Börse am Morgen Auftakt vielversprechend
Frankfurt am Main - Der Dax eröffnet 1,5 Prozent im Plus bei 6163 Zählern. 4,8 Prozent lautet der Zuwachs bei den 50 großen Werten am Neuen Markt. Könnte diese Woche die Trendwende bringen?
Alle warten auf Schrempp
Der Wochenauftakt steht jedoch ganz im Zeichen von DaimlerChrysler: Am Vormittag wird Konzernchef Jürgen Schrempp erläutern, wie Chrysler saniert werden soll. Bereits am Morgen hat DaimlerChrysler-Partner Mitsubishi über seinen Sanierungsplan berichtet. Der japanische Autobauer wird knapp 10.000 der weltweit 65.000 Stellen abbauen und die Produktion um etwa 20 Prozent drosseln. Die Aktie zog in Tokio um 3,4 Prozent an, während der Nikkei mit 0,3 Prozent im Minus nur knapp behauptet schloss.
Das späte Comeback der Nasdaq, die nach turbulentem Zickzackkurs am Freitag mit 0,6 Prozent im Plus geschlossen hat, flößt Technologie-Investoren wenig Vertrauen ein. Vor allem japanische Technologietitel litten am Montag weiterhin unter den Gewinnwarnungen von Sun und Motorola. Zumindest der Nasdaq-Future steht am Montag Morgen 1,4 Prozent im Plus - Anlass zur Hoffnung, dass sich der Neue Markt ein wenig erholt und der Nemax-50-Index sich wieder über die 2000-Punkte-Marke rettet.
Der Stern von DaimlerChrysler wird heute die Großwetterlage im Dax bestimmen. Von der Bilanzpressekonferenz in Sindelfingen ab 10 Uhr erwarten Anleger Hinweise, ob Schrempp die angeschlagenen Partner Chrysler und Mitsubishi sanieren und der Konzernumbau zur "Welt AG" gelingen kann. Außerdem legt der Konzern die Kennzahlen für das Geschäftsjahr 2000 vor.
Nach einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" wird der Umsatz von DaimlerChrysler in diesem Jahr von 162 auf 140 Milliarden Euro sinken. Die Schätzungen für die Sanierung von Chrysler schwanken zwischen zwei und drei Milliarden US-Dollar. Wegen der hohen Verluste in Nordamerika ist der Gewinn des Konzerns in 2000 auf 5,2 Milliarden zurückgegangen.
Dass es Schrempp mit der Sanierung ernst meint, zeigt der bereits angekündigte rigide Sparkurs: Auch der Einbau von Mercedes-Motoren in Chrysler-Fahrzeuge ist kein Tabu. Die Aktie von DaimlerChrysler hatte seit Monatsbeginn deutlich zugelegt, am Donnerstag und Freitag aber wieder empfindlich verloren: Die heutigen Zahlen werden für Konzern und Kursverlauf von entscheidender Bedeutung sein.
Eine Erholung der Technologietitel ist auch für die Laufbahn von Ron Sommer nicht unerheblich. Der Druck auf den Telekom-Chef ist in der vergangenen Woche gewachsen. Sollte die T-Aktie nicht rasch aus dem Keller kommen oder die Übernahme des US-Mobilfunkers Voicestream scheitern, dürfte auch der Mehrheitsaktionär Bundesrepublik Deutschland die Geduld verlieren und ein Anruf aus Bonn Sommers Karriere bei der Telekom beenden.
Anleger mit starken Nerven setzen darauf, dass zumindest der Neue Markt seinen Crashkurs beendet und es nach der späten Erholung der Nasdaq zu einer kurzfristigen technischen Gegenreaktion mit Gewinnchancen im Nemax-50 kommt. Der Nemax-50 hatte am Freitag 5,5 Prozent auf 1968 Punkte verloren. Die Bären unter den technischen Analysten halten dagegen, dass nach dem Fall der 2000-Punkte Marke jetzt auch der Weg nach unten auf 1500 Punkte möglich ist.
Der Euro notierte im frühen Geschäft deutlich fester mit 0,9174-79 Dollar nach 0,9065-68 Dollar zum Handelsschluss am Freitag. Der Dollar gab weiter nach: Auf Grund der schlechten Börsenstimmung in den USA hatten Analysten und Volkswirte die Erwartung ausgesprochen, dass Notenbankchef Alan Greenspan noch in dieser Woche ein weiteres Mal die Zinsen senkt.