Börse am Morgen: Auftakt nach Maß - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Auftakt nach Maß

Mit dem Rückenwind der Wall Street steigen in Frankfurt die Kurse. Auto- und Technologiewerte sind gefragt. Die Aktie von ProSiebenSat1 fällt nach der Gewinnwarnung ab. Am Neuen Markt spielen Zocker mit den Papieren von Intershop.
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Frankfurt am Main - Der Schlussspurt der Wall-Street lässt die deutschen Aktienkurse am Mittwoch zunächst kräftig steigen. Bleibt zu hoffen, dass die Investoren in den USA heute nicht gleich wieder ihre Gewinne einstecken, andernfalls dürften sich die Kursgewinne in Frankfurt schnell als Strohfeuer entpuppen.

Der Dax gewinnt in der Spitze 70 Punkte hinzu und verbucht gegen 9.35 Uhr noch ein Plus von 1,7 Prozent auf 2914 Punkten. Am Neuen Markt klettert der Auswahlindex Nemax 50 zunächst um 1,6 Prozent auf 346 Punkte.

Infineon macht wieder Boden gut

Besonders stark legten Technologie-Werte zu. Die in den vergangenen Tagen kräftig gebeutelte Aktie des Halbleiterherstellers Infineon   gewann zunächst 4,80 Prozent auf 6,11 Euro. Siemens  -Aktien stiegen um 3,80 Prozent. Das Papier des Herstellers elektronischer Bauelemente Epcos gewann 2,60 Prozent auf 7,47 Euro.

Einen weiteren Grund für die Kursaufschläge bei Technologiewerten sahen Marktbeobachter am Vormittag auch in den nach US-Börsenschluss bekannt gewordenen guten Nachrichten von Dell  . Der weltweit zweigrößte Computerhersteller hat seine Umsatzprognose heraufgesetzt.

Gefragt waren auch Autowerte, nachdem die deutschen Autobauer am späten Dienstagabend gute US-Absatzzahlen ausgewiesen haben. Die deutschen Automobilkonzerne haben im September im Vergleich zum August in den USA, dem mit Abstand wichtigsten Auslandsmarkt, ihren Absatz stark erhöht. BMW  , Porsche  , Audi und Volkswagen   sowie die amerikanischen DaimlerChrysler  -Töchter Chrysler Group und Mercedes-Benz USA haben teilweise beeindruckende Zuwachsraten verbucht.

Vor dem Hintergrund der Krise am deutschen Werbemarkt hat die Münchener Sendergruppe ProSiebenSat.1   ihre Gewinnerwartung für das laufende Jahr deutlich zurückgenommen. Die Aktie fiel zu Handelsbeginn am Mittwoch zunächst um rund sieben Prozent auf 5,86 Euro.

Zocker spielen mit Intershop-Aktie

Schlechte Nachrichten gab es dagegen vom Neuen Markt: Intershop   hat wider Erwarten seine Umsatzerwartung für das dritte Quartal (per 30. September) auf neun Millionen Euro gesenkt. Ursprünglich hatte das Unternehmen für das dritte Quartal einen Gesamtumsatz auf dem Niveau des zweiten Quartals 2002 in Höhe von 12,1 Millionen Euro vorausgesagt.

Ob Intershop noch an seinem Ziel festhalte, im vierten Quartal auf Basis des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) die Gewinnschwelle zu erreichen, teilte das Unternehmen nicht mit. Die Aktie notierte zu Beginn trotz der schlechten Nachrichten mit rund zehn Prozent im Plus auf 43 Euro-Cent.

Wall Street gibt zum Schluss kräftig Gas

Wall Street gibt zum Schluss kräftig Gas

Nach Börsenschluss konnten die Aktienindizes in New York noch kräftig klettern: Der Dow Jones schloss mit einem satten Plus von 4,6 Prozent nur knapp unter der Marke von 8000 Punkten. Der Nasdaq-Composite gewann 3,6 Prozent auf 1213 Zähler hinzu.

Halten die USA nun still?

"Nachrichten über ein mögliches Abkommen zwischen Irak und den Vereinten Nationen haben geholfen, aber es gibt immer noch keine Änderung bei den Fundamentaldaten", sagte James Volk, Geschäftsführer Aktienhandel bei D.A. Davidson and Co. "Das gibt uns sicherlich mehr Klarheit - vielleicht gibt es keinen Krieg", sagte Mark Donahue von U.S. Bancorp Piper Jaffray. Die USA lehnen allerdings eine Rückkehr der UNO-Waffeninspektoren nach Irak ab, falls die Vereinten Nationen zuvor keine verschärfte Resolution verabschieden.

Händler sagten, auch einige positive Unternehmensnachrichten hätten zu den Gewinnen beigetragen. Die Aktien von Sun Microsystems   kletterten um mehr als sechs Prozent. Der Konzern hatte den Gewinn in der Bilanz zum abgelaufenen vierten Quartal nachträglich deutlich nach oben revidiert. Auch die Aktien anderer Technologieriesen wie Microsoft   oder Intel   stiegen um mehr als fünf Prozent.

Der schwache nationale Einkaufsmanager-Index (ISM) spielte an den Märkten offenbar kaum noch eine große Rolle. Einige Händler und Analysten sagten, nach den Konjunkturdaten vom Vortag hätten die Marktteilnehmer offenbar noch mit weit schlechteren Nachrichten gerechnet. "Es gab Befürchtungen, dass der Index auf 48 fallen könnte, und das ist nicht eingetreten", sagte John Hendricks, Vice-President bei State Street Global Markets.

Dell erhöht seine Prognose leicht

Der weltweit zweitgrößte Computerhersteller Dell   überraschte nach Börsenschluss mit guten Nachrichten. Der Konzern erwartet für das dritte Quartal einen Gewinn pro Aktie (EPS) von 21 Cent und liegt damit am oberen Ende der Erwartungen von Analysten. Der Umsatz soll 9,11 Milliarden Dollar statt 8,9 Milliarden Dollar betragen.

In Tokio konnte die asiatische Leitbörse dem Aufwärtstrend der Wall Street nicht folgen. Der Nikkei schloss am Mittwoch 1,2 Prozent leichter auf 9049 Zähler.

Der Dollar hat am Mittwoch in Fernost seinen Aufwärtstrend zum Yen fortgesetzt. Händler begründeten die Kursgewinne unter anderem mit der festen Tendenz an der Wall Street am Dienstag. Der Euro, der schon im späten New Yorker Geschäft unter sein Tageshoch gefallen war, präsentierte sich mit 0,9825/30 Dollar nahezu unverändert zum New Yorker Vorabendschluss.