Börse am Morgen: Bayer fällt zurück - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börse am Morgen Bayer fällt zurück

Die deutschen Aktienmärkte sind schwächer in die neue Handelswoche gestartet. Während Bayer und MLP im Dax die Verliererliste anführen, gibt es bei MobilCom wieder deutliche Kursaufschläge.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main – Der Dax verlor innerhalb der ersten Handelsstunde um rund 1,9 Prozent auf 3103 Punkte. Die Nebenwerte hielten ihre Verluste in Grenzen: Der MDax gab um 0,2 Prozent auf 3060 Zähler nach. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 auf 422 Punkten, ein Minus von einem Prozent.

Nur wenige richtungsweisende Unternehmensnachrichten stehen heute an. In den USA warten Anleger auf die Quartalszahlen der Branchengrößen 3M   und Texas Instruments  . Zudem werden vor US-Börseneröffnung die Frühindikatoren für den Monat September veröffentlicht.

Die Titel des Finanzdienstleisters MLP   gehörten im frühen Handel zu den größten Verlierern. Mit einem Minus von annähernd vier Prozent notierten die Papiere auf 12,10 Euro.

Starke Kursverluste verzeichnete auch die Aktie des Leverkusener Pharma- und Chemiekonzerns Bayer  . Das Unternehmen rechnet in den USA mit weiteren Klagen im Zusammenhang mit dem Cholesterinsenker Lipobay. Der Titel verbilligte sich um 5,33 Prozent auf 20,43 Euro.

Spekulationen gaben der Aktie des Düsseldorfer Versorgers E.on   Auftrieb. Das Papier zog um 1,32 Prozent auf 45,20 Euro an. Das Unternehmen hat sich einem Pressebericht zufolge zum Bieterkreis für das britische Endkundengeschäft des US-Versorgers TXU gesellt. Über die Tochter Powergen sei ein Angebot über 1,2 Milliarden britischer Pfund abgegeben worden. Analysten schätzten den Wert der Sparte auf etwa 1,5 Milliarden britischer Pfund.

Kursverluste verbuchte dagegen die Aktie des Reisekonzerns TUI  . Die Aktie büßte 2,4 Prozent auf 17,09 Euro. Die deutsche Reisebranche wird zufolge des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbandes DRV das am 31. Oktober zu Ende gehende Touristikjahr mit einem Umsatzrückgang von rund neun Prozent abschließen. Vor gut einem Monat hatte er noch ein Minus zwischen zehn und 13 Prozent prognostiziert.

Inmitten der schwersten Bankenkrise will die HypoVereinsbank   in dieser Woche einen Nachfolger für Konzernchef Albrecht Schmidt bestimmen. Der Vorstand werde sich aller Voraussicht nach am Dienstag mit der Nachfolgefrage beschäftigen, hieß es am Wochenende in Finanzkreisen. Einen Tag später solle die Entscheidung nach einer Aufsichtsratssitzung bekannt gegeben werden. Als Favorit gilt inzwischen eindeutig Firmenkunden-Vorstand Dieter Rampl. Der Bankentitel verlor 2,4 Prozent auf 16,50 Euro.

MobilCom: Rettung in Sicht

Am Neuen Markt kletterte die Aktie von Mobilcom   um über dreizehn Prozent auf 4,45 Euro. Der frühere MobilCom-Chef Gerhard Schmid und der Aufsichtsrat des Unternehmens, Dieter Vogel, einigten sich einem Bericht des SPIEGEL zufolge auf einen Weg zur Rettung des angeschlagenen Mobilfunkunternehmens. Entgegen erster Dementis soll bereits in den kommenden Tagen ein Vorvertrag unterzeichnet werden, in denen sich der Großaktionär France Télécom   dazu verpflichtet, rund 7,5 Milliarden Euro Verbindlichkeiten von MobilCom zu übernehmen. Konkurrent E-Plus will nach einem Pressebericht das UMTS-Netz der angeschlagenen Mobilcom übernehmen. Im Gegenzug würde E-Plus auf Forderungen in Höhe von 600 Millionen Euro aus einem Dienstleistungsvertrag verzichten. Durch den Verkauf des Netzes würde die Rettung von MobilCom näher rücken.

Mit einer massiven Umsatzwarnung schockte vor Börseneröffnung Lion Bioscience   Das Unternehmen korrigierte wegen des schlechten Ergebnisses im zweiten Quartal (30. September) die Gewinn- und Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2002/2003 (31. März 2003) nach unten. Der Umsatz werde um bis zu 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 40,4 Millionen Euro sinken, teilte das im Nemax 50 notierte Unternehmen mit. Die Aktie gab daraufhin um über 15 Prozent auf 2,51 Euro nach.

Nikkei schließt schwächer

An der Börse in Tokio haben die Standardwerte am Montag schwächer geschlossen. Die Unsicherheit darüber, welche Maßnahmen die japanische Regierung zur Stabilisierung des Finanzmarktes noch in dieser Woche einleiten wird, hätten den Index belastet, hieß es. Der Nikkei-225-Index verlor 107,72 Punkte oder 1,2 Prozent auf 8978 Zähler. Der Topix legte dagegen um 1,1 Prozent auf 893 Zähler zu.

Dennoch sei der Verkaufsdruck nicht außerordentlich hoch gewesen, sagten Händler, da viele Anleger letztendlich die Entscheidung der Regierung abwarteten. In dieser Woche dürfte zudem nach Meinung von Börsenbeobachtern auch die relative Stabilität der US-Börsen den Handelsplatz in Tokio stützen.

Techtitel in Japan unter Druck

Zu den Verlierern gehörten vor allem Technologietitel. Unter den Herstellern von Microchips sackten Fujitsu   um 3,3 Prozent auf 477 Yen, NEC   verloren 4,2 Prozent auf 500 Yen, und Toshiba   rutschten um 4,1 Prozent auf 326 Yen.

Hitachi   gaben nach einer Gewinnwarnung um 3,7 Prozent auf 545 Yen nach. Das Unternehmen hat seine Prognose für den operativen Gewinn für das im März 2003 endende Geschäftsjahr von 200 auf 130 Milliarden Yen gesenkt.

Auch der Autosektor stand unter Druck: Nissan   verloren 0,9 Prozent auf 921 Yen. Honda   sackten um 1,2 Prozent auf 5020 Yen, während Toyota   um 0,6 Prozent auf 3110 Yen abgaben. Mazda   kletterten dagegen um ein Yen auf 268 Yen. Das Unternehmen hatte zuvor angekündigt, dass es sich auch der Produktion von Vans und Lkw zurückzieht.

Euro nähert sich der 0,97-Dollar-Marke

Der Kurs des Euro ist im Vergleich zum Referenzkurs gefallen. Die Gemeinschaftswährung kostete gegen 9.20 Uhr 0,9726 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag bei 0,9735 (Donnerstag: 0,9763) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0272 (1,0243) Euro.

Der Euro präsentiere sich weiter angeschlagen, hieß es im Morgenbericht der Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt. Selbst von einer erneuten deutlichen Ausdehnung des US-Handelsbilanzdefizits auf 38,5 Milliarden Dollar hatte er nicht profitieren können.