Börse am Mittag: Verluste weiten sich aus - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Verluste weiten sich aus

Der Dax steht stark unter Druck und könnte bis auf 5400 Zähler fallen, sagen Charttechniker. Das Schwergewicht Deutsche Telekom verliert gegen Mittag mehr als sieben Prozent. Bei Bayer gibt es kein Halten mehr.
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Hamburg – Angeführt von den massiven Verlusten des Pharmakonzerns Bayer und der Deutschen Telekom hat der Dax bis 12.40 Uhr 2,1 Prozent auf 5629 Zähler nachgegeben. Der Dax sei charttechnisch angeschlagen, sagte ein Analyst. Ein weiteres Nachgeben auf 5400 Punkte sei möglich. "Bayer drückt enorm auf die Stimmung", sagte ein Händler. Die Gewinnwarnung sei sehr überraschend gewesen. Nach dem schwachen Ausblick des weltgrößten Netzwerkherstellers Cisco Systems standen Technologiewerte weiter unter Verkaufsdruck. Die Wachstumswerte im Nemax 50 rutschten mit 3,5 Prozent auf 1157 Zähler ab.

Bayer will gesamten Konzern umbauen

Die Aktie von Bayer erlebte nach der Gewinnwarnung ein Desaster. Der Wert rauschte zuletzt mit Abschlägen von 14 Prozent auf 39 Euro in den Keller und markierte damit ein 52-Wochen-Tief. Nach jüngsten Informationen soll der Konzern vollständig umgebaut werden. Das Pharma-Geschäft von Bayer stehe aber nicht zur Disposition, stellte der Konzern klar. Zugleich scheint der Kauf der Cropscience-Sparte von Aventis zu wackeln. Ad-hoc hieß es gegen Mittag, der Verkauf des Agfa-Anteils reiche nicht aus für den Erwerb der Sparte. Die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein riet zum Verkauf der Papiere.

BASF, die bereits gestern nach schwachen Geschäftszahlen abgegeben hatten, verloren weitere vier Prozent auf 43,82 Euro. Die Papiere von Schering stemmten sich mit leichten Verlusten von 0,20 Prozent auf 59,43 Euro halbwegs behauptet gegen den Abwärtstrend.

Bayer hat mit sofortiger Wirkung einen weltweiten Vermarktungsstopp mit Ausnahme von Japan für den Cholesterinsenker Baycol/Lipobay (Wirkstoff Cerivastatin) ausgesprochen. Durch die Belastungen aus dem Vermarktungsstopp würde die bisherige Ergebniserwartung für das Gesamtjahr "ganz erheblich unterschritten", warnte das Unternehmen am Mittwoch. Auch das für 2002 angestrebte operative Margenziel von 20 Prozent (vor Sonderposten) für das Arbeitsgebiet Gesundheit werde nicht weiter aufrecht erhalten, hieß es.

Nach Verlusten von 3,50 Prozent am Vortag rutschte die T-Aktie zuletzt um weitere 7,40 Prozent auf 21,65 Euro ab. Gestern war das Papier unter Druck geraten, nachdem bekannt geworden war, dass die Deutsche Bank im Auftrag von mehreren Großinvestoren rund 44 Millionen T-Aktien auf den Markt geworfen hatte. "Die Papiere werden von institutioneller Seite aggressiv um jeden Preis verkauft", sagte ein Händler einer Frankfurter Großbank. Offenbar handele es sich um die selben Verkäufer wie am Vortag. Zudem gebe es Gerüchte am Markt, dass die Investmentbanken Goldman Sachs und Merill Lynch ihr Kursziel senken werden, sagte ein anderer Händler.

Nach dem enttäuschenden Ausblick von Cisco Systems zeigten sich Technologiewerte ebenfalls schwächer und setzten damit ihren Abwärtstrend vom Vortag fort. Epcos, Siemens und Infineon gaben zwischen einem und zwei Prozent nach.

Die Aktie des Sportwagenherstellers Porsche stand zuletzt mit 1,13 Prozent auf 404 Euro im Plus. Der Wert wird aus dem M-Dax verbannt und hatte am Morgen von einem Rekordgewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr berichtet.

Index-Absteiger geben deutlich nach

Am Neuen Markt gerieten die Aktien von Brokat unter Druck. Das Softwareunternehmen muss den Nemax 50 verlassen. Die Aktie verlor neun Prozent auf 2,32 Euro. Telegate droht das gleiche Schicksal: Die Papiere gaben 6,4 Prozent auf 5,47 Euro nach.

Die Aktien des weiteren Abstiegskandidaten Kinowelt fielen um rund elf Prozent auf 1,82 Euro ab und belegten damit den letzten Platz im Nemax 50. Der Medienkonzern Kinowelt steckt laut einem Zeitschriftenbericht überdies offenbar in akuten Zahlungsschwierigkeiten. Die HypoVereinsbank habe als eine der Hausbanken Liquiditätsprobleme bestätigt, berichtete der «Stern» am Mittwoch vorab. HypoVereinsbank-Vorstand Dieter Rampl sagte dem Bericht zufolge: "Wir prüfen zusammen mit anderen Banken, wie da die Überlebenschancen stehen und ob wir eine Lösung hinkriegen.» Vergangene Woche hatte Kinowelt-Finanzvorstand Eduard sein Amt niedergelegt.

Die Kursentwicklung der Aufstiegskandidaten für den Nemax 50 fielen dagegen verhalten aus. AT&S (plus 3,85 Prozent auf 13,50 Euro), GPC Biotech (plus 1,36 Prozent auf 11,91 Euro) und Süss MicroTec (minus 1,60 Prozent auf 31 Euro). Diese drei Werte steigen in den Nemax 50 auf.