Börse am Morgen: Abschied von Epcos? - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Abschied von Epcos?

Der Dax hält sich wacker. Cisco und Adidas überraschen positiv und stützen den Index. Die neue Rangliste der Deutschen Börse setzt Epcos unter Druck, während der potenzielle Aufsteiger Altana profitiert.
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Frankfurt am Main - Der Dax hatte gestern um stolze 235 Punkte (7,1 Prozent) auf 3568 Zähler zugelegt und verteidigte im frühen Handel dieses Niveau, obwohl die US-Börsen im späten Handel einen Teil ihrer Gewinne wieder abgegeben haben. Bis 9.40 Uhr legte der Index sogar um weitere 0,5 Prozent zu und nahm die 3600 Punkte ins Visier.

Die guten Zahlen von Cisco gestern nach US-Börsenschluss und die überraschend starken Zahlen von Adidas sorgen dafür, dass nach der Vortagesrallye nicht sofort Gewinnmitnahmen einsetzen. Adidas Salomon   führte mit Gewinnen von knapp vier Prozent die Liste der Gewinner an. Auch Technologiewerte profitierten von den Cisco Zahlen. Infineon  , T-Aktie   und Siemens   setzten am Mittwoch ihre Erholung fort.

Rutscht Epcos aus dem Dax?

Größter Verlierer im Index war am Morgen Epcos   mit einem Verlust von knapp zehn Prozent. Nach der neuen Rangliste der Deutschen Börse sind Hersteller von elektronischen Bauteilen   ebenso in Abstiegsgefahr, wie MLP   und Fresenius Medical Care  . Nach Börsenwert und Börsenumsatz müssen Dax-Mitglieder jeweils zu den 35 stärksten Werten des amtlichen Handels gehören. Die Wackelkandidaten bringen es nach ihrem Börsenwert (Epcos 39, MLP 35, FMC 32) nur auf hintere Platzierungen.

Auch Fresenius Medical Care   gab im frühen Handel nach, während MLP   mit einem Gewinn von knapp vier Prozent seine Erholung fortsetzte. Nach der neuen Rangliste gilt jetzt nicht mehr MLP, sondern Epcos als Abstiegskandidat Nummer eins.

Die potenziellen Dax-Aufsteiger Altana  , Deutsche Börse   und Beiersdorf  , die zur Zeit noch im M-Dax notiert sind, bringen es nach Börsenwert auf die Plätze 23, 24 und 28. Altana legte im frühen Handel mehr als drei Prozent zu. Der Arbeitskreis der Deutschen Börse entscheidet am 13. August über eine mögliche Neuordnung im Index.

adidas bleibt optimistisch

Europas größter Sportartikelhersteller adidas Salomon   präsentiert sich dagegen im vollen Saft. Der Konzern hat im zweiten Quartal beim Umsatz weiter zugelegt und seine Ziele für das Gesamtjahr bekräftigt. Der Konzernumsatz sei im zweiten Jahresviertel auf 1,5 Milliarden Euro nach knapp 1,4 Milliarden Euro ein Jahr zuvor geklettert, teilte adidas am Mittwoch in Herzogenaurach mit. Der Überschuss zog um knapp vier Prozent auf 25 Millionen Euro an. Das Betriebsergebnis schrumpfte wegen erhöhter Marketingaufwendungen für die Fußball-Weltmeisterschaft von 74 Millionen Euro auf 69 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr bestätigte Vorstandschef Herbert Hainer erneut das Ziel, beim Umsatz ein Plus von mindestens fünf Prozent und beim Gewinn einen Zuwachs von fünf bis zehn Prozent zu erwirtschaften.

Schwache Konjunkturdaten

Die kräftigen Kursgewinne vom Vortag lösen bei Börsianern keine Euphorie aus, sorgen aber für ein Durchatmen. Nach dem Kursrutsch der Vortage - der Dow Jones hatte innerhalb von drei Handelstagen rund 700 Punkte nachgegeben und der Dax erst am Dienstag Morgen ein neues Fünfjahrestief markiert - war eine technische Gegenreaktion für viele Händler nur eine Frage der Zeit. Vor allem Orders der Short Seller, die Aktien in den vergangenen Tagen leer verkauft hatten und sich nun wieder eindecken, würden die Aufwärtsbewegung verstärken, hieß es. Damit fallen die Gewinne sehr deutlich aus, stehen aber auf unsicheren Füßen.

Die schwache Konjunktur drückt in Frankfurt auf die Stimmung. Nach Informationen der "Bild"-Teitung ist die Zahl der Arbeitslosen im Juli auf 4,047 Millionen Menschen gestiegen. Dies waren 92.000 mehr als noch im Juni und 249.000 mehr als noch vor einem Jahr. Außerdem hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsschätzungen für die USA offenbar nach unten korrigiert. Wie die "Börsen-Zeitung" unter Berufung auf vorliegende interne IWF-Prognosen berichtet, wird für das laufende Jahr nur noch ein Zuwachs von 2,2 Prozent erwartet.

Zittern am Neuen Markt

Der Neue Markt hat sich gestern nur mit Mühe von seinem Allzeittief erholt. Der Index schloss bei 491 Punkten. Die beunruhigenden Nachrichten reißen nicht ab: Der Der Aufsichtsrat der D.Logistics  AG hat das Vorstandsmitglied Dieter Hey mit sofortiger Wirkung abberufen. Zudem hat die Gold-Zack AG   die Berliner Anwaltskanzlei Knauthe beauftragt, mit den Gläubigern über eine Stundung ihrer Forderungen zu verhandeln.

Wall Street: Cisco übertrifft Erwartungen

Cisco übertrifft Erwartungen

Im späten Handel haben die US-Indizes einen Teil ihrer Gewinne wieder abgegeben: Der Dow Jones, der zum Handelsschluss in Deutschland noch 3,9 Prozent fester tendiert hatte, gab wieder 80 Punkte nach und schloss nur noch 2,9 Prozent fester bei 8249 Zählern. Der Nasdaq Composite ging 4,4 Prozent fester bei 1259 Zählern aus dem Handel.

Hoffnungen, dass es sich bei der Erholung nicht nur um eine Eintagsfliege handeln könnte, wurden nach Börsenschluss von Cisco gestärkt. Der weltgrößte Internetausrüster Cisco Systems  hat dank eines Kostensenkungsprogramms seine Erlöse stärker gesteigert als von Analysten erwartet. Mit einem Pro-forma-Ergebnis von 0,14 Dollar je Aktie im vierten Quartal ihres Geschäftsjahres übertraf der US-Netzwerkausrüster die Schätzungen des Marktes um zwei US-Cent.

Cisco blieb mit einem um zwölf Prozent auf 4,8 Milliarden Dollar gesteigerten Umsatz jedoch leicht unter den Erwartungen. Der Netzwerkausrüster will Aktien im Wert von bis zu acht Milliarden Dollar zurückkaufen, gab mit Hinweis auf die zurückhaltenden Verbraucher aber einen recht verhaltenen Ausblick. Die Aktie, die bereits am Dienstag um rund sechs Prozent gestiegen war, legte im nachbörslichen Handel leicht zu.

Zinssenkungen gefordert

Die Bullen an der Börse treten nach der gestrigen Rallye noch nicht sofort den Rückzug an. Aktien seien relativ zu Anleihen derzeit sehr billig, sagte Ben Funnell, Aktienstratege von Morgan Stanley. Auf dem derzeitigen Stand gebe es ein "erhebliches Potenzial nach oben".

Außerdem hatten Gerüchte um eine mögliche Zinssenkung der US-Notenbank Käufer in den Markt gelockt: Die Schwächezeichen der US-Konjunktur könnten Alan Greenspan, der von der Queen zum Ritter geschlagen werden soll, dazu bewegen, die Zinsen auf ein Rekordniveau von 0,75 Prozent zu drücken. Andererseits wäre dies auch ein Eingeständnis, dass die optimistischen Prognosen der Notenbanker für die US-Wirtschaft nicht mehr zu halten sind und nun auch die Fed einen "Double Dip" befürchtet.

Nun wird auch in der Eurozone der Ruf nach einer Zinssenkung lauter. Ökonomen und Politiker fordern die EZB zu einer Konjunkturstützung auf, berichtet die "Financial Times Deutschland". Die Kritik am Stabilitätspakt nehme zu.

Euro bleibt unter 97 US-Cent

Der Nikkei hat die guten Vorgaben aus den USA und Europa aufgenommen und legte um 3,5 Prozent auf 9834 Zähler zu. Besonders Technologiewerte und exportorientierte Titel profitierten. Sorgen über die Konjunkturaussichten in Europa haben den Euro deutlich unter die Marke von 0,97 Dollar gedrückt. Am Morgen notierte die Währung bei 0,968 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag bei 0,9689 (Montag: 0,9836) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0321 (1,0167) Euro. Die Konjunktursorgen in den USA und die Aussicht auf weitere Zinssenkungen durch die amerikanische Notenbank belasten nach Einschätzung von Karsten Junius von der DekaBank derzeit den Euro.