Börse am Morgen DaimlerChrysler gibt Gas
Frankfurt am Main - Der Dax lag im frühen Handel knapp ein Prozent im Minus, der Nemax 50 ging um fast zwei Prozent zurück.
Überraschend hatte DaimlerChrysler gegen 9 Uhr Zahlen für das Geschäftsjahr 2000 vorgelegt. Nach ersten ad-hoc-Meldungen steigerte der Konzern seinen Umsatz um 8 Prozent, der Gewinn je Aktie steigerte sich um 37 Prozent. Die Dividende wird 2,35 Euro betragen. Die Aktie steigerte sich in den ersten Handelsminuten um 2,36 Prozent.
Allerdings hat der Automobilkonzern in 2000 operativ weniger verdient als im Vorjahr. Der operative Gewinn sei einschließlich Einmaleffekten um elf Prozent auf 9,8 Milliarden Euro zurückgegangen. Bereinigt um Einmaleffekte betrage der Rückgang 49 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss sei indes einschließlich Einmaleffekte um 37 Prozent auf 7,9 Milliarden Euro gestiegen, hieß es weiter. Der operative Gewinn sei stark von den Verlusten auf dem Markt in Nordamerika beeinflusst worden, hieß es.
Auch die Papiere von Schering gehörten mit zu den Gewinnern. Der Pharmakonzern hatte im vergangenen Jahr Umsatz und Gewinn deutlich steigern können. Mit Kursaufschlägen von 1,75 Prozent führte das Papier zunächst die Gewinnerliste im Dax an, gab dann allerdings auf rund plus ein Prozent nach.
Die Technologiewerte im Dax wurden von den schlechten Cisco-Zahlen belastet. So rutschten Infineon und Telekom jeweils knapp zwei Prozent zurück.
Im Nemax-50 machten zunächst die Papiere von Thiel Logistik das Rennen und verzeichneten ein Plus von 5,17 Prozent auf rund 167 Euro. Das Unternehmen hat im abgelaufenen Geschäftsjahr den Gewinn vor Steuern um mehr als 450 Prozent gesteigert. Der Umsatz wurde mehr als verdreifacht, teilte das Unternehmen ad hoc mit.
Börsenausblick: Gelassene Reaktion auf Cisco
Cisco hatte zwar die Erwartungen der Analysten leicht verfehlt und auch der Ausblick des weltweit führenden Anbieters von Internet-Netzwerken war gestern nach US-Börsenschluss nicht sonderlich rosig. Doch werden die Märkte mit den Daten umgehen können. Davon zeigten sich Experten bereits vor den mit Spannung erwarteten Zahlen überzeugt. Mögliche schlechte Nachrichten hätte die US-Technologiebörse bereits berücksichtigt.
So ging die Nasdaq immerhin noch mit einem Plus von 0,8 Prozent aus dem Handel, nachdem der Index am frühen Abend (MEZ) bereits mehr als mit zwei Prozent im grünen Bereich gestanden hatte. Die Standardwerte im Dow Jones zeigten sich um 0,1 Prozent schwächer.
Für die These, dass die Märkte die schwachen Cisco-Zahlen gut verdauen können, spricht auch, dass die japanische Leitbörse in Tokio mit einem Plus von 0,7 Prozent bei 13.366 Punkten aus dem Handel gegangen ist. Zwar litten Chipwerte unter Abschlägen, Telekomtitel hingegen konnten das Gesamtbild erheblich aufhellen. Freundlich notierte auch der Hang Seng-Index in Hongkong.
Für die Börsianer und Investoren in Deutschland gibt es also keinen Grund, in Sack und Asche zu verfallen. Im Mittelpunkt des Interesses dürften zunächst die Papiere des Pharma-Riesen Schering stehen. Der Konzern legt heute seine Geschäftszahlen für das Jahr 2000 vor. Und das sieht nach ersten ad-hoc-Meldungen gar nicht so schlecht aus. Schering steigerte demnach im vergangenen Jahr Umsatz und Gewinn jeweils um rund 20 Prozent.
Analysten hatten im Vorfeld zum fünften Mal in Folge einen Rekordgewinn erwartet, auch wenn das letzte Quartal auf Grund von Akquisitionen deutlich schwächer ausfallen dürfte als noch im Vorjahreszeitraum. In den vergangenen Wochen hatte das Papier des Dax-Highflyers des Jahres 2000 deutlich unter Gewinnmitnahmen gelitten.
Mit deutlichen Kursaufschlägen ist bei den in den vergangenen Monaten arg gebeutelten Aktien des Großbäckers Kamps zu rechnen. Europas größter Backkonzern konnte im vergangenen Jahr seinen Gewinn und Umsatz jeweils mehr als verdreifachen. Die Papiere des ehemaligen Börsenstars im M-Dax hatten im vergangenen Jahr rund 70 Prozent verloren. Experten halten die Prügel, die der Wert hatte einstecken müssen, für völlig überzogen.
Der Börsenneuling und Finanzdienstleister AWD hat im vergangenen Jahr Umsatz und Ergebnis kräftig in die Höhe getrieben. Der Umsatz stieg nach vorläufigen Zahlen um rund 23 Prozent auf 655 Millionen Mark (335 Millionen Euro). Das Ergebnis vor Steuer stieg um 79 Prozent auf 85 Millionen Mark, wenn die 70 Millionen Mark Ausgaben für den Börsengang im Herbst unberücksichtigt bleiben. AWD betreut nach eigenen Angaben mehr als 400 000 Kunden.