Börse am Morgen: Alles schaut auf Siemens - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Alles schaut auf Siemens

Die deutschen Aktienmärkte sind freundlich in den Handel gestartet. Nach Vorlage der Geschäftszahlen rutscht die Siemens-Aktie vorübergehend ins Minus.
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Frankfurt am Main – Der Dax hat sich am Morgen behauptet und legte bis 9.30 Uhr 0,4 Prozent auf 5683 Punkte zu. Auch am Neuen Markt erholten sich die Kurse wieder. Der Nemax 50 kletterte um 1,5 Prozent auf 1115 Zähler.

Bestimmendes Thema in Frankfurt waren die von Siemens vorgelegten Geschäftszahlen. Ohne Sondereffekte hat der Konzern im dritten Quartal 2000/01 einen Verlust von fast einer Milliarde Mark verbucht und rechnet nun für das gesamte Geschäftsjahr mit einem geringeren Nachsteuergewinn als im Vorjahr. Lediglich außerordentliche Einnahmen, unter anderem 3,46 Milliarden Euro aus der Übertragung von Infineon-Aktien an den eigenen Pensionsfonds, führten in den Monaten April bis Juni zu einem Gewinn von 1,608 (Vorjahreszeitraum 0,267) Milliarden Euro nach Steuern. Die weitere Entwicklung wird aufgrund des konjunkturellen Klimas als schwierig angesehen.

An der Börse sind die Zahlen negativ aufgenommen worden. Im frühen Handel verlor die Aktie 1,7 Prozent auf 55,60 Euro und war damit schwächster Wert im Dax. Bereits am Vortag ist das Papier stark gefallen.

Die Aktien der Konzerntöchter Epcos (minus 0,4 Prozent auf 51,50 Euro) und Infineon (plus 1,5 Prozent auf 27,77 Euro) notierten uneinheitlich. Epcos wird am Donnerstag seine Geschäftszahlen bekannt geben. Bei Infineon stehen rund 5000 Mitarbeiter vor der Kündigung, wie das "Wall Street Journal" berichtet.

Die Aktie von BMW profitierte von einer positiven Einschätzung der Investmentbank Lehman Brothers. Die Analysten haben ihre Prognosen und das Kursziel von 50 auf 55 Euro erhöht. Die Aktie verteuerte sich daraufhin um 1,8 Prozent auf 39,60 Euro.

Die MLP-Aktie erholte sich leicht von der Talfahrt der vergangenen beiden Handelstage. Am Morgen übernahm der Dax-Neuling die Spitze in der Gewinnerliste mit einem Kursaufschlag von 2,8 Prozent auf 89,70 Euro.

Am Neuen Markt stand EM.TV wieder im Mittelpunkt des Interesses. Firmengründer Thomas Haffa hat seinen Chefposten geräumt. Nachfolger ist Werner E. Klatten. Klatten, derzeit noch Vorstandsvorsitzender der SpiegelNet AG sowie Geschäftsführer von Spiegel TV, soll auch neuer EM.TV-Hauptaktionär werden. Die Börse honorierte die Pläne mit einem Kursanstieg von über 20 Prozent auf 2,76 Euro. Bereits am Vortag hatte die Aktie mehr als 20 Prozent zugelegt, nachdem erste Gerüchte über das Stühlerücken in der Vorstandsetage aufkamen.

Gerüchte über Kursmanipulation in Tokio

Die Tokioter Börse hat am Mittwoch den Handel mit einem Plus von 8,36 Punkten behauptet beendet. Der Nikkei 225 legte 0,1 Prozent auf 11.891 Zähler zu. Nachdem der Markt für lange Zeit oberhalb der 12.000 Punkte Marke notierte, gab es zu Börsenschluss einen leichten Abgabedruck. Das Vertrauen in den Markt sei noch nicht wiederhergestellt, sagte Masafumi Okamoto, Händler bei Jyujiya Securities. Der Nikkei könne bis 11.400 Punkte fallen, ehe es wieder steil nach oben gehe. Technologieaktien und Bankwerte legten zumeist zu.

In Marktkreisen kursierten Spekulationen, den Kursen sei am Morgen mit Hilfe öffentlicher Gelder nachgeholfen worden. Der in jüngster Zeit schwer geprügelte Markt sollte auf diese Weise offenbar mit Blick auf die Oberhauswahl am Sonntag hoch gedrückt werden, hieß es.

In den USA haben am Vortag die Aktienkurse nachgegeben. Nach enttäuschenden Geschäftszahlen großer Konzerne wie Exxon Mobil, Lucent Technologies und AT&T brach der Dow Jones um 1,8 Prozent auf einen Stand von 10.241 Punkten ein. Die Nasdaq verlor 1,5 Prozent auf 1959 Zähler.

Euro notiert fester

Der Euro hat am Morgen zulegen können. Die Devise kostete gegen 9 Uhr in Frankfurt 0,8722 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Vortag den Referenzkurs auf 0,8708 Dollar festgesetzt. Ein Dollar kostete damit 2,2460 Mark.

Der Dollar leide derzeit darunter, dass europäische Unternehmen kein neues Kapital in den USA investierten, sagten Händler. Zudem habe der Kapitalzufluss aus Europa in die Vereinigten Satten auch nachgelassen, weil europäische Investoren auf eine baldige kräftige Erholung der US-Konjunktur hofften und sich bis dahin in ihrem Engagement zurückhielten, fügten sie hinzu.