Börse am Mittag: Zeit der Zocker - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Zeit der Zocker

Vor Auslaufen der Terminkontrakte am Mittag stabilisiert sich der Dax über der Marke von 3000 Punkten. Doch mit einer nachhaltigen Erholung hat das offenbar nichts zu tun - es sind institutionelle Anleger, die die Kurse noch auf ein bestimmtes Niveau zu heben versuchen.
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Frankfurt am Main - Der Dax war zu Handelsbeginn unter die Marke von 3000 Punkten gerutscht, konnte sich bis 11.30 Uhr mit einem Plus von 2,5 Prozent jedoch wieder deutlich oberhalb dieser Marke stabilisieren.

Die extremen Schwankungen sind auf den heutigen "Hexensabbat" zurückzuführen. Zur Mittagsauktion um 13 Uhr laufen an der Eurex Index-Optionen und Futures aus. "Marktteilnehmer versuchen, den Dax bis dahin über dem Niveau von 3000 Punkten zu halten", sagte ein Händler. Am Abend laufen dann noch Optionen auf einzelne Aktien aus.

Starke Schwankungen - Allianz profitiert

Von den Versuchen einiger institutioneller Anlege, Kurse einzelner Aktien bis zum Verfallstermin auf ein bestimmtes Niveau zu hieven, profitierten am Vormittag vor allem Allianz  , SAP und BMW   und die Deutsche Telekom  . Dagegen setzten die Commerzbank   und die Deutsche Bank   ihre Talfahrt fort.

Händler sind gespannt, ob die arg geprügelte Allianz-Aktie langsam ihren Boden gefunden hat. Die Anteilsscheine haben bereits gestern von der Ankündigung des Allfinanzkonzerns profitiert, keine Kapitalerhöhung durchführen zu wollen. "Offenbar wollen einige Marktteilnehmer heute zum Verfallstag die Allianz in Nähe der 100 Euro sehen - der starke Kursverfall hat viele auf dem falschen Fuß erwischt", erklärte ein Händler die prozentual starken Gewinne der Allianz. Auch bei der Aktie der Deutschen Telekom haben Marktteilnehmer offenbar Interesse, den Kurs wieder in Richtung zehn Euro zu heben.

Die Situation im Dax bleibt allerdings trotzdem kritisch. "Es gibt keine sinnvollen Unterstützungslinien mehr und die Abwärtsdynamik ist beachtlich", sagte Uwe Wagner von der Deutschen Bank, "28 der 30 Dax-Werte sind in einem intakten Abwärtstrend."

Wende in der nächsten Woche?

Nur wenige Optimisten verweisen darauf, dass es ab der kommenden Woche wieder aufwärts gehen könnte. Dann sei die Bundestagswahl entschieden: Im Falle des Sieges einer schwarzgelben Koalition könnten die Kurse deutlich zulegen, sagten Händler. Außerdem sei ein Termin wie der heutige Hexensabbat häufig ein Wendepunkt im langfristigen Chartverlauf: Nach dem "Hexensabbat" Ende September 2001 hatte der Dax zu einer halbjährigen Erholung angesetzt, bevor es nach dem Verfallstag im März 2002 wieder abwärts ging.

Unter Druck stehen nach der Gewinnwarnung von Morgan Stanley   auch die deutschen Finanztitel Commerzbank   und Deutsche Bank  . Die Aktie von MLP   wurde dadurch belastet, dass die Staatsanwaltschaft Mannheim wegen möglicher Bilanzfälschung gegen den Vorstand ermittelt.

Neuer Markt: MobilCom im Zickzackkurs

Am Neuen Markt präsentierte sich der Nemax 50 am Freitag weiter schwach und verlor zuletzt 0,8 Prozent auf 395 Punkte. Die Aktie von MobilCom   war gestern im späten Handel um mehr als 30 Prozent eingebrochen und setzte am Freitag nach schwachem Start wieder zu einer leichten Erholung an. Die 5000 MobilCom-Mitarbeiter werden erst nach der Bundestagswahl erfahren, wer von ihnen das Unternehmen verlassen muss. Das erste Gespräch über den Sanierungsplan ist für nächste Woche Freitag angesetzt. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sollen bei Mobilcom 1800 Stellen abgebaut werden. Zuletzt notierte die Aktie acht Prozent im Plus.

Wall Street im Abwärtstaumel

Der Dow Jones ist gestern im späten Handel eingebrochen und mit einem Minus von 2,8 Prozent auf 7942 Punkte gefallen. Auch der Technologieindex Nasdaq Composite rutschte um 2,9 Prozent auf 1216 Zähler. Gewinnwarnungen und die Krise im Nahen Osten verstärken den Abwärtstrend.

Dow Jones bricht ein - Qualcomm stützt Epcos

An der Wall Street hat sich der Ausverkauf im späten Handel beschleunigt. Gewinnwarnungen, die Spannungen in Israel und im Irak sowie schwache Konjunkturdaten haben den Dow Jones unter die Marke von 8000 Punkten stürzen lassen. Der Index gab um 2,8 Prozent (230 Punkte) auf 7942 Zähler nach. Der Technologieindex Nasdaq Composite rutschte um 2,9 Prozent auf 1216 Zähler.

Lediglich Qualcomm hat mit seinem optimistischen Ausblick nach Börsenschluss positiv überrascht. Auf Basis der Auftragseingänge gehe das Unternehmen davon aus, dass die Chipverkäufe im kommenden Quartal "erheblich" über dem Niveau des vierten Quartals liegen werden. Die Aktie von Qualcomm legte nachbörslich rund zehn Prozent zu. Deshalb konnte sich Epcos   zunächst dem Abwärtstrend widersetzen. Dagegen gehörte Infineon   mit einem Minus von 2,4 Prozent erneut zu den Verlierern.

Die Aktien des IT-Dienstleister EDS fielen im Tagesverlauf um bis zu 50 Prozent und waren damit der größte Verlierer mit den höchsten Umsätzen. Nach der Gewinnwarnung von EDS fiel auch das Schwergewicht IBM   auf den tiefsten Stand seit Ende 1998. "Die Baisse wird erst zu Ende gehen, wenn die Firmengewinne besser sind", sagte ein Händler.

Angst vor Double Dip: Die Baisse nährt die Baisse

Abgegeben wurden auch Computer Services und andere Computer-Aktien, darunter Hewlett Packard   und Sun Microsystems  . Im Finanzsektor gerieten Morgan Stanley   auf Grund einer Gewinnverminderung im dritten Quartal stark unter Druck.

Schwache Konjunkturdaten verdüstern die Stimmung zusätzlich. Die Angst, dass die einbrechenden Börsen auf die Konjunktur zurückschlagen und zu einem "double dip", dem Rückfall in die Rezession führen, wächst. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist in den USA in der Woche zum 14. September lediglich um 9000 auf 424.000 gefallen. Erwartet war ein Rückgang um 16.000. Außerdem ist die Zahl der Baubeginne neuer Eigenheime im August überraschend stark gesunken.

Experten erwarten, dass dieser Trend anhält und fürchten eine erneut enttäuschende Berichtsaison. Die negativen Ausblicke überwiegen derzeit. Deshalb wagt derzeit kaum ein Anleger, Aktien anzufassen: Die Flucht in Geldmarktfonds und Staatsanleihen hält an.

Nikkei schwach, Euro deutlich fester

Die Aktienbörse in Tokio hat nach den schwachen Vorgaben der Wall Street am Freitag weitere 2,0 Prozent abgegeben. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte schloss beim Stand von 9481 Zählern.

Die Flucht aus US-Aktien hat dagegen dem Euro Auftrieb gegeben. Der Kurs der Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar stieg am Morgen auf 0,985 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9814 (Mittwoch: 0,9725) Dollar fest. Die Feinunze Gold verteuerte sich um 2,10 Dollar auf 323,90 Dollar.