Börse am Mittag Wenige Lichtblicke
Frankfurt am Main Der Dax tendierte bis zum Mittag 0,9 Prozent schwächer und notiert nahe der kritischen Marke von 4800 Punkten. Der Nemax 50 gab 0,9 Prozent auf 937 Punkte nach. Um 14.30 werden die Arbeitsmarktdaten aus den USA gemeldet.
Trotz der tapferen Prognose von Intel gibt es keine Entwarnung. Händler machen das Auslösen von Stopp-Loss-Orders für die weiteren Verluste verantwortlich. "Viele Anleger wollen nur noch raus ohne Rücksicht auf Verluste", meinte ein Händler. Außerdem würden Versicherungsgesellschaften, die zur Sicherstellung ihrer Rendite bereits stille Reserven anknabbern mußten, nach den herben Verlusten am Aktienmarkt nun die Reißleine ziehen, ergänzte ein Börsianer.
Eine Studie von Goldman Sachs stärkte zumindest die gebeutelten Halbleiterwerte. Die Investmentbank hat den europäischen Halbleitersektor auf "Übergewichten" gestuft, Epcos als Outperformer bewertet und Infineon auf ihre Empfehlungsliste gesetzt. Infineon , die auch von der Intel-Prognose gestützt wurden, waren mit einem Gewinn von mehr als fünf Prozent am Mittag Spitzenreiter im Dax. Auch Epcos legte aufgrund des Analysten-Ratings zu.
Die Softwarschmiede SAP erholte sich minimal auf 128 Euro. Die Aktien der Deutsche Telekom näherten sich dagegen ihrem Ausgabepreis von umgerechnet 14,57 Euro von November 1996. Auch Siemens gehörte zu den Verlierern im Dax.
Deutsche Bank: Ade Allfinanz
Finanzwerte bleiben unter Druck. Gerüchte, die Deutsche Bank werde seine Vermögensverwaltung (Asset Managment) ausbauen und im Gegenzug das Versicherungsgeschäft reduzieren, konnten der Aktie der Deutsche Bank nicht weiterhelfen. Die Deutsche Bank und die Zürich-Gruppe stehen nach Angaben der "Financial Times Deutschland" vor einem Tauschgeschäft, mit dem die Deutsche Bank sich aus dem operativen Versicherungsgeschäft verabschieden würde.
Die Aktie der Deutschen Bank notierte dennoch schwächer und fiel zeitweise unter 70 Euro. Auch die Allianz und die Münchener Rück gaben weiter nach. Größter Verlierer bis Freitag Mittag war der Finanzdienstleister MLP , der seit seinem Aufstieg in den Dax ein Kursdebakel erlebt.
Autowerte fest - Neuer Lenker bei VW
Autowerte notierten auch am Freitag gegen den Trend fest. Bernd Pischetsrieder ist als Nachfolger von VW-Chef Ferdinand Piech gewählt. Die Aktie von Volkswagen hielt sich am Mittag weiter in der Dax-Spitzengruppe. Auch BMW zeigte sich fester: Die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt beflügelt die Branche.
Neuer Markt bleibt dreistellig
Am Neuen Markt überwiegt die Angst, die neuen Arbeitsmarktdaten aus den USA würden die Nasdaq weiter belasten. Pixelpark und Broadvision zählten am Vormittag zu den wenigen Gewinnern. Einer der größten Verlierer war das Biotechnologieunternehmen Qiagen mit einem Verlust von rund sechs Prozent.
Fusion mit KirchMedia läßt ProSieben abstürzen
Medienmogul Leo Kirch bringt sein Kerngeschäft durch eine Fusion mit dem ProSieben-Konzern im kommenden Jahr an die Börse. ProSiebenSat1 Media wird dazu auf die Muttergesellschaft KirchMedia verschmolzen. Wenn der Beschluss bis spätestens Ende Juni 2002 umgesetzt wird, wird es die derzeit im MDax notierte ProSiebenSAT.1-Aktie nicht mehr geben. Stattdessen soll die neue KirchMedia an der Börse gelistet werden. Die Aktie von ProSiebenSat1 brach um knapp 18 Prozent ein.
Kaum Echo auf Intel-Prognose
Der weltgrößte Chiphersteller Intel hat in der Nacht zu Freitag seine Prognosen bestätigt und den pessimistischen Erwartungen der Analysten getrotzt. Finanzchef Andy Bryant sagte, die Prognose für das dritte Quartal liege in der unteren Hälfte der im Juli prognostizierten Spanne. Im Juli hatte Intel für die Dreimonatsperiode zwischen 6,2 und 6,8 Milliarden Dollar Umsatz angekündigt.
Doch die Anleger sind weiter tief verunsichert. Microsoft hat seine optimistische Prognose bereits wieder relativiert. Das Justizministerium hat außerdem bekannt gegeben, es werde von einer Aufspaltung des Konzerns absehen und stattdessen das Geschäftsgebaren des Konzerns schärfer unter die Lupe nehmen. Nach einer kurzen Rallye gaben Microsoft gestern bis Börsenschluss deutlich nach. Händler sagten, es sei unklar, welche Folgen die Entscheidung haben werde.
Euro etwas fester
Der Euro wurde im frühen Geschäft fester mit 0,8946 Dollar gehandelt. Die schwächeren Zahlen zur deutschen Industrieproduktion haben der Währung bislang nicht geschadet. Am Vortag wurden zwischen 0,8835-38 Dollar für die Gemeinschaftswährung gezahlt.