Börse am Mittag Warten auf die Wall Street
Frankfurt am Main Der Dax hat seine Verluste deutlich ausgeweitet und fiel um 0,8 Prozent auf 4439 Punkte. Nur leicht schwächer präsentierten sich die Nebenwerte: Der MDax sank geringfügig um 0,1 Prozent auf 4121 Zähler. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 auf 685 Punkten, ein Minus von 0,4 Prozent.
"Wir sind gestern zu gut gelaufen und der Markt korrigiert den starken Anstieg jetzt leicht ", sagte ein Händler. Mit Kursabschlägen von mehr als drei Prozent, lastete vor allem das Indexschwergewicht Münchener Rück auf dem Blue-Chip-Index. Nach Angaben aus Marktkreisen bereitet die Deutsche Bank derzeit eine Platzierung von rund acht Millionen Aktien vor. Zu den Verlierern gehörten auch die Technologiewerte, die Händlern zufolge unter Gewinnmitnahmen litten.
Positive Impulse könnten am Nachmittag aus den USA kommen. Vor der US-Börseneröffnung werden in Washington die Verbraucherpreise, die Realeinkommen und die Zahlen zum Wohnungsbau jeweils für den Monat Mai veröffentlicht. "Wenn die gut werden, kann sich die gestrige Erholung fortsetzen", erklärte ein Börsianer. "Hauptsächlich wird der Markt auf die Verbraucherpreise schauen", sagte ein Händler. "Man geht von einem niedrigeren Anstieg im Vergleich zum Vormonat aus und es wäre auch schön, wenn die Preise nicht nennenswert gestiegen wären". Richtungweisend dürften auch die Geschäftszahlen des weltweit zweitgrößten Softwarekonzern Oracle zum Geschäftsjahr 2001/02 werden, die nach Börsenschluss veröffentlicht werden sollen. Sollte die Bilanz jedoch enttäuschen, sind Kursverluste für Mittwoch im Technologie-Bereich schon vorprogrammiert.
Mit Abstand größter Dax-Verlierer waren die Papiere der Münchener Rück , die um drei Prozent auf 222,25 Euro nachgaben. Nach Angaben aus Marktkreisen bereitet die Deutsche Bank derzeit die Platzierung von rund acht Millionen Aktien der Rückversicherers vor. "Sie sind noch sehr unsicher, was die Auswirkungen auf den Preis betrifft und es könnte auch sein, dass sie die Platzierung nicht durchführen", sagte ein Fondsmanager. "Sie haben mit ein paar Leuten im Markt gesprochen und fragen an, ob Interesse an den Aktien bestehe, wenn die Platzierung durchgeführt würde." Der Preis könnte den Aussagen zufolge zwischen 210 und 215 Euro liegen. "Das kann sich aber auch noch ändern", hieß es. Auch die Allianz-Aktie verlor deutlich um 1,6 Prozent auf 210,50 Euro.
Telekom: "Kein wirklicher Verzicht"
Die Aktien der Deutschen Telekom gaben ihre frühen Gewinne wieder ab und notierten am Mittag nahezu unverändert auf 10,52 Euro. Händler zeigten sich von einem Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach Telekom-Chef Ron Sommer und seine sieben Vorstandskollegen in diesem Jahr freiwillig auf den Erhalt von Aktienoptionen als Teil ihrer Vergütung verzichten wollen, unbeeindruckt. Neben den Telekom-Vorständen sollen außerdem 3000 weitere Führungskräfte auf die Hälfte ihrer Aktienoptionen verzichten, berichtet die Zeitung ohne Angabe von Quellen. "Wenn die Aktienoptionen praktisch wertlos sind, dann kann man nicht wirklich von einem Verzicht sprechen", sagte ein Händler. Auch einen positiven psychologischen Effekt kann der Börsianer nicht erkennen. "Solche Forderungen sind ja schon des Öfteren gestellt worden", sagte Stefan Buchholz von der DZ Bank. Bei den Verlusten der Gesellschaft seien die hohen Vorstandsbezüge in die Kritik geraten. Die Meldung über einen Verzicht bewertet Buchholz als neutral.
Infineon fährt Achterbahn Post weiter unter Druck
Die Aktie des Halbleiterherstellers Infineon fuhr bis zum Mittag Achterbahn. Im frühen Handel führte das Papier die Dax-Gewinnerliste an, drehte dann ins Minus und legte zuletzt wieder rund 0,2 Prozent auf 16,39 Euro zu. Händler warten auf Details für eine Kooperation mit zwei führenden Chip-Herstellern.. Branchenkreisen zufolge wird Motorola einer der Partner sein. "Viele Investoren warten gespannt darauf, wer die beiden Partner sein werden", sagte ein Händler in Frankfurt. Die meisten Marktexperten würden aber annehmen, dass Motorola einer der beiden sein werde. "Noch gibt es keine Details, aber die Anleger versprechen sich durch diese Kooperation natürlich Fortschritte bei der Technologie und niedrigere Kosten", sagte ein Händler. Die übrigen Technologiewerte wie Epcos und Siemens gaben deutlich nach, SAP legte gegen den Trend jedoch um 1,4 Prozent zu.
Die Autowerte präsentierten sich uneinheitlich. Die Volkswagen-Aktie gewann 0,9 Prozent auf 53,47 Euro. Leicht schwächer notierten hingegen BMW und DaimlerChrysler . Der Vorstandschef des Automobilkonzerns, Jürgen Schrempp, rechnet in einem Gespräch mit dem "Handelsblatt" in den USA hochgerechnet auf das Jahr mit einem Absatz von mehr als 16 Millionen Fahrzeugen.
Spekulationen über Streik belasten Lufthansa
Nach einem freundlichen Auftakt sind die Aktien der Lufthansa ins Minus gerutscht. Das Papier gab zuletzt um 1,6 Prozent auf 14 Euro nach. Gerüchte über einen möglichen Streik der Fluglotsen in Europa belasten das Papier, sagte Buchholz. Positiv wertete er dagegen die Prognosen des Finanzchefs der Lufthansa. Im Gespräch mit der "Börsen-Zeitung" hatte Karl-Ludwig Kley gesagt, der positive Trend bei den Erlösen dauere an. Er halte es für möglich, dass im kommenden Jahr beim operativen Gewinn die Latte von einer Milliarde Euro "nicht gerissen" werde. Auch ein Händler einer ausländischen Großbank wertete die Aussagen des Finanzchefs als positiv.
Deutlich unter Druck stand erneut die "Aktie Gelb", die um 1,8 Prozent auf 13,85 Euro abgab. Bei der Diskussion um die eventuelle Rückzahlung von 572 Millionen Euro durch die Deutsche Post ist die Möglichkeit einer Portosenkung in den Mittelpunkt gerückt. Ein geringeres Briefporto würde die Gewinnmargen bei den Bonnern belasten, sagten Händler.
Fresenius Kabi belastet FMC-Aktie
Die Aktie von Fresenius Medical Care verbilligte sich um 2,2 Prozent auf 50,85 Euro. Börsianer führten die Kursverluste auf die gesenkte Gewinnprognose von Fresenius Kabi zurück, einer nicht börsennotierten Tochter von Fresenius. "Auch FMC meldete in der jüngsten Vergangenheit immer wieder schlechte Nachrichten", sagte ein Münchener Analyst. Der Markt ziehe nach der Einmalaufwendung von Fresenius Kabi nun Rückschlüsse auf das Schwesterunternehmen, fügte ein Frankfurter Händler hinzu. Die 100-prozentige Fresenius-Tochter hat die Schätzung für das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) in 2002 auf Grund einmaliger Aufwendungen für weitere Restrukturierungsmaßnahmen in Höhe von 25 Millionen Euro von 115 Millionen Euro auf 90 Millionen Euro gesenkt.
Neuer Markt: Umweltkontor profitiert von Ecomill-Kauf
Am Neuen Markt gehörte die Aktie von Umweltkontor zu den größten Gewinnern im Nemax 50. Die Anteilsscheine verteuerten sich um über vier Prozent auf 3,87 Euro. Der Windparkbauer hat die Ecomill Windpark Beteiligungs- und Verwaltungs GmbH vollständig übernommen. Durch diesen Schritt solle der Service-Bereich gestärkt werden, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag in Erkelenz. Finanzielle Details wurden nicht mitgeteilt.
Auch GPC Biotech und T-Online präsentierten sich freundlich. Größter Verlierer mit einem Abschlag von mehr als acht Prozent auf 21,31 Euro war das Papier von Süss Microtec
Hohe Gewinne in New York und Tokio Euro etwas fester
Dow Jones gewinnt über 200 Punkte
Der US-Aktienmarkt hat am Montag seinen steilsten Anstieg seit mehr als einem Monat verbucht. Zuvor hatten etliche Unternehmen ihre Ertragsprognosen nach oben berichtigt. Auslöser des Aufschwungs sei McDonald's gewesen, sagten Händler. Der führende Fast-Food-Verkäufer sagte, der Gewinn im zweiten Quartal werde die eigenen Prognosen übertreffen. Der Dow-Jones-Index für 30 Standardwerte stieg um 213,21 Punkte oder 2,3 Prozent auf 9687 Zähler. Die Nasdaq erhöhte sich um 48,55 Punkte oder 3,2 Prozent auf 1553 Zähler. Der breiter gefasste Standard & Poor's 500-Index legte 28,90 Punkte oder 2,9 Prozent auf 1036 Zähler zu.
Wall-Street-Vorgaben beflügeln Nikkei
Die japanischen Standardwerte haben am Dienstag deutliche Kursgewinne verzeichnet. Händler machten dafür die günstige Bewertung vieler Aktien nach den jüngsten Kursverlusten verantwortlich, die Anleger zum Einstieg genutzt hätten. Auch die positiven Vorgaben von der Wall Street sowie die Heraufstufung des japanischen Aktienmarktes von "Underweight" auf "Market Weight" durch Morgan Stanley hätten den Markt beflügelt.
Das Handelsvolumen war allerdings ausgesprochen dünn. Das Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Japan und der Türkei, das kurz nach Börsenschluss angepfiffen wurde, zog die Aufmerksamkeit vieler Börsianer bereits vorher auf sich. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gewann 175,82 Zähler oder 1,7 Prozent auf 10.839 Punkte. Der breit angelegte Topix legte 15,70 Punkte oder 1,5 Prozent auf 1041 Zähler zu.
Gefragt waren die Aktien von Technologiewerten. Rohm verteuerten sich um 390 auf 17.600 Yen, TDK um 160 auf 6030 Yen und Advantest um 330 auf 7980 Yen. Auch die Papiere von Chip-Herstellern legten zu. Fujitsu gewannen sieben auf 856 Yen, NEC neun auf 875 Yen, Hitachi 15 auf 811 Yen und Toshiba 20 auf 501 Yen. Die Anteilsscheine von Sony kletterten um 60 auf 6480 Yen, die von Matsushita um 32 auf 1648 Yen.
Euro leicht gestiegen
Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 11 Uhr 0,9476 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag bei 0,9426 Dollar festgelegt, nach 0,9478 Dollar am Freitag. Ein Dollar kostete damit 1,0609 (Freitag: 1,0551) Euro.
Der Euro habe sich trotz der Kursgewinne am US-Aktienmarkt gut halten können, sagte Sean Callow, Devisenexperte bei IDEAGlobal in New York. Dies sei ein gutes Zeichen für den Euro. Die Stimmung bleibe weiter gegen den Dollar gerichtet. Auch in Tokio behauptete sich der Kurs des Euro.