Börse am Mittag: Warten auf Bushs Rede - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Warten auf Bushs Rede

Die deutschen Aktienmärkte können ihre Gewinne nicht halten und rutschen ins Minus. Die Schwergewichte aus der Technologiebranche ziehen den Dax nach unten. Gegen den Trend legt die Deutsche Telekom zu.
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Frankfurt am Main - Der Dax ist zum Mittag in die Verlustzone gefallen und hat bis 12.20 Uhr um rund 0,8 Prozent auf 4408 Punkte abgegeben. Mit einem leichten Minus behauptete sich der MDax auf 3907 Zählern. Am Neuen Markt sank der Nemax 50 auf 570 Punkte, ein Minus von 1,6 Prozent.

Kursbeeinflussende Unternehmensnachrichten gab es kaum. Das Marktgeschehen war vornehmlich von technischen Reaktionen geprägt, sagten Börsianer. Anleger warteten auf eine Grundsatzrede des US-Präsidenten George W. Bush. Bereits am Montagabend hatte Bush harte Gesetze zur Verhinderung künftiger Finanzskandale in amerikanischen Unternehmen angekündigt und sich gleichzeitig hinter den Chef der US-Börsenaufsicht SEC, Harvey Pitt, gestellt. Pitt mache seinen Job gut und habe rasch auf die jüngsten Buchungsunregelmäßigkeiten reagiert, sagte Bush. Mehrere prominente Politiker hatten zuvor den Rücktritt des SEC-Chefs gefordert. Bush betonte, das erschütterte Vertrauen von Verbrauchern und Investoren in US-Unternehmensführungen müsse wieder hergestellt werden. Einzelheiten will Bush heute in New York bekannt geben.

T-Aktie stemmt sich gegen den Trend

Zu den größten Gewinnern im Dax gehörte die Deutsche Telekom  . Das Papier stieg um über 1,5 Prozent auf 10,76 Euro. "Ein Zeitungsbericht über den bevorstehenden Verkauf von Teilen der Telekom-Sparte T-Systems hat dem Markt signalisiert, dass es der Vorstand mit der Entschuldung ernst meint", sagte eine Analystin zum überraschend festen Kurs der T-Aktie. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" prüft der mit 67,2 Milliarden Euro verschuldete Telefonkonzern den Verkauf von Teilen der T-Systems-Sparte. Zudem kursierten am Markt erneut Gerüchte, dass Telekom-Chef Ron Sommer kurz vor seiner Ablösung steht.

Aktien der Deutschen Post   profitierten nach Händlerinformationen von Umschichtungen professioneller Investoren vor der vorgesehenen Übernahme des Logistikers Stinnes  . Zudem sei die Aktie in den letzten Handelstagen bei nachrichtenlosem Geschäft überdurchschnittlich abgerutscht, was sie nun optisch billig erscheinen lasse. Die 'Aktie Gelb' legte um 1,6 Prozent zu auf 13,53 Euro.

Technologiewerte auf Talfahrt

Die schwer im Dax gewichteten High-Tech-Werte gaben nach. Händler führten das auf die schwachen Vorgaben für die Branche von der Nasdaq zurück. SAP-Anteilsscheine   verloren 2,9 Prozent auf 92,40 Euro. Die Aktien von Siemens   gaben 3,5 Prozent auf 60,30 Euro nach, Epcos-Papiere   rutschten um 2,2 Prozent auf 30,96 Euro.

"Da sich kein Anleger sicher ist wohin die Reise geht, werden die Gewinne erst einmal mitgenommen," erklärte ein Wertpapierhändler in Frankfurt die Abschläge. Ein anderer Händler sagte, dass eine Gewinnwarnung des irischen Softwareherstellers Iona Technologies zudem für einen schlechten Start in die Berichtssaison gesorgt habe und SAP belaste. Die Analysten von Lehman Brothers befürchteten nach dem deutlichen Verfehlen der Prognosen, dass die Softwarehersteller Schwächen beim Abschluss größerer Verträge zum Quartalsende zeigen könnten.

Erneut konnten sich Infineon   gegen den Branchentrend stemmen. Die Aktie verteuerte sich um 0,3 Prozent auf 16,90 Euro. In Asien hatten führende Branchenkonkurrenten am Morgen bereits kräftige Umsatzsteigerungen mitgeteilt.

Lufthansa vor Zahlen im Minus

Kurz vor der Vorlage der Verkehrszahlen für Juni notierte die Aktie der Deutschen Lufthansa im Minus. Der Kurs sank um 1,4 Prozent auf 14,03 Euro.

Autowerte notierten uneinheitlich. So verloren die Titel von Volkswagen   und DaimlerChrysler   leicht. BMW-Aktien   kletterten hingegen um 1,7 Prozent auf 43,24 Euro.

Babcock-Kurs erholt sich leicht - Niedrige Umsätze am Neuen Markt

Babcock-Kurs erholt sich leicht

Im MDax gehörten die Aktien des insolventen Maschinenbaukonzerns Babcock Borsig   zu den größten Gewinnern. Händler erklärten den Aufschlag von annähernd fünf Prozent auf 0,88 Euro mit einer technischen Gegenreaktion auf die starken Verluste des Vortages.

Am Tag der Hauptversammlung verloren die Aktien des TV-Konzerns ProSiebenSat.1   um 1,4 Prozent auf 9,35 Euro. Vorstandschef Urs Rohner sprach von einem schwierigen Geschäftsjahr 2002 und räumte zugleich Fehler in der Programmgestaltung bei ProSieben ein. Die Kirch-Pleite dürfte zudem dominierendes Thema sein. Nach der Insolvenz der Muttergesellschaft KirchMedia wird ProSiebenSat.1 wohl einen neuen Mehrheitsgesellschafter bekommen. An einem Einstieg sind zahlreiche Medienkonzerne und Finanzinvestoren aus aller Welt interessiert. Das im MDax notierte Unternehmen leidet derzeit wie die gesamte Branche unter der Werbeflaute. Im ersten Quartal brach das Ergebnis vor Steuern von 28,6 auf 8,5 Millionen ein. Der Umsatz sank um fünf Prozent auf 489,3 Millionen Euro.

Geringe Umsätze am Neuen Markt

Händler am Neuen Markt monierten niedrige Umsätze. Das Geschäft würde wieder von den Futures der US-Technologiebörse Nasdaq bestimmt.

Qiagen   ist nach einem festen Start wieder ins Minus gerutscht. Die Aktie des Biotechnologieunternehmens hat damit an die Talfahrt der vergangenen Handelstage angeschlossen und fiel bis zum Mittag um weitere 0,9 Prozent auf 7,04 Euro.

Balda deutlich im Plus

Mit einem Plus von acht Prozent auf 3,90 Euro führte die Aktie des Handy-Zulieferers Balda   die Gewinnerliste im Nemax 50 an. Ebenfalls freundlich präsentierten sich Ixos  , IDS Scheer   und Süss Microtec  . Nach weiter sinkenden Umsätzen im zweiten Quartal hatte die Aktie des Herstellers von Fertigungs- und Prüfgeräten am Vortag deutlich verloren.

Die Halbierung der Umsatzprognose des finanziell angeschlagenen Medienunternehmens RTV Family Entertainment   wirkte sich nicht auf den Aktienkurs aus. Die Aktien notierte unverändert auf 0,21 Euro, nachdem Papiere im Wert von gut 2500 Euro den Besitzer gewechselt hatten. Nach der Beendigung eines wechselseitigen Abnahmevertrags mit der nordamerikanischen Nelvana hat die Tochtergesellschaft des Verlags Ravensburger ihre Jahresumsatzprognose halbiert. Der Umsatz 2002 werde nun bei rund 30 Millionen statt der bislang avisierten 60 Millionen Euro liegen, teilte RTV am Montag nach Börsenschluss in München mit.

Schwache Vorgaben aus New York - Euro klettert an 0,99 Dollar

Nasdaq deutlich unter Druck

Der Dow Jones war am Montag um 1,1 Prozent auf 9274 Punkte gefallen, der Nasdaq schloss drei Prozent im Minus bei 1405 Zählern. Fortgesetzte Spekulationen über milliardenschwere Bilanztricks beim US-Pharmariesen Merck & Co.   und enttäuschend ausgefallene Geschäftszahlen des weltgrößten Aluminiumherstellers Alcoa   hatten für Kursverluste gesorgt, sagten Händler.

Tokios Börse schließt fest

Tokios Aktienbörse hat am Dienstag fest geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stieg deutlich um 191,05 Punkte oder 1,8 Prozent und ging beim Stand von 10.960 Punkten aus dem Handel. Der breit angelegte Topix verbesserte sich um 16,15 Punkte oder 1,6 Prozent auf 1050 Zähler.

Händlern in Tokio zufolge haben die anhaltenden Spekulationen über Bilanztricks beim US-Pharmariesen Merck & Co.   "keinen allzu großen Einfluss" auf die Kurse gehabt. "Es gibt ja regelmäßig Meldungen über Bilanzunregelmäßigkeiten, die Meldung war schnell verarbeitet", sagte ein Händler. Zudem habe die bisherige Reaktion der US-Börsenaufsicht SEC und der US-Regierung auf die Bilanzskandale die Marktexperten in Tokio beeindruckt, da sie im starken Kontrast zum Verhalten von japanischen Behörden in ähnlichen Fällen stehe.

Große Gewinner waren in Tokio Finanzwerte. Sumitomo Mitsui Banking legten 4,7 Prozent auf 666 Yen zu, Daiwa Securities stiegen 3,8 Prozent auf 840 Yen. Autowerte zeigten sich uneinheitlich. Toyota   stiegen 1,3 Prozent auf 3060 Yen, Honda   blieben unverändert bei 5020 Yen.

Pharmawerte konnten in Tokio trotz der möglichen Merck-Bilanzunregelmäßigkeiten zulegen. Takeda Chemical gewannen 2,3 Prozent auf 5400 Yen. Yamanouchi stiegen 2,9 Prozent auf 3160 Yen und Fujisawa legten 2,5 Prozent auf 2925 Yen zu.

Euro nähert sich der Marke von 99 Cent

Der Kurs des Euro hat sich im frühen Handel am Dienstag der Marke von 0,99 Dollar genähert. Gegen 11.45 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung 0,9897 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag bei 0,9828 (Freitag: 0,9725) Dollar festgesetzt.

Der Vorwurf der Umsatzmanipulation gegen den Pharmakonzern Merck & Co. hatte bereits am Vortag die Glaubwürdigkeit des amerikanischen Finanzmarktes belastet und den Dollar gedrückt, sagten Händler. Die Nervosität sei zudem angesichts möglicher Interventionen der japanischen Notenbank zu Gunsten der Währung groß, sagten Händler in Tokio. Japan zeige sich zum Handeln bereit. Die Zentralbank hatte bereits mehrfach am Devisenmarkt Yen-Positionen verkauft, um den Wert des Yen zur US-Währung niedrig zu halten.