Börse am Mittag: Warten auf die Wall Street - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Warten auf die Wall Street

Erst mit Eröffnung der US-Börsen dürfte wieder Schwung in die deutschen Aktienmärkte kommen. Gegen Mittag halten sich die Investoren weiter zurück. Techwerte gehören zu den größten Verlierern. Auch Finanztitel stehen unter Verkaufsdruck.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Große Ereignisse in den USA haben am Montag bis zum Mittag einen Schatten auf die deutschen Aktienmärkte geworfen. Angesichts bevorstehender Quartalszahlen zahlreicher Konzerne in den USA, sowie der mit Spannung erwarteten Rede von US-Notenbankchef Alan Greenspan vor dem US-Kongress am Mittwoch, hielten sich die Anleger zurück. Der Dax stand zuletzt mit 0,6 Prozent auf 5891 Zähler im Minus. Die Wachstumswerte im Nemax 50 rutschten bis 12.15 mit 0,6 Prozent auf 1221 Zähler ab.

Im Zentrum des Halbjahresberichts von Greenspan dürfte die Frage stehen, ob und wann die amerikanische Wirtschaft nach nunmehr sechs Zinssenkungen besser in Schwung kommen wird. Zudem stehen heute Geschäftszahlen der amerikanischen Großbanken Citigroup und Bank of America an, die auch Hinweise über die Verfassung an den Aktienmärkten geben werden.

Schwach präsentierten sich die Technologiewerte im Dax. Siemens, Epcos und Infineon notierten zwischen 1,55 und rund zwei Prozent schwächer. SAP gaben 1,90 Prozent auf 155 Euro nach und stand damit ebenfalls am Dax-Ende. Die Softwareschmiede wird am Donnerstag, 19. Juli, ihre Geschäftszahlen vorlegen.

Banken- und Energietitel im Fokus der Anleger

Die Dresdner Bank-Aktie wird voraussichtlich am Freitag nach Handelsschluss aus dem Deutschen Aktienindex Dax genommen. Die Allianz hatte zuvor bekannt gegeben, dass sie nach vorläufigen Zahlen künftig mehr als 95 Prozent der Anteile an der Dresdner Bank halten wird. Die Aktie des Geldinstituts konnte ihre Verluste zuletzt auf 1,27 Prozent bei 47,39 Euro reduzieren. Die Aktie der Allianz stand zuletzt in etwa auf ihrem Vortagesniveau bei 321 Euro.

Dickes Zusatzgeschäft für Versicherer?

Nicht profitieren konnten damit die Aktien von Versicherern von der Nachricht, dass die Bundesregierung angeblich beabsichtigt, die Beamtenpensionen zu kürzen und die private Vorsorge auch für den öffentlichen Dienst einführen will. Die Pensionen der 1,9 Millionen Beamten sollen demnach zwischen 2003 und 2010 um insgesamt fünf Prozent abgesenkt werden, schreibt das "Handelsblatt". Die Aktien des Allianz-Konkurrenten Münchener Rück verloren 1,22 Prozent auf 330,25 Euro.

Die Deutsche Bank beabsichtigt, den Zahlungsverkehr und das Wertpapiergeschäft mit anderen Großbanken gemeinsam abzuwickeln. So könnte eine der größten Transaktionsbanken Europas entstehen, schreibt "Die Welt". Die Kostenersparnis wäre enorm, wird Vorstandsmitglied Hermann-Josef Lamberti zitiert. "Das ist keine Story, die zu Kursfantasien beiträgt", kommentierte ein Händler. Die Aktie des Branchenprimus stand mit 0,25 Prozent auf rund 83 Euro im Minus. HypoVereinsbank-Papiere notierten 0,90 Prozent schwächer auf 53,71 Euro. Die Aktien der Commerzbank zeigten sich 0,22 Prozent schwächer bei 27,34 Euro.

Gewinnmitnahmen drückten den Kurs der Aktie von Adidas-Salomon um 1,72 Prozent auf 74,69 Euro. Die Aktie war am Freitag als Tagessieger aus dem Handel gegangen, nachdem der Sportartikelhersteller seine Umsatzprognosen bestätigt hatte.

Eon will ihr gesamtes Ölgeschäft (Veba Oel) einschließlich der in Deutschland führenden Tankstellenmarke Aral an den britischen Erdöl-Konzern BP ab. BP wird zunächst einen Anteil von mehr als 50 Prozent übernehmen, diesen später aber aufstocken können. Eon stiegen um 0,55 Prozent auf 64 Euro. Im Tankstellengeschäft seien sowohl Aral als auch BP in Zugzwang geraten, weil Shell sein Öl- und Benzingeschäft vor wenigen Wochen mit RWE-DEA zusammengelegt habe. RWE-Aktien legte 0,22 Prozent auf 49,60 Euro zu.

Die Aktie von Brokat zählte am Montagmittag zu den großen Kursgewinnern im Nemax 50, wofür Händler erneut Übernahmefantasien verantwortlich machten. Die Aktien des Herstellers für Sicherheitssoftware legten bis 12 Uhr 6,12 Prozent auf 4,16 Euro zu.

D.Logistics gehörten dagegen zu den größten Verlierern im Nemax 50, bei Kursabschlägen von rund 8,50 Prozent auf 9,70 Euro. Händler führten die Kursbewegung auf den "übertriebenen" Kursanstieg vom Freitag zurück, als das Papier rund 13,40 Prozent zugelegt hatte. Unternehmensnachrichten lägen ihm nicht vor, sagte ein Händler.

Greenspan stellt sich dem US-Kongress

Angespornt von freundlichen Ausblicken oder guten Geschäftszahlen der US-Konzerne Yahoo, Motorola und Microsoft haben die deutschen Aktienmärkte in der vergangenen Woche zugelegt. Der Dax steht vor dem Sprung, die psychologisch wichtige 6000-Punkte-Marke zu überwinden. Gleichwohl dominiert eine vorsichtig beobachtende Haltung unter den Investoren.

Dies gilt insbesondere für die Anleger am Neuen Markt, wie etwa der stark volatile Handelsverlauf am letzten Freitag gezeigt hat. Denn nicht zuletzt jüngste Konjunkturdaten in den USA lassen keine klare Aussage über die weitere Entwicklung der weltstärksten Ökonomie zu. Bohrenden Fragen wird sich deshalb US-Notenbankchef Alan Greenspan an diesem Mittwoch vor dem Bankenausschuss des US-Kongresses stellen müssen.

Noch zeitigen die sechs Zinssenkungen nicht die gewünschte höhere Investitionstätigkeit bei den Firmen. Mittlerweile befürchten Ökonomen in den USA, dass der Verbraucher seine Spendierhosen ausziehen und seine Geldbörse fester umklammern werde. Damit begänne die wichtigste Stütze der US-Konjunktur zu wackeln. Zugleich schließen Experten einen Anstieg der Arbeitslosigkeit von 4,5 auf fünf Prozent nicht aus.

Heiße Woche steht bevor

Wie es um die US-Wirtschaft bestellt ist, wird diese Woche zeigen. Die Berichtssaison treibt auf ihren Höhepunkt zu. Zahlreiche Blue Chips aus dem Dow Jones und der Technologiebörse Nasdaq werden ihre Zahlen für das zweite Quartal vorlegen. Darunter rangieren keine Geringeren als Intel, Apple, IBM, Sun und Cocla Cola. Schließlich geben europäische Großkonzerne wie Nokia, Ericsson, SAP, DaimlerChrysler und Philips ihre Geschäftszahlen bekannt.

Die Finanzwelt wird heute insbesondere ihr Augenmerk auf die anstehenden Quartalszahlen der US-Riesen Bank of America und Citigroup richten. Die Verfassung der zu den weltweit größten Banken zählenden Konzerne gilt als Spiegelbild für den Zustand der Börsen.