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Frankfurt am Main ? Die deutschen Aktienmärkte haben am Montag zu Handelsbeginn die guten US-Vorgaben nur teilweise nutzen können. Der Dax war im Plus gestartet, fiel bis 9.30 Uhr aber leicht ins Minus auf 4510 Punkten. Die Wachstumswerte im Nemax 50 verbesserten sich um 1,6 Prozent auf 1013 Punkte. Beide Indizes waren am Freitag mit deutlichen Abschlägen ins Wochenende gegangen.
Im Dax führten zunächst die Papiere des Finanzdienstleisters MLP die Gewinnerliste mit einem Plus von drei Prozent auf 71 Euro an und setzten damit ihren positiven Vortagestrend fort. Infineon machten einen Teil ihrer Verluste vom Freitag wieder wett und kletterten um rund 1,5 Prozent.
Mit Abschlägen von 0,5 Prozent auf 17,31 Euro fielen die Aktien der Deutschen Telekom und gehörten mit zu den schwächsten Werten. Allerdings reagierten die Papiere noch vergleichsweise moderat auf die Meldung, dass der finnische Mobilfunkkonzern Sonera beabsichtigt, sich von den verbleibenden 38,6 Millionen T-Aktien zu trennen. Sonera wolle sich weiter aus dem europäischen UMTS-Geschäft zurückziehen und seine Investitionen für den neuen Mobilfunkstandard der dritten Generation auf ein Minimum reduzieren. Im Zuge der neuen Unternehmensstrategie, werde sich Sonera auch von den T-Aktien trennen.
Einen Blick sollten Anleger heute auch auf Volkswagen haben. Vorstandschef Piech zeigt sich trotz der Anschläge vom 11. September optimistisch für das Gesamtjahr. "Bisher liegen wir konzernweit im Verkauf rund 2,1 Prozent über dem Vorjahr", sagte er der Tageszeitung "Die Welt".
Während die meisten Medien die Nachricht positiv bewerten, hat die Nachrichtenagentur Reuters noch einmal genau nachgeschaut. Im September hatte VW bei der Vorlage der Konzernzahlen für die ersten acht Monate 2001 noch einen Zuwachs von 2,7 Prozent auf 3,48 Millionen verkaufte Fahrzeuge ausgewiesen. Demnach habe VW in den vergangenen Wochen offenbar Absatzeinbußen hinnehmen müssen. Die Aktie kletterte dennoch um ein Prozent auf 40,42 Euro.
Der Chipbroker ACG gab kurz vor Handelsbeginn eine Umsatz- und Gewinnwarnung für das laufende Jahr heraus. Die Umsatz- und Gewinnerwartungen für das Jahr 2001 würden schwächer ausfallen als prognostiziert, hieß es ad hoc. Die Nachfrage nach Smart-Card Komponenten, Chips und elektronischen Bauelementen hat sich im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres nochmals verringert. Als Gründe führt das Unternehmen die anhaltend schwache Lage der Weltwirtschaft an sowie den völligen Stillstands des US-Geschäftes im September 2001. ACG erwarte nun für das Geschäftsjahr 2001 einen Umsatz von 340 Millionen Euro bei einem leicht positiven operativen Ergebnis. Die Aktie fiel um 7,5 Prozent auf 3,60 Euro.
Der Komponentenhersteller Balda hat seine Umsatzerlöse im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 5,4 Prozent auf 40,8 Millionen Euro gesteigert. Wie das Unternehmen am Montag in Bad Oeynhausen bekannt gab, konnte auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 3,2 Millionen Euro im zweiten Quartal auf 3,7 Millionen Euro im dritten Quartal verbessert werden. Das Papier legte zunächst knapp elf Prozent auf 8,30 Euro und setzte sich damit an die Spitze der Gewinner im Nemax 50.
Händler blicken mit Skepsis in die Woche
Für fallende Kurse spricht nach Ansicht der DZ-Bank das unklare politische und militärische Krisenszenario. Die Militärschläge gegen Afghanistan ließen einen Erfolg im Kampf gegen den Terrorismus bislang schwer erkennen und führten offenbar zu wachsenden Spannungen im islamischen Teil der Anti-Terror-Allianz. Die Gefahr weiterer Terrorattacken mit entsprechend negativen Folgen für die Börsenstimmung bleibe somit groß.
Deshalb gehen die Experten der DZ Bank davon aus, dass die deutschen Aktienmärkte ihre zuletzt begonnene Konsolidierung auch in dieser Woche fortsetzen dürften, zumal neue Belastungen von den Unternehmensnachrichten und den Konjunkturdaten drohten.
Nach Einschätzung der Analysten der Bankgesellschaft Berlin hingegen sei die Erholungsphase noch nicht vorbei. Zwar könne nach dem kräftigen Anstieg kurzfristig eine mehrtägige Korrektur einsetzen. "Die immer noch überverkauften Aktienindizes sollten in den nächsten Wochen für eine positive Grundstimmung sorgen", prognostizieren die Berliner.
Dresdner Bank warnt vor Eiszeit an den Börsen
Aufmerksamkeit dürfte eine Studie der Investmentbanker der Dresdner Bank auf sich ziehen. Im Gegensatz zu anderen Strategen gehen die Analysten nicht von einer kräftigen Erholung der Aktienmärkte bis Ende dieses Jahres aus. Vielmehr prognostizieren die Analysten lang anhaltende Bärenmärkte.
James Montier räumt in der Studie schonungslos mit dem jüngsten Bullenmarkt auf. Von 1995 bis Anfang des vergangenen Jahres seien 80 Prozent der Kursgewinne auf eine Ausweitung der Bewertungen zurückzuführen gewesen. Dividenden hätten kaum noch eine Rolle dabei gespielt. Dieser Prozess werde sich nun umkehren.
Es sei nach dem Bullenmarkt der 90er-Jahre nicht mehr mit steigenden Gewinnen zu rechnen. Daher müssten sich die Investoren in den kommenden Jahren mit den gegenwärtigen Mini-Dividenden oder Ausschüttungserhöhungen von rund fünf Prozent begnügen, zitiert die Zeitung den Analysten weiter.
Um allerdings wieder das langfristige Niveau von acht bis zehn Prozent zu erzielen müssten die Kurse entweder um ein Drittel einbrechen oder aber es gebe über Jahre hinaus schlechte Zeiten für Aktionäre.
DaimlerChrysler legt am Dienstag seine Quartalszahlen vor. Am Donnerstag folgt die HypoVereinsbank sorgen. Die HypoVereinsbank plant angeblich die Kürzung von weiteren 2500 Stellen bis zum Jahr 2004. Wie "Focus" in seiner letzten Ausgabe meldet, gehen die Stellenstreichungen damit deutlich über die bisher angekündigten 500 Positionen in den Filialen hinaus. Jedoch schreibt das Blatt, der Abbau solle über die natürliche Fluktuation erbracht werden.
Die Fusion der Hypothekentöchter der Deutsche Bank , der Dresdner Bank und der Commerzbank ist offenbar perfekt. Die "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtet, die Fusion werde in Kürze bekannt gegeben. Das neue Institut solle von Karsten von Köller, Vorstandsmitglied der Commerzbank-Tochter Rheinhyp, geleitet werden. Mit der Fusion würde die größte deutsche Hypothekenbank mit einer Bilanzsumme von 240 Milliarden Euro entstehen.
Am Neuen Markt stellt die skandalgeschüttelte Hildesheimer Metabox stellt heute ihren Jahresbericht 2000 vor. Mit gut fünf Monaten Verspätung hatte das Multimediaunternehmen vor gut einer Woche seine testierte Bilanz vorgelegt und einen Verlust von 39,7 Millionen DM (20,3 Millionen Euro) ausgewiesen. Die am Neuen Markt notierte Metabox braucht dringend Kapital, um die Eröffnung des Insolvenzverfahrens abzuwenden. Am 30. Oktober treffen sich die Aktionäre zur Hauptversammlung.
Die asiatische in Tokio ist freundlich in die neue Woche gestartet. Der Nikkei schloss 0,3 Prozent fester auf 10.568 Zähler.