Börse am Morgen Brokat bricht ein
Hamburg - Die deutschen Aktienmärkte gehen mit Verlusten in die neue Handelswoche. Der Dax verliert 0,4 Prozent auf 6161 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax-50 präsentieren sich 0,5 Prozent schwächer auf 1688 Punkte.
Die Liste der Kursgewinner im Dax führten zunächst Chemiewerte an. Die Papiere von BASF und Degussa legten zunächst rund ein Prozent zu. Die Aktien von Bayer verteuerten sich um rund ein halbes Prozent auf 47,60 Euro.
Siemens rechnet im Handy-Geschäft mit einem "schwierigen Geschäftsjahr". Erst anschließend seien "normale Margen" zu erwarten, sagte der Mobilfunk-Chef Rudi Lamprecht der "Financial Times". Beim Handy-Absatz sieht Lamprecht Zuwachsraten von 15 bis 25 Prozent in den nächsten zwei Jahren. Die Zahlen fallen im Vergleich zu den 50 bis 70 Prozent der Jahre zuvor deutlich niedriger aus. Lamprecht bestätigte die Prognose, dass im Jahr 2001 weltweit 400 bis 420 Millionen Mobilfunkgeräte verkauft werden. Der Mobilfunk-Chef von Siemens erwartet Schwankungen auf dem Handy-Markt auch in der Zukunft. Doch er schränkt ein: "Die Ausschläge werden nicht mehr so dramatisch sein." Die Aktie gibt zu Handelsbeginn rund ein Prozent auf 84,60 Euro nach.
Unter den Wachstumswerten im Nemax-50 kamen die Aktien der Brokat AG unter die Räder und verloren zum Handelsauftakt rund zehn Prozent auf 6,20 Euro.
Brokat hat nach der Neubewertung einiger Tochtergesellschaften und Beteiligungen die Hälfte ihres Grundkapitals aufgebraucht. Wie der Anbieter von Internetsoftware am Montag ad hoc mitteilte, wurde die Neubewertung notwendig, weil die Ertragsaussichten der betreffenden Ländergesellschaften auf Grund der verhaltenen Marktsituation geringer ausfallen als ursprünglich erwartet.
Die Verlustanzeige nach § 92 des Aktiengesetzes sei bereits in der Einladung zur Hauptversammlung am 21. Juni 2001 enthalten. Die Neubewertungen beträfen nur den Einzelabschluss der AG nach HGB. Insgesamt werde Brokat etwa 300 Mitarbeiter auf Grund personeller Überkapazitäten abbauen. In den USA würden rund 200 Stellen gestrichen.
Ausblick: Fraport startet mit 35,40 Euro
Im Fokus der Investoren dürfte heute der Fraport-Börsenstart stehen. Die Aktien Frankfurter Flughafengesellschaft kosten 35 Euro. Der Ausgabepreis liegt leicht über den Erwartungen. Die Erstnotiz im Parketthandel lag bei 35,40 Euro.
Privatanleger, die bis zum 1. Juni gezeichnet hatten, zahlen lediglich 34 Euro. Die Emission ist 8,5fach überzeichnet. Das Volumen der Aktienausgabe beläuft sich auch 914 Millionen Euro oder 1,8 Milliarden Mark und ist damit eine der größten Neuemissionen in Deutschland in diesem Jahr. Nach dem Börsengang werden sich rund 26,2 Prozent der Aktien im Streubesitz befinden. Die übrigen Anteile halten das Land Hessen, die Stadt Frankfurt und die Bundesrepublik.
Dax bewegt sich im Niemandsland
Bereits in der vergangenen Handelswoche hatte sich gezeigt, wie stark sich die Investoren an der Entwicklung der amerikanischen Aktienmärkte anlehnen. Hatte der positive Ausblick des weltgrößten Chipherstellers Intel deutsche Technologiewerte zunächst beflügelt, dämpfte die Gewinnwarnung des Konzerns Juniper Networks wieder die Erwartungen. Vor diesem Hintergrund und deutlich schwächeren US-Börsen am Freitag, ist heute vermutlich mit einem schwächeren Auftakt zu rechnen.
An den deutschen Aktienmärkten sei ein Trend weder in die eine noch in die andere Richtung auszumachen. Auch aus Sicht von Chartanalysten bewege sich der Dax zur Zeit im "Niemandsland", heißt es in der DG Bank-Studie. Erst ein Überschreiten der 6000er-Marke nach unten oder der 6300er-Marke nach oben würde aus ihrer Sicht ein deutliches Signal setzen.
Mit der Ware Fisch will die Nordsee AG (Bremerhaven) bald den Appetit der Aktienanleger wecken. Das Unternehmen geht nach eigenen Angaben Ende Juni an die Börse. Nähere Details sollen heute bei einer Pressekonferenz in Frankfurt bekannt werden. Nordsee ist nach eigenen Angaben mit mehr als 400 Restaurants und Geschäften Europas größte Gastronomie- und Handelskette für Fisch- und Meeresspezialitäten.
An diesem Mittwoch werden erstmals die Aktien der World of Medicine AG gehandelt. Gezeichnet werden können die Papiere des Herstellers von medizintechnischen Geräten noch bis zum 11. Juni.
Ebenfalls erstmals notiert werden am Freitag die Aktien der Friseurkette Essanelle. Der Emmissonserlös soll vor allem zur Übernahme weiterer Haarsalons verwendet werden, teilte das Unternehmen mit. Bis zum 15. Juni können interessierte Anleger die Aktien der Degussa-Tochter Zentaris zeichnen. Gehandelt werden die Aktien des Biotech-Unternehmens erstmals am 18. Juni.