Börse am Mittag: Zitterkurs nach oben - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Zitterkurs nach oben

Nach dem Kursdebakel der vergangenen Woche ziehen die Technologietitel deutlich an. Die T-Aktie steigt über die Zehn-Euro-Marke. Händler mahnen jedoch zur Vorsicht.
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Frankfurt am Main - Der Dax hat seine frühen Gewinne ausgebaut und kletterte bis 12 Uhr auf 4397 Punkte, ein Plus von 2,2 Prozent. Eher verhalten präsentierte sich das Plus bei den Nebenwerten: Der MDax stieg um 0,3 Prozent auf 4089 Punkte. Am Neuen Markt legte der Nemax 50 kräftig um 3,3 Prozent auf 675 Zähler zu.

Die frühen Kursgewinne sind Börsianern zufolge jedoch noch keine Vorboten einer Trendwende. Jörg Dechert, Händler bei der Helaba, wies darauf hin, dass die Märkte am vergangenen Freitag alle technischen Unterstützungen gebrochen hätten. Der Markt werde es daher schwer haben, eine Trendwende herbeizuführen. Nervosität und hohe Umsätze sollten den deutschen Aktienmarkt auch in den kommenden Tagen prägen.

Die Aktien des Herstellers elektronischer Bauelemente Epcos   haben von positiven Vorgaben der Konkurrenten in den USA und Japan profitiert. Das Papier kletterte um 4,5 Prozent auf 35,95 Euro und gehörte damit zur Spitzengruppe im Dax. "Epcos sind heute so stark, weil die US-Unternehmen Kemet und Vishay am Freitag und die japanische Murata am Montag mit Gewinnen aus dem Handel gegangen sind", sagte Analyst Jürgen Wagner von Sal. Oppenheim. "Der heutige Kursverlauf von Epcos ist aber auch eine technische Reaktion auf die Prügel, welche das Unternehmen in letzter Zeit an der Börse einstecken musste", sagte ein Händler in Frankfurt.

Noch Mitte April hatte die Aktie über 50 Euro notiert. Händler betonten, dass der Kursrutsch der Epcos-Aktie zusammen mit anderen Technologiewerten nicht immer gerechtfertigt gewesen sei. Es müsse berücksichtigt werden, dass Epcos als Hersteller von passiven elektronischen Bauelementen stabilere Ergebnisse vorzeigen könne als beispielsweise Unternehmen, die hauptsächlich "hochzyklische" DRAM-Speicherchips herstellten.

Trotz negativer Analystenkommentare haben die Aktien von Infineon   an Wert gewonnen. Das Papier des Chipherstellers stieg um 2,1 Prozent auf 15,80 Euro. "Die Erholungstendenz bei Infineon nach den heftigen Kursverlusten der Vorwochen ist stärker als die Herabstufung durch die Banc of America", sagte ein Düsseldorfer Händler. So hatte das Papier Anfang Juni noch über 18 Euro gestanden. Die Banc of America hatte Marktbeobachtern zufolge den Titel von "Kaufen" auf "Marketperformer" herabgestuft. Zudem änderten die Analysten der US-Bank ihre Prognosen für den Verlust je Aktie (EPS) für 2002 von 1,06 auf 1,15 Euro. Im kommenden Jahr erwarten sie zudem einen Gewinn von 0,76 Euro je Aktie. Zuvor waren sie noch von einem größeren Gewinn von 0,93 Euro je Anteilsschein ausgegangen. Grund für die Herabstufung: Die Entwicklung der DRAM-Preise sehen die Experten nun pessimistischer.

T-Aktie steigt über zehn Euro

Die T-Aktie   kletterte am Morgen wieder über die Zehn-Euro-Marke. Mit einem Plus von 4,6 Prozent notierten die Anteilsscheine auf 10,27 Euro und führten die Gewinnerliste an. Am vergangenen Freitag rutschte das Papier auf ein Allzeittief von 9,71 Euro.

Der Heidelberger Finanzdienstleister MLP   hat nach den Kurseinbrüchen in der vergangenen Woche am Montag wieder zugelegt. Die Aktien gewannen rund 3,5 Prozent auf 33,54 Euro. Marktexperten führten den Kursanstieg vor allem auf die am Freitag angekündigte Klage gegen "Börse Online" und die Berufung eines neuen Kommunikationschefs zurück. "Die Ankündigung juristischer Schritte gegen Börse Online hat viele Anleger erst einmal etwas beruhigt", sagte ein Händler. Bei solch schwerwiegenden Anschuldigungen reiche es nicht aus, Vorwürfe nur zu dementieren. Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats hatte das Anlegermagazin am Mittwoch vergangener Woche die MLP-Bilanz angezweifelt und damit Kurseinbrüche von mehr als 15 Prozent verursacht. Ein weiterer Grund für die Gewinne der MLP-Aktie ist Marktexperten zufolge die Berufung des neuen Kommunikationschef Michael Pfister, der Mitte Juli sein Amt aufnehmen soll. "Damit wird hoffentlich auch die Kommunikation mit Investoren und Anlegern einen höheren Stellenwert erhalten", sagte Analyst Thorsten Karbaum von West LB Panmure. Die komplizierte Bilanz von MLP müsse künftig "transparenter" vermittelt werden. Der 43-Jährige Pfister war zuletzt Leiter der globalen Unternehmenskommunikation bei DaimlerChrysler und hatte den Autobauer Mitte Januar verlassen.

Probleme mit der EU belasten die Aktie Gelb

Dagegen hielten die Titel der Deutschen Post   die rote Laterne im Dax. Die Aktie Gelb rutschte um 2,6 Prozent auf 14,07 Euro. Der Bonner Konzern soll in dieser Woche von der EU-Kommission zu einer millionenschweren Beihilferückzahlung verpflichtet werden. Von mehr als 500 Millionen Euro ist laut Medienberichten die Rede.

Neuer Markt auf Erholungskurs - Euro leicht schwächer

Atempause am Neuen Markt nach dem Kursdebakel

Trotz deutlich steigender Kurse hat der Nemax 50 zum Wochenauftakt immer noch unter der 700-Punkte-Linie notiert. Erst am Freitag markierte der Auswahlindex ein Allzeittief auf 628,80 Punkten.

Die Mobilcom-Aktie   setze ihren Erholungskurs vom Freitag fort und gewann 9,7 Prozent auf 8,23 Euro. Die Einigung über die Umschuldung der 4,7-Milliarden-Euro-Kredite von Mobilcom stehen nach einem Pressebericht kurz bevor. Die Gläubigerbanken hätten sich zu einem zehnprozentigem Forderungsverzicht bereit erklärt, berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Bankenkreise. Die Institute würden demnach 90 Prozent der Mobilcom-Schulden in Form von Wandelanleihen von France Télécom erhalten.

Ebenfalls deutliche Steigerungsraten verzeichneten Teleplan   (plus 10,3 Prozent auf 9,25 Euro) und Balda   (plus 9,7 Prozent auf 3,40 Euro).

Die Aktien des Biotechnologie-Unternehmens Medigene   bildeten erneut das Schlusslicht im Nemax 50. Das Papier fiel um 8,6 Prozent auf 6,08 Euro. Die Titel waren bereits am Freitag kräftig eingebrochen, nachdem das Unternehmen die Entwicklung des Herzschwäche-Medikaments Etomoxir gestoppt hatte.

Tokios Börse auf tiefstem Stand seit Februar

Die Aktienbörse in Tokio hat am Montag auf dem niedrigsten Stand seit Februar geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte fiel um 2,4 Prozent oder 256,52 Zähler auf 10.664 Punkte. Bereits am Freitag hatte der Index die psychologisch wichtige Marke von 11.000 Punkten unterschritten. Der breit angelegte Topix verlor 28,56 Punkte oder 2,7 Prozent auf 1025 Zähler.

Euro leicht schwächer

Der Kurs des Euro notierte zum Mittag auf 0,9431 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag bei 0,9478 (Donnerstag: 0,9417) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0551 (1,0619) Euro.