Börse am Morgen DaimlerChrysler unter Druck
Frankfurt am Main - Nach schwachen Vorgaben der Wall Street haben die deutschen Aktienmärkte am Mittwoch den Handel schwach eröffnet. Der Dax gab bis 9.30 Uhr 0,5 Prozent auf 5147 Zähler ab. Die Wachstumswerte im Nemax 50 fielen um rund ein Prozent auf 950 Punkte.
DaimlerChrysler-Chef macht gutes Wetter
DaimlerChrysler -Chef Jürgen Schrempp hat im Vorfeld der heutigen Hauptversammlung in Berlin versucht, den enttäuschten Aktionären ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen. Nach seinen Worten ist der Konzern positiv in das laufende Jahr gestartet. Wie der Autobauer am Mittwoch ad hoc mitteilte, untermauert das erste Quartal damit gegenwärtig die Ergebnisaussage für das Gesamtjahr 2002. Darüber hinaus wurde die Erwartung bestätigt, in diesem Jahr ein operatives Ergebnis zu erzielen, das sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppeln wird.
Zudem halte DaimlerChrysler "grundsätzlich" an den zuvor veröffentlichten Aussagen für die Folgejahre fest. Auf Grund der prognostizierten wirtschaftlichen Entwicklung werde DaimlerChrysler diese Ziele jedoch erst zu einem etwas späteren Zeitpunkt erreichen, teilte das Unternehmen vorab aus Schrempps Rede auf der Hauptversammlung am Berichtstag mit. Die Investoren schienen den Aussagen von Schrempp wenig Glauben zu schenken: Die Aktie gab zunächst rund 1,90 Prozent auf 49,16 Euro nach und war schwächster Wert im Dax.
Schrempp muss heute in Berlin seinen Aktionären Rechenschaft über die Resultate des Autokonzerns ablegen. Wegen der Verluste von DaimlerChrysler und der Kürzung der Dividende werden in Berlin heftige Proteste von Aktionärsschützern und Kleinaktionären und eine entsprechend turbulente Hauptversammlung erwartet. Die Kritiker wollen Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung verweigern.
HypoVereinsbank droht Sammelklage
Unter Druck geriet zunächst die Aktie der HypoVereinsbank , konnte sich dann aber wieder erholen und stand mit rund einem halben Prozent auf 38,30 Euro im Plus. Der Bundesgerichtshof hatte am Montag entschieden, dass an der Haustür abgeschlossene Immobiliengeschäfte auch nach Jahren noch widerrufen werden können. Nun droht der Bank möglicherweise eine Sammelklage nach US-Recht.
Wie das am Donnerstag erscheinende Anlegermagazin "Die Telebörse" vorab berichtet, bereitet der Göttinger Rechtsanwalt Reiner Füllmich gemeinsam mit zwei US-Partnerkanzleien die Klage nach Art der "Class Action" vor. Gegenstand der Klage seien an der Haustür oder am Arbeitsplatz verkaufte Immobilien. Unter den rund 300.000 in Deutschland Geschädigten gebe es auch zahlreiche Amerikaner, schreibt das Magazin.
Fest notierten dagegen die Titel der Allianz und der Münchener Rück . Am Morgen hatte der Schweizer Rückversicherungskonzern Swiss Re für 2001 zwar einen dramatischen Ergebniseinbruch verzeichnet, zugleich aber frühere Prognosen bekräftigt, wonach 2002 mit einem deutlichen Ergebnisanstieg zu rechnen sei. "Vielleicht wird der positive Ausblick auf die deutschen Versicherer abfärben", sagte ein Aktienhändler.
Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer verhandelt einem Zeitungsbericht zufolge mit diversen japanischen Unternehmen. Ergebnis könnten strategische Bündnisse oder Fusionen und Übernahmen in bestimmten Unternehmensbereichen sein, schreibt die "Financial Times Deutschland". Die Aktie von Bayer gewann zunächst 0,20 Prozent auf 38,55 Euro hinzu. Spitzenreiter im Dax waren erneut die Papiere des Finanzdienstleisters MLP , die sich um 1,12 Prozent auf 76,95 Euro verbesserten. MLP hatte am Vortag gute Geschäftszahlen und einen optimistischen Ausblick vorgelegt.
Riesenskandal am Neuen Markt
Am Neuen Markt nimmt der Skandal um Scheingeschäfte des Telematik-Anbieter Comroad ungeahnte Ausmaße an. Marktbeobachter sprechen vom größten Betrugsfall am Neuen Markt. Das Unternehmen muss nach einer Sonderprüfung seine Umsatzangaben für das abgelaufene Geschäftsjahr deutlich nach unten revidieren müssen. Der Umsatz betrage 1,3 Millionen Euro statt der zuvor gemeldeten 93,6 Millionen Euro, teilte das im Nemax 50 notierte Unternehmen am Mittwoch mit. Die Aktie von Comroad, ohnehin nur noch ein Pennystock, gab in der Spitze mehr als 40 Prozent ab.
Wall Street: Gerüchte um Cisco-Gewinnwarnung
Wall Street: Gerüchte um Cisco-Gewinnwarnung
Die amerikanischen Aktienmärkte haben ihren Abwärtstrend nach Handelsschluss in Deutschland fortgesetzt und dürften am Mittwoch zunächst Druck auf die Kurse in Deutschland ausüben. Der Dow Jones gab 0,4 Prozent auf 10.208 Zähler nach. Der Nasdaq Composite präsentierte sich 2,4 Prozent schwächer auf 1742 Punkte.
Vor allem auf Technologieaktien drückte die Sorge der Investoren, der bevorstehende Berichtszeitraum für das erste Quartal könnte mit unangenehmen Überraschungen aufwarten, hieß es. Die meisten Unternehmen würden wahrscheinlich bescheidene Quartalsergebnisse vorlegen, passend zum Anfangsstadium eines sich eher langsam entwickelnden Aufschwungs, sagten Marktbeobachter. Technologiewerte wie die Aktien des Netzwerkers Cisco Systems sowie Microsoft und Intel gaben kräftig nach.
Cisco Systems etwa fielen um mehr als acht Prozent. Nach der Ertragswarnung von IBM (plus 0,2 Prozent) am Montag und Nortel Networks (plus 1,68 Prozent) , die am Dienstag eine Umsatzwarnung herausgegeben hatten, befürchteten Marktteilnehmer nun auch eine Warnung des Netzwerkspezialisten. Der gesamte Netzwerkbereich gab um rund drei Prozent nach. Gleichwohl erwarten die Experten von Soundview Financial, dass das Management von Nortel die Umsatz- und Ertragsprognosen für das Quartal einhalten könne.
Immerhin konnte nach Handelsschluss das Biotechnologie-Unternehmen Genentech nach Handelsschluss über steigende Umsätze und ein verbessertes Quartalsergebnis berichten. Mit Spannung werden heute nach Handelsschluss die Zahlen für das erste Quartal des Internetkonzerns Yahoo erwartet. Am Donnerstag dann folgen Juniper Networks und General Electric.
Tokio: Nikkei notiert fest
Die asiatische Leitbörse hat am Mittwoch einen Teil ihrer Verluste des Vortages wett gemacht. Der Nikkei schloss 0,9 Prozent fester auf 11.218 Zählern.
Euro notiert behauptet
Euro notiert behauptet
Der Kurs des Euro hat sich am Mittwoch im frühen Handel über der Marke von 88 US-Cent behauptet, während gleichzeitig der Dollar unter Druck geriet. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 9.30 Uhr 0,8817 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag bei 0,8763 (Montag: 0,8778) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1412 (1,1392) Euro.
Die US-Währung war in der Nacht in Tokio deutlich gefallen. Der Euro hatte am Vortag vom nachlassenden Ölpreis profitiert. Das habe dem Euro-Kurs gut getan, sagte ein Frankfurter Devisenhändler. "Europa verfügt im Vergleich zu den USA über weniger Ölvorräte und importiert auch mehr Öl. Deshalb leidet der alte Kontinent stärker unter einem höheren Ölpreis."