Börse am Morgen Aufwärtstrend vorerst gestoppt
Frankfurt am Main Die deutschen Aktienmärkte haben schwach eröffnet und konnten damit die guten Vorgaben von den US-Börsen nicht umsetzen. Der Dax verlor bis 9.40 Uhr 0,3 Prozent auf 5845 Punkte. Die Wachstumswerte im Nemax 50 konnten ebenfalls nicht an ihren positiven Vortagestrend anknüpfen und fielen um 0,6 Prozent auf 1258 Punkte zurück.
Uneinheitlich war die Bewertung der Halbjahreszahlen, die die Deutsche Bank am Mittwoch präsentierte. Kurz nach Handelsbeginn hatte der Titel eingebüßt. Die Deutsche Bank verlor zuletzt noch 1,70 Prozent auf 78,60 Euro.
"Man sollte die Zahlen nicht so schlecht sehen", meinte Christian Glowig, Aktienhändler von der SEB-Bank. Bei der Beurteilung habe sich noch keine einhellige Meinung am Markt gebildet, sagte Glowig. Charttechnisch sei eine gute Unterstützung bei einem Kurs von 77,40 Euro. "Es kann heute noch weiter runtergehen", erklärte der Händler.
Die Deutsche Bank hat im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres bei wichtigen Kennzahlen deutlich schwächer als im Vorjahreszeitraum abgeschlossen: So lag etwa der Vorsteuergewinn im ersten Halbjahr mit 3,086 Milliarden Euro unter dem Vorjahreswert von 4,885 Milliarden Euro. Das Ergebnis je Aktie vor Firmenwertabschreibungen (Goodwill) fiel den Angaben zufolge von 6,66 Euro auf 4,51 Euro.
Auch ein weiteres Schwergewicht im Dax gab nach. Die Papiere der Deutsche Telekom rutschten um 1,70 Prozent auf rund 25 Euro ab. Bereits am Vortag hatten die Aktien des Konzerns nach Vorlage der Geschäftszahlen rund 1,20 Prozent verloren. Die Deutsche Telekom hatte für das erste Halbjahr einen Verlust von 400 Millionen Euro ausgewiesen.
T-Online steckt weiterhin tief in den roten Zahlen. Im ersten Halbjahr 2001 erwirtschaftete die Tochterfirma der Deutschen Telekom vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) einen Verlust von 123 Millionen Euro (240 Millionen Mark). Dennoch fiel das Ergebnis besser aus als von Experten erwartet wurde. Gegenüber dem ersten Quartal schrumpfte der Fehlbetrag um rund zehn Millionen Euro. Der Konzernumsatz erhöhte sich den Angaben zufolge um 53 Prozent auf 539 Millionen Euro. Die Aktie verbilligte sich um 0,56 Prozent auf 8,93 Euro.
Das Geschäft mit der E-Commerce-Software hat bei Intershop auch im zweiten Quartal noch nicht deutlich an Fahrt gewonnen: Die Umsätze stiegen gegenüber dem Vorquartal um acht Prozent auf 22 Millionen Euro. Der Verlust verringerte sich gegenüber dem Vorquartal um 6,3 Milllionen auf 28,3 Millionen Euro, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Die Zahlen enttäuschten die Anleger: Die Aktie verlor zuletzt 11,20 Prozent Prozent auf 3,73 Euro und war damit schwächster Wert im Nemax 50, nachdem sich die Aktie am Tag zuvor unter die Top-Gewinner des Index geschoben hatte.
Das krisengeschüttelte Medienunternehmen EM.TV steht heute vor einer turbulenten Hauptversammlung in München. manager-magazin.de berichtet live. Auch nach dem Rücktritt von Gründer und Konzernchef Thomas Haffa in der vergangenen Woche rechnen Beobachter mit scharfer Kritik der Kleinaktionäre. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kündigte einen Antrag auf Sonderprüfung des Unternehmens an. Dadurch solle für die Aktionäre unter anderem mehr Klarheit über die Gründe für die hohen Wertberichtigungen und den Milliardenverlust geschaffen werden.
EM.TV hatte für das Jahr 2000 ursprünglich hohe Gewinne versprochen, letztlich aber einen Rekord-Verlust von knapp 2,6 Milliarden Mark erzielt. Die Münchner Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. In der vergangenen Woche erklärte Haffa seinen Rücktritt. Nachfolger soll "Spiegel"-Manager Werner Klatten werden, der auch 25,1 Prozent der EM.TV-Anteile von Thomas Haffa übernimmt. Auch wenn er offiziell noch nicht im Amt ist, wird Klatten nach Angaben von EM.TV auf der Hauptversammlung sprechen.
Klatten versprach der Öffentlichkeit, schon in den nächsten drei Monaten seiner Amtszeit sollen "qualitative Verbesserungen" bei EM.TV spürbar sein, was auch immer sich der Investor darunter vorzustellen hat. Zum Handelsbeginn stieg das Papier um 2,54 Prozent auf 3,77 Euro.
USA: Hoffnung auf Zinssenkung wächst
Wenn das Vertrauen der US-Bevölkerung in die eigene Wirtschaft im Monat Juli auch stärker gesunken ist als Analysten dies zuvor vermutet hatten, so bleibt das Leben auf Pump eine nicht mehr wegzudenkende Konstante in den USA: So stiegen die Konsumausgaben und Einzelhandelsumsätze stärker als erwartet, wie jüngste Zahlen gestern belegten. Vor allem dieser Umstand hat die Stimmung an der Wall Street am Dienstag offenbar aufgehellt. Zugleich keimten Hoffnungen auf, dass die US-Notenbank am 21. August um 50 Basispunkte senken könnte.
Der Dow Jones ging mit einem Plus von 1,2 Prozent auf 10.522 Punkte aus dem Handel. Die Technologiebörse Nasdaq verabschiedete sich 0,5 Prozent fester auf 2027 Zähler. Die Vorgaben für die deutschen Aktienmärkte sind also nicht schlecht. Allerdings fällt auf, dass die deutschen Börsen seit knapp einer Woche ein Eigenleben führen. So hat der Neue Markt in den vergangenen vier Handelstagen mehr als 17 Prozent zugelegt. Ob er diesen Kurs am Mittwoch fortsetzen kann, wird sich zeigen. Vermutlich ist mit Gewinnmitnahmen zur rechnen.