsetzen soll.
Kurs auf neue Tiefs
Derzeit wird der Abwärtstrend aber noch dadurch beschleunigt, dass zahlreiche Stop-Loss-Marken fallen und offenbar auch Großinvestoren wie Versicherer die Notbremse ziehen, um Verluste zu begrenzen. Schwergewichte wie DaimlerChrysler , SAP , Volkswagen und Siemens gaben zwischen 4,1 und 5,1 Prozent nach: SAP nähert sich wieder der Marke von 100 Euro, während DaimlerChrysler nur noch knapp über 46 Euro notiert.
Finanzwerte schwach
Die anhaltende Baisse drückt weiter auf die Finanztitel wie Deutsche Bank , HypoVereinsbank und Commerzbank , die am Freitag zum Handelsauftakt ihre Talfahrt fortsetzten. Die Aktie der Münchener Rück gab zuletzt knapp drei Prozent nach und fiel unter 220 Euro: Die Credit Suisse First Boston (CSFB) hat Händlern zufolge am Freitag den fairen Wert der weltgrößten Rückversicherungs-Gesellschaft von 295 auf 260 Euro gekürzt.
Auch Bill Gates verkauft
Technologieaktien gerieten auch durch die Talfahrt von Microsoft unter Druck. Im Kartellverfahren gegen den Software-Giganten hat ein US-Gericht den Antrag des Konzerns abgelehnt, die Klage von neun Bundesstaaten abzuweisen. Außerdem wurde bekannt, dass Microsoft-Gründer Bill Gates Aktien im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar verkauft.
MLP hält sich im Plus
Ironie der Börse: Ausgerechnet die am stärksten geprügelten Titel der vergangenen Tage legten am Freitag gegen den Trend zu. Der Finanzdienstleister MLP war mit einem Plus von zuletzt 0,4 Prozent Spitzenreiter im Dax. Am Donnerstag hat MLP-Vorstandschef Bernhard Termühlen hat die Vorwürfe des Anlegermagazins Börse Online zurückgewiesen. Dies hatte der Aktie zunächst aber nicht nachhaltig helfen können.
MobilCom knapp behauptet
MobilCom knapp behauptet
Am Neuen Markt stieg die MobilCom-Aktie am Freitag zunächst um weitere 2,6 Prozent auf 7,70 Euro, nachdem sie bereits am Vortag rund 20 Prozent zugelegt hatte. In den Tagen zuvor war die Aktie jedoch um rund 60 Prozent eingebrochen. Wie aus Pariser Finanzkreisen verlautete, bemühen sich die Banken und Großaktionär France Télécom intensiv um eine Lösung des Schuldenproblems der Telefongesellschaft. Zudem werde der Rücktritt von MobilCom-Chef Gerhard Schmid immer wahrscheinlicher, sagten Händler. Zuletzt reduzierte die MobilCom-Aktie ihre Gewinne jedoch deutlich: Zocker nehmen nach den Kursgewinnen gestern und angesichts der extrem nervösen Stimmung Gewinne sofort wieder mit. Mit einem Verlust von nur 0,5 Prozent war das Papier jedoch noch immer einer der stärksten Werte im Nemax 50.
Die wenigen Nemax-Titel, denen Investoren bislang noch vertrauten, geraten jetzt auf Grund ihrer vergleichsweise hohen Bewertung unter Druck. Die Aktie des Biotechnologieunternehmens Qiagen brach am Freitag um mehr als 13 Prozent ein.
Cargolifter: Rettung durch Boeing?
Auch die im Nebenwerte-Index MDax notierte Aktie von Cargolifter konnte am Freitag zunächst zulegen, nachdem sie sich bereits am Freitag um 50 Prozent auf 0,92 Euro verteuert hatte. Auslöser für den Kurssprung: Der US-Flugzeugriese Boeing prüft nach eigenen Aussagen einen Einstieg bei dem insolventen Luftschiffbauer. Bis Freitag Mittag ging es jedoch dann wieder abwärts: Spekulanten griffen Gewinne ab, die Aktie stürzte mit einem Verlust von knapp 20 Prozent ans Ende des Index.
Land unter an der Wall Street
US-Börsen knicken erneut ein
In den letzten beiden Handelsstunden baute der Dow Jones seine Verluste von 0,6 auf 1,2 Prozent aus und schloss nur hauchdünn über der Marke von 9500 Zählern. Der Technologieindex Nasdaq Composite, der um 20 Uhr MEZ 0,6 Prozent schwächer notiert hatte, schloss 1,5 Prozent schwächer und damit vier Punkte unter der wichtigen Unterstützung von 1500 Zählern.
Der Abwärtstrend an den US-Börsen ist intakt. Nicht nur die Umsatzwarnung von Lucent enttäuschte die Märkte. Auch die US-Einzelhandelsumsätze sind im Mai zurückgegangen. Lucent Technologies gaben mehr als vier Prozent nach: Der Technologiekonzern erwartet im laufenden dritten ein Umsatzminus zwischen 10 und 15 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. "Die Warnung von Lucent hat Ängste geschürt, dass die Telekommunikationsbranche weiter durchgeschüttelt wird", sagte ein Händler in New York. Hinzu kommt die Sorge, die US-Verbraucher könnten sich angesichts der unsicheren Konjunkturlage mit ihren Ausgaben zurück halten.
Börsianer hoffen, dass zumindest positive Konjunkturdaten die Märkte stabilisieren. Heute Nachmittag werden Daten zur Industrieproduktion für Mai sowie der vorläufige Index des Verbrauchervertrauens der Universität Michigan erwartet.
Finanzwerte unter Druck
Zu den Gewinnern zählten dagegen die Aktien des gebeutelten Mischkonzerns Tyco. Die Aktie legte um rund 36 Prozent auf 13,80 Dollar zu. Das Unternehmen hat die Genehmigung für einen Börsengang seiner Finanztochter CIT erhalten. Andere Finanzwerte wie etwa die Citigroup standen dagegen erneut auf der Verliererliste: Die anhaltende Börsenschwäche setzt besonders der Sparte Investmentbanking zu, so dass auch die global agierende Deutsche Bank seit Tagen an der Börse unter Druck steht.
Nikkei gibt nach, Euro steigt
Die Aktienbörse in Tokio hat am Freitag erneut schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte 224 Punkte oder 2,0 Prozent ein und fiel unter 11.000 Punkte ein. Der Euro notierte am Morgen mit 0,944 US-Dollar wieder deutlich über 94 US-Cent. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs des Euro gestern bei 0,9417 Dollar festgesetzt.