Börse am Mittag Zocker spielen mit ComROAD
Frankfurt am Main - In Folge leicht nachgebender vorbörslicher Barometer in New York sind die deutschen Aktienindizes gegen Mittag ins Minus gedreht. Der Dax fiel bis 11.55 Uhr um 0,3 Prozent auf 5249 Zähler zu. Die Wachstumswerte im Nemax 50 standen mit 1,1 Prozent auf 952 Punkte im roten Bereich.
Hightechtitel hatten zunächst fest notiert, gaben aber gegen Mittag nach. Epcos zuerst die Gewinnerliste im Dax angeführt, fiel dann aber genauso wie SAP auf das Vortagesniveau zurück. Siemens drehten mit einem halben Prozent ins Minus. Infineon waren mit Verlusten von 1,79 Prozent auf 23,62 Euro einer der schwächsten Wert im Dax. Der Kursverfall setzte ein, nachdem sich die Investmentbanken Merrill Lynch und Lehman Brothers negativ zur Handybranche geäußert hatten.
Unter Verkaufsdruck gerieten die Aktien der Lufthansa , die 1,44 Prozent auf 17,17 Euro fielen. Der Eingriff von Gerichten in die Preiskalkulation der Fluglinie habe nach Händlerangaben den Kurs am Donnerstag weiter belastet. "Trotz einer Heraufstufung durch US-Investmentbanken sehen die Anleger die Einmischung von Gerichten in die Preiskalkulation nicht gerne", sagte eine Händlerin in München. Die Deutsche Lufthansa war am Vortag im Streit mit dem Kartellamt um die Preisgestaltung auf der Strecke zwischen Frankfurt und Berlin erneut gescheitert. Als Folge dürfe die Fluggesellschaft den strittigen Preis von 105 Euro nicht mehr anbieten, sondern müsse um 30 Euro und 50 Cent über den Preisen des Berliner Konkurrenten Germania liegen.
Nach dem geplatzten Verkauf der Kabelsparte an den US-Konzern Liberty Media sondiert die Deutsche Telekom unternehmensnahen Kreisen zufolge nun andere potenzielle Käufer. Indes verhandelt die Deutsche Bank einem Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" zufolge mit der Telekom über den Kauf der Kabelnetze in Norddeutschland. Diese Nachrichten hatten der T-Aktie zunächst zu einem Plus verholfen. Gegen Mittag rutschte das Papier allerdings mit 0,92 Prozent auf 16,15 Euro ab.
Nach einem Gewinneinbruch im Jahr 2001 hat der Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern MAN im ersten Quartal des laufenden Jahres weiter an Fahrt verloren. Der Umsatz sei nach vorläufigen Zahlen um acht Prozent auf 3,1 Milliarden Euro zurückgegangen, berichtete MAN am Donnerstag in München. Der Auftragseingang fiel noch stärker um 17 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Die Aktie gab 0,33 Prozent auf 26,91 Euro ab.
Neuer Markt: Spekulanten am Werk
Neuer Markt: Spekulanten am Werk
Am Neuen Markt spielten Zocker mit den Aktien des Telematikdienstleisters ComROAD . Nach einem guten Start im Plus fielen die Aktien zuletzt wieder um rund 14 Prozent auf 30 Euro-Cents ab. Das Unternehmen hatte am Vortag für den vermutlich größten Betrugsfall am Neuen Markt gesorgt. Eine Sonderprüfung hatte ergeben, dass rund 98 Prozent der Umsätze in 2001 frei erfunden waren. Das Unternehmen steht vor der Pleite. ComROAD droht zudem der Rauswurf aus dem Neuen Markt. Nach Informationen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wollen viele geschädigte Anleger klagen. Experten fürchten einen weiteren Image-Schaden für den Neuen Markt.
Der Pennystock Intershop konnte dagegen seine Zugewinne von knapp fünf Prozent auf 1,27 Euro halten und führte die Gewinnerliste des Nemax 50 an. Zu den Gewinnern zählten ebenfalls die Billigaktien EM.TV und Senator , die jeweils rund 2,80 Prozent zulegten.
Die Papiere von MobilCom gaben ihre Gewinne zu einem großen Teil wieder ab und fielen auf plus 0,27 Euro oder rund 15 Euro, nachdem sie bereits am Vortag mehr als elf Prozent hinzugewonnen hatten. Gestern waren Gerüchte aufgekommen, dass Mitinhaber France Telecom den verbliebenen Aktionären ein Abfindungsangebot vorlegen müsse. Großaktionär und MobilCom-Gründer Gerhard Schmid hatte seine millionenschweren Anteil zuvor bei verschiedenen Banken geparkt - unter anderem, um genau diese Interpretation der Wertpapieraufsicht zu vermeiden.
Wall Street: Techwerte auf Erholungskurs
Wall Street: Technologieschwergewichte auf Erholungskurs
Die amerikanischen Aktienmärkte haben nach Handelsschluss in Deutschland noch deutlich zugelegt und sollten in Frankfurt für einen festen Auftakt sorgen. Der Dow Jones gewann 1,7 Prozent auf 10.381 Zähler hinzu. Die US-Technologiebörse Nasdaq legte um 1,4 Prozent auf 1767 zu.
An der Technologiebörse erholten sich Schwergewichte wie Cisco, Microsoft und Intel etwas von den Vortagesverlusten. Die Titel waren am Dienstag von der Angst der Anleger vor einem unzureichenden Konjunktur-Aufschwung belastet worden, der die Gewinne der Technologieunternehmen beeinträchtigen könnte. Hinzu kam die Sorge um eine Gewinnwarnung des Netzwerkausrüsters Cisco angesichts der des kanadischen Konkurrenten Nortel Networks.
Der Internet-Portalbetreiber Yahoo! hat in den ersten drei Monaten dieses Jahres die Analysten-Prognosen mindestens erfüllt und will beim Umsatz im laufenden Quartal die Experten-Schätzungen überbieten. Der Proforma-Gewinn je Aktie betrage vor einem Bilanzierungswechsel zwei US-Cent nach einem Verlust von zwei Cent im Vorjahr, teilte Yahoo am Mittwoch nach Börsenschluss mit. Damit traf das Unternehmen die Erwartungen der von First Call/Thomson Financial befragten Analysten.
Cisco Systems, die am Vortag um über acht Prozent verloren hatten, profitierten von den Analystenkommentaren und legten um 4,93 Prozent auf 15,55 Dollar zu. Merrill Lynch hatte in einer Analyse bestätigt, dass Cisco trotz eines schlechten wirtschaftlichen Umfeldes gute Geschäfte mache. Microsoft machten trotz eines negativen Analystenkommentars 2,61 Prozent auf 56,30 Dollar wett. Credit Suisse First Boston hatte sich pessimistisch über die möglichen Quartalsergebnisse des weltweit größten Softwareherstellers geäußert.
Im übrigen Softwaresektor sah es dagegen düster aus. Siebel Systems verloren 7,69 Prozent auf 25,44 Dollar, nachdem Vorstand Thomas Siebel in Madrid das erste Quartal des Jahres zum schlechtesten in der Geschichte der gesamten Softwareindustrie erklärt hatte. Oracle sackten in diesem Sog um 3,59 Prozent auf 11,55 Dollar.
Bei den Blue Chips im Dow Jones wiesen United Technologies, General Motors, DaimlerChrysler, Ford, General Dynamics und Microsoft Pluszeichen auf. Der Technologiekonzern United Technologies hatte zuvor seine Prognosen für das Gesamtjahr bestätigt.
Der Warenhausriese Sears Roebuck machte solide Angaben zur Geschäftslage. Das half auch den anderen Einzelhandelswerten. Dagegen standen AOL Time Warner, die Telekomwerte AT&T und WorldCom, sowie Finanzaktien wie J.P. Morgan und Citigroup unter Druck.
Heute werden im Laufe des Tages die Geschäftszahlen von General Electric erwartet. Nach Handelsschluss legt Juniper Networks seine Quartalszahlen vor.
Euro pendelt um 88 US-Cent
Der Euro-Kurs hat am Donnerstag weiter um die Marke von 88 US-Cent gependelt. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 9.30 Uhr 0,8805 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 0,8798 Dollar festgelegt. Ein Dollar kostete damit 1,1366 Euro.
Marktteilnehmer sprachen von einem lustlosen Handel. Unwägbarkeiten wie die Lage im Nahen Osten oder die Entwicklung des Ölpreises hielten Investoren von größeren Engagements ab.
Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss am Montag mit Verlusten. Der Nikkei gab 0,6 Prozent auf 11.147 Zähler ab.