Börse am Mittag: Vorsicht, Skepsis, Unruhe - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Vorsicht, Skepsis, Unruhe

Investoren halten sich vor der Veröffentlichung der Intel-Zahlen bedeckt und setzen auf defensive Titel. Die Pharmawerte Fresenius und Schering legen zu. Die T-Aktie fängt sich, während ThyssenKrupp stark nachgibt.
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Frankfurt am Main – Der Dax pendelte nach volatilem Beginn am Mittag um den Vortagesschluss von 5061 Punkten. Der Nemax 50, der zeitweise seine Talfahrt vom Vortag ungebremst fortgesetzt hatte, konnte zuletzt seine Verluste immerhin auf 1,2 Prozent reduzieren und notierte bei 1170 Zählern.

Die defensiven Werte im Dax sind gesucht. Vor Bekanntgabe der Zahlen des Hightechriesen Intel will sich kaum ein Anleger die Finger verbrennen. Gewinner waren die Pharmakonzerne Schering   und Fresenius   sowie die Versorger Eon   und RWE   . Bei den Wachstumswerten im Nemax 50 gehörte der Chipbroker ACG   zu den Gewinnern.

ThyssenKrupp enttäuscht

Der Stahl- und Industriegüterkonzern ThyssenKrupp   hat angesichts der konjunkturellen Lage sein Ertragsziel für das im Oktober begonnene Geschäftsjahr 2001/2002 nach unten korrigiert. Das Vorjahresergebnis von 500 Millionen Euro vor Steuern (ohne Sondereinflüsse) sei nicht zu erreichen, teilte die ThyssenKrupp AG am Dienstag mit. Auch der zunächst angepeilte Umsatz von 38 Milliarden Euro sei nach derzeitigem Stand "eher anspruchsvoll". Die Aktie gab am Vormittag rund drei Prozent nach und gehörte gemeinsam mit der Lufthansa   zu den schwächsten Werten im Dax.

Finanztitel behauptet

Finanzwerte wie die Commerzbank   und die Allianz   starteten behauptet. Nach US-Börsenschluss hatte der Finanzdienstleister Fanny Mae ein Ergebnis über den Erwartungen bekannt gegeben. Auch der Online-Broker Etrade überraschte mit seinen Quartalszahlen positiv. Die Allianz verteidigte am Vormittag ein kleines Plus, obwohl nach Morgan Stanley nun auch Merrill Lynch den europäischen Versicherungssektor auf "neutral" heruntergestuft hat.

Warten auf Intel: Technologie unter Druck

Der Chiphersteller Intel   könnte heute mit positiven Quartalszahlen nach US-Börsenschluss für eine Trendwende sorgen. Der weltgrößte Chiphersteller wird heute nach Börsenschluss voraussichtlich einen Gewinn pro Aktie (EPS) von 11 Cent für das 4. Quartal 2001 ausweisen. Das erwarten die von Thomson Financial/First Call befragten Analysten. Im Vorjahresquartal hatte der weltweit führende Hersteller von Mikroprozessoren ein EPS von 38 Cent erwirtschaftet. Weiterhin werden heute der Netzwerkausrüster Juniper Networks und das Auktionshaus Ebay Zahlen melden.

Lehman Brothers stützt Infineon

Technologiewerte im Dax blieben im Vorfeld der Zahlen überwiegend unter Druck. Lediglich die Aktie der Deutsche Telekom   konnte sich ein wenig von den Vortagesverlusten erholen und legte zuletzt 0,3 Prozent zu. Die Papiere von Siemens   , Epcos   und SAP blieben in der Verlustzone. Infineon   pendelte um den Vortagesschluss, nachdem Lehman Brothers den Wert in seine europäische Empfehlungsliste aufgenommen hat.

Neuer Markt knickt ein

Positive Nachrichten des US-Brokers Etrade sowie der DAB konnten am Dienstag für keine nachhaltige Erholung im Sektor sorgen. Die DAB Bank   hat im vergangenen Jahr einen Zuwachs von rund 130.000 neuen Depots verzeichnet. Das entspreche im Vergleich zum Vorjahr einem Wachstum von 30,5 Prozent. Die DAB gab nach festem Start ihre Gewinne wieder ab, und auch die anderen im Nemax 50 notierten Online-Broker wie ConSors   und comdirect   rutschten bei volatilem Kursverlauf ins Minus.

Gewinner im Nemax 50 war der Chipbroker ACG. Aufsichtsräte und Großaktionäre der beiden Chiphändler ACG   und ce Consumer Electronic   verhandeln nach Informationen der "Financial Times Deutschland" über einen Zusammenschluss der beiden Unternehmen. "Wir befinden uns in der Evaluationsphase", sagte ACG-Aufsichtsrat Theodor Prümm der Zeitung.

Die Fondswerte im Nemax 50, T-Online   und Qiagen   , gaben nach ihren kräftigen Vortagesverlusten zum Auftakt weiter nach. "Der derzeitige Abschwung ist ein Zeichen typisch deutscher Gründlichkeit", begründete ein Händler die Kursabschläge. Die US-Börsen hätten die Woche wieder mit niedrigeren Notierungen begonnen, derartige Verluste rechtfertige dies aber nicht.

Wall Street schwächer

Der Dow Jones hatte am Montag 1 Prozent schwächer bei 9891 Zählern geschlossen. Der Technologieindex Nasdaq Composite gab um 1,6 Prozent auf 1990 Zähler nach. Die Rede des US-Notenbankchefs Alan Greenspan vom Freitagabend hatte auch am Montag die skeptischen Stimmen an der Wall Street gestärkt. Greenspan hatte erklärt, die Wirtschaft in den USA zeige bei weiter bestehenden Risiken erste Anzeichen einer Stabilisierung.

Außerdem hat Merrill-Lynch-Stratege Richard Bernstein am Montag dazu geraten, den Anteil von Anleihen auf 30 von bisher 20 Prozent anzuheben, Aktien auf 50 von 60 Prozent zu reduzieren und Bargeld mit 20 Prozent unverändert zu belassen. Es gebe derzeit nur eine dünne Grenze zwischen einem liquiditätsgetriebenen Markt, der eine Verbesserung der Fundamentaldaten erwartet, und einer Luftblase.

Samsung und Corning belasten

Die Technologiewerte leiden unter schlechten Nachrichten von Corning und Samsung. Der Netto-Gewinn des südkoreanischen Elektronikkonzerns Samsung ist einem Zeitungsbericht zufolge im vierten Quartal 2001 um 65 Prozent zurückgegangen. Der Umsatz sei um elf Prozent gefallen. Samsung nahm keine Stellung zu den Angaben und verwies auf die Veröffentlichung seiner Quartalsergebnisse am Mittwoch. Auch der US-Glasfaserhersteller Corning wird im vierten Quartal einen höheren Verlust ausweisen als zunächst geplant. Nach Intel und Ebay heute werden in dieser Woche noch General Motors, Yahoo, Citigroup, Ford, General Electric, IBM und Microsoft Geschäftszahlen vorlegen.

Nikkei deutlich schwächer

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Dienstag deutliche Verluste verbucht. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte gab um 233,54 Punkte oder 2,2 Prozent nach und beendete den Handel bei beim Stand von 10 208,05 Punkten. Der breiter angelegte TOPIX verlor 1,9 Prozent. Am Montag war die Börse in Japan wege eines Feiertags geschlossen. Der Euro notierte am Morgen mit 0,8911 Dollar.