Börse am Morgen: Aufwind aus München - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Aufwind aus München

Nach den guten Zahlen von Infineon macht die Börse einen kleinen Freudensprung, die meisten Tech-Titel ziehen an. Skeptiker glauben, dass die Freude bald wieder vergeht. Am Neuen Markt fallen erneut die Papiere von Thiel ab.
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Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte sind am Dienstag gut in den Tag gestartet. Der Dax kletterte bis 9.30 Uhr um 0,7 Prozent auf 5241 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax 50 drehten nach einem schwachen Auftakt leicht ins Plus und standen zuletzt mit 0,6 Prozent bei 891 Zählern im grünen Bereich. Ein Börsianer sagte jedoch, er rechne nicht damit, dass der Dax seine Gewinne über den Tag halten werde. Vielmehr befürchte er, dass weitere schlechte Nachrichten von US-Unternehmen kommen würden, die dann die Kurse belasten könnten.

Nach den deutlichen Verlusten des Vortages standen am Morgen Technologiewerte im Fokus der Anleger. Der von der Chipkrise gebeutelte Halbleiterhersteller Infineon   schöpft Hoffnung. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2001/02 (30. September) sei wegen gestiegener Nachfrage und höherer Preise das Minus vor Steuern und Zinsen verglichen mit dem Vorquartal von 564 Millionen Euro auf 178 Millionen Euro reduziert worden, teilte die Infineon am Dienstag mit. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen der meisten Analysten, die im Schnitt einen operativen Verlust von etwa 275 Millionen Euro erwartet hatten. Für die kommenden Monate gab sich Infineon aber nur vorsichtig optimistisch. Die Aktie legte zu Handelsbeginn mehr als vier Prozent auf 24,09 Euro zu.

Der Umsatz ging im zweien Quartal im Jahresvergleich um 16 Prozent auf 1,39 Milliarden Euro zurück. Verglichen mit dem ersten Quartal zogen die Erlöse aber stärker als von Analysten erwartet um 34 Prozent an. In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres sank der Umsatz um 27 Prozent auf 2,42 Milliarden Euro. Der operative Verlust betrug 742 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum plus 456 Millionen Euro).

Epcos   , Siemens   und SAP kletterten zwischen zwei und 0,84 Prozent. Siemens war am Vortag mit Verlusten von knapp sechs Prozent schwächster Wert im Dax gewesen und litt unter dem schwachen Ausblick des Handykonzerns Ericsson.

Vor Bekanntgabe der Geschäftszahlen für das Jahr 2001 notierte die T-Aktie   mit rund einem Prozent im Plus auf 16,87 Euro im Plus. Riesiger Verlust, Dividendenkürzung, Kurs im Keller - die Bilanz der Telekom kann keinen Aktionär erfreuen. Dabei ist Dax-Konzern im operativen Geschäft durchaus erfolgreich. Ob der Trend anhält, wird heute auf der Bilanzpressekonferenz deutlich werden: Die Telekom will die Kundenzahl und - für die Beobachter überraschend - auch schon den Konzernumsatz im ersten Quartal nennen und die Ertragslage beschreiben. Außerdem erwarten die Investoren Äußerungen für das Gesamtjahr 2002.

Sämtliche Positionen der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung für 2001 sind bereits in vorläufiger Lesart bekannt. Jetzt geht es noch darum, wie sich die Festnetzsparte T-Com, der Mobilfunksektor T-Mobile, das in der T-Systems gebündelte Geschäft mit EDV-Lösungen für Großkunden und die Säule T-Online entwickelt haben. An weiteren spannenden Themen herrscht kein Mangel: Kabelverkauf, Schuldenabbau, Dividendenpolitik, Börsengang der Mobilfunksparte.

Europas führender Großbäcker Kamps gibt seinen Widerstand gegen die Übernahme durch den weltweit größten Pasta-Hersteller Barilla auf. Kamps und Barilla einigten sich unmittelbar vor der Hauptversammlung des Düsseldorfer Konzerns auf ein erhöhtes Angebot von 12,50 Euro je Kamps-Aktie durch Barilla. Zu Handelsbeginn notierte die Aktie bei 12,45 Euro: ein Verlust von rund 1,20 Prozent.

Vor Handelsbeginn hatte der Backkonzern seine Geschäftszahlen vorgelegt. Demnach hat Kamps im ersten Quartal 2002 ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) über dem eigenen Plan eingefahren, der Nettogewinn sank dagegen. Das Ebit habe sich um 5,2 Prozent auf 18,3 Millionen Euro gesteigert, nach 17,4 Millionen Euro im entsprechenden Vorjahresquartal. Der Überschuss sei hingegen auf 1,4 Millionen Euro geschrumpft. Im Jahr zuvor lag er bei 1,7 Millionen Euro. Der konsolidierte Nettoumsatz entwickelte sich um 2,2 Prozent besser als im Vorjahresquartal und stieg auf 421,6 Millionen (2001: 412,7 Millionen) Euro.

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport hat im abgelaufenen Jahr einen Gewinn je Aktie von 1,12 Euro erzielt. Analysten hatten zuvor ein Ergebnis zwischen 1,27 und 1,70 Euro erwartet. Wie das Unternehmen am Dienstag in Frankfurt mitteilte, will der Vorstand eine Dividende von 40 Cent je Aktie vorschlagen. Ende März hatte Fraport bereits den Jahresüberschuss von 101,1 Millionen Euro bekannt gegeben. Das ist 22 Prozent weniger als im Vorjahr. Die ebenfalls im M-Dax notierte Aktie kletterte um 0,33 Prozent auf 27,65 Euro.

Wohl auch vor dem Hintergrund der erfreulichen Zahlen von Infineon kletterten am Neuen Markt die Aktien des Chipbrokers ACG   um 3,56 Prozent auf 5,24 Euro und setzten sich damit an die Spitze des Nemax 50. Am Ende des Index notierten die Papiere von Thiel Logistik   , die am Vortag nach Gerüchten um Bilanzprobleme eine Berg- und Talfahrt hingelegt hatten. Thiel gaben rund sechs Prozent auf 10,33 Euro ab.

Euro notiert leichter

Der Euro-Kurs hat sich am Dienstagmorgen leicht abgeschwächt. Die Devisen kostete gegen 9.20 Uhr in Frankfurt 0,8858 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Vortag den Referenzkurs bei 0,8882 Dollar festgelegt. Das Präsidenten-Wahlergebnis in Frankreich mit dem Erfolg des Rechtsaußen-Kandidaten Jean-Marie Le Pen, der jetzt in die Stichwahl mit dem amtierenden Präsident Jacques Chirac geht, würde immer noch auf dem Euro-Kurs lasten, sagten Händler.

Telekomwerte drücken Wall Street

Telekomwerte drücken Wall Street

Pessimistische Geschäftsaussichten und schwache Quartalszahlen der Telekomkonzerne WorldCom und Ericsson hatten am Montag die Wall Street belastet. Nach Händlerangaben waren die Anleger besorgt, dass die schwachen Ergebnisse der Telekomunternehmen die Erholung der Unternehmensgewinne allgemein bremsen könnten. Der Dow Jones ging mit Verlsuten von 1,2 Prozent auf 10.136 Zähler aus dem Handel. Noch schlechter erging es der US-Technologiebörse: Der Nasdaq Composite rutschte um 2,1 Prozent auf 1350 Zähler ab. Telekom- und Computeraktien steuerten 40 Prozent zum Verlust des marktbreiten S&P 500 bei, der um 1,5 Prozent auf 1107 nachgab.

Die enttäuschenden Zahlen von Ericsson setzten auch die Konkurrenten unter Druck. Motorola notierten 1,63 Prozent leichter. Nokia sanken um 6,54 Prozent. Die Aktien des weltgrößten Glasfaser-Herstellers Corning fielen vor Veröffentlichung der Quartalszahlen um 5,66 Prozent. Nachbörslich wies Corning einen Verlust für das erste von zehn Cent je Aktie aus und übertraf damit leicht die Erwartungen der Analysten. Wie der Konzern am Montag nach Börsenschluss mitteilte, erwartet er auch für das zweite Quartal einen Verlust auf vergleichbarer Basis. Nachdem der Telekomkonzern Worldcom seine Gewinn- und Umsatzerwartung für das Jahr 2002 gesenkt hatte, verloren AT&T mehr als fünf Prozent.

Völlig unter die Räder kamen die an der Nasdaq notierten Aktien von Worldcom, die rund ein Drittel ihres Wertes verloren. Mehrere namhafte Investmentbanken stuften den Titel ab. Altera gaben rund 3,40 Prozent ab. Der Halbleiter-Spezialist legte nach Börsenschluss Zahlen für das erste Quartal vor. Demnach wies Altera einen geringen Gewinn aus als im Vorjahreszeitraum, hatte dabei aber Analystenerwartungen leicht übertroffen. Das Proforma-Ergebnis je Aktie (EPS) habe bei fünf Cent gelegen, teilte das Unternehmen mit.

Chipaktien dürften heute auch in Europa zunächst im Fokus der Anleger stehen. Unerfreuliche Geschäftszahlen veröffentlichte vor Handelsbeginn Europas größter Chiphersteller STMicroelectronics. Der Nettogewinn von STM brach in den ersten drei Monaten auf 32,9 Millionen Dollar oder vier Cent je Aktie gestürzt nach 340,9 Millionen Dollar oder 38 Cent je Aktie im Vorjahr ein. Der Umsatz sank um 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Allerdings habe die Umsatzentwicklung damit die Talsohle erreicht, teilte das französisch-italienische Unternehmen mit. Die Zahlen trafen die bereits gesenkten Erwartungen der Analysten.

Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss fest. Der Nikkei notierte mit 0,1 Prozent auf 11.736 Zähler im grünen Bereich.