Börse am Mittag Verkaufsparty bei SAP
Frankfurt am Main - Der Dax stand mit knapp einem Prozent im Minus, der Nemax-50 notierte knapp ein halbes Prozent schwächer. Positive Impulse sind auch von der Wall Street vorerst nicht zu erwarten. Der Nasdaq Future stand am Mittag mit rund einem Prozent im Minus.
Die Verluste des Dax-Schwergewichts Deutsche Telekom von zuletzt 2,67 Prozent auf 35,75 Euro ziehen den Index in den Keller. Rechnet man die Sondererträge aus den heute vorgelegten Zahlen heraus, hat der Telekomriese im vergangen Jahr quasi nichts verdient. Telekomchef Ron Sommer sprach vor Journalisten von der "schwarzen Null". Verärgert reagieren auch die Anleger darauf, dass der Konzern sich mit konkreten Angaben über das vierte Quartal zurückhält. Investoren stellen sich die bange Frage, womit die Deutsche Telekom in Zukunft überhaupt noch Gewinne erwirtschaften will und stoßen das Papiere ab.
Die Papiere von SAP verlieren derzeit 3,85 Prozent auf 181 Euro. Hier lautet allerdings die Devise der Anleger "sell on good news". Sie nehmen jetzt die starken Kursgewinne der vergangenen zwei Wochen mit. Die Softwareschmiede hatte nach Angaben von heute Morgen ihren Gewinn für das vierte Quartal 2000 stärker gesteigert als angekündigt und blickt auch optimistisch in die Zukunft. Unter Kursabschlägen leiden auch Infineon (minus 2,29 Prozent) und Siemens (minus 1,85 Prozent).
Titel, die in der Vergangenheit eher im Schatten des Börsengeschehens gestanden hatten, sind wieder gefragt. Fresenius Medical Care führten den Dax mit Zugewinnen von 2,31 Prozent an. Henkel verbesserten sich um 0,85 Prozent, Münchener Rück legten 0,59 Prozent zu. Und auch Schering gehörten mit leichten Aufschlägen von 0,55 Prozent zu den Dax-Gewinnern.
Am Neuen Markt gönnten sich die Anleger eine kleine Pause, erklärte eine Brokerin. Nach den steilen Kursanstiegen der vergangenen Wochen, hielten die meisten Investoren inne, bevor, sie wieder Mut für eine erneute Rallye fassten. Zudem seien die Vorgaben aus den USA in dieser Phase der Quartalsergebnisse ein Wechselbad für Anleger. Einer positiven Meldung folge immer auch ein negatives Ergebnis eines US-Technologieriesen. Da diese Konzerne ihren Schatten auf die Ergebnisse ihrer deutschen Konkurrenten würfen, litten gesamte deutsche Branchen unter den Zahlen.
Ohne fundamentalen Nachrichten konnten Qiagen (plus 11,18 Prozent) sich an die Spitze der Gewinner im Nemax-50 setzen. Deutliche Kursaufschläge verzeichneten auch Thiel Logistik (plus 4,06 Prozent) und Aixtron (plus 2,30 Prozent).
Die Aktien von Intershop zeigten sich am gegen Mittag um 4,62 Prozent schwächer. Die "Bild-Zeitung" hatte zuvor berichtet, dass das Unternehmen in der Gründungsstadt Jena Personal abbauen wolle. Das Dementi konnte dem Kurs nicht wieder auf die Beine helfen.
Den Löwenanteil des Handelsvolumens vereinte die Aktie von Letsbuyit.com auf sich. Einen Tag vor Ablauf der Frist, vier Millionen Euro zu beschaffen oder den Konkurs ins Auge zu fassen, kletterte der Titel zuletzt um rund 31 Prozent auf 0,21 Euro. Das Papier ist mittlerweile zu einem Spielball der Zocker geworden. Anleger sollten die Finger von der Aktie lassen.
Die Aktien von Ixos Software gaben zuletzt 6,72 Prozent auf 12,36 Euro nach. Der Kursabschlag ist nach Ansicht eines Händlers der Frankfurter Sparkasse eine natürliche Reaktion auf den jüngsten raketenartigen Anstieg der Aktie. Anleger nähmen Gewinne mit, nachdem der Titel in den vergangenen zwei Wochen von 5,80 Euro auf 15,50 Euro empor geschnellt war.
Dem havarierten Medienkonzern EM.TV steht möglicherweise eine weitere Klage eines Großanlegers ins Haus. Das Papier verlor zuletzt rund 7,49 Prozent auf 7,90 Euro. T-Online gaben 1,32 Prozent auf knapp 15 Euro nach obwohl die Mutter Deutsche Telekom heute Morgen vermeldet hatte, dass Zahl der Kunden im vergangenen Jahr von 4,7 auf 7,9 Millionen gestiegen ist.
Der Software-Anbieter Parsytec aus Aachen hat in den ersten drei Monaten des viermonatigen Rumpfgeschäftsjahres 2000 (1. September bis 31. Dezember 2000) einen Umsatz von 21,9 Millionen Mark (plus 73 Prozent gegenüber Vorjahreszeitraum) erzielt. Die Auftragseingänge hätten 14,1 Millionen Mark betragen, ein Anstieg gegenüber dem vierten Quartal von 23 Prozent, teilte das Unternehmen mit. Der Kurs reagierte mit einem Abschlag von 7,55 Prozent auf 42,99 Euro.
Mis erwartet für das Geschäftsjahr 2000 einen Verlust vor Zinsen und Steuern von fünf Millionen Euro, verglichen mit plus 0,75 Millionen Euro im Vorjahr. Solche Nachrichten strafen die Anleger mit Verkäufen ab. Die Aktie verliert derzeit mehr als 20 Prozent auf 30,30 Euro.
Abgestraft wurden auch die Papiere von NSE Software. Die Aktien gehörten mit zu den größten Verlierern am Neuen Markt. Das Unternehmen hatte am Morgen eine Umsatzwarnung veröffentlicht. Ein Großauftrag sei weggebrochen. Der Kurs der Aktie brach um 36 Prozent auf 2,24 Euro ein.