Börse am Morgen: Dax überspringt 5000er-Marke - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Dax überspringt 5000er-Marke

Die deutschen Aktienmärkte starten im Plus und profitieren dabei von den guten Vorgaben der Wall Street. Infineon kann erneut zulegen. Bayer-Aktien geben nach schwachen Zahlen nur geringfügig nach.
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Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte haben am Mittwoch die positiven Vorgaben der Wall Street aufgenommen und sind im Plus gestartet. Der Dax kletterte bis 9.30 Uhr zunächst um 1,3 Prozent auf 5010 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax 50 zogen um 3,3 Prozent auf 1198 Punkte an.

Die Aktien von Infineon   konnten einen Tag nach schwachen Zahlen zunächst erneut zulegen. Nach rund zehn Prozent am Vortag stieg die Aktie zunächst um weitere 3,4 Prozent auf knapp 23 Euro. Vor den mit Spannung erwarteten Quartalszahlen zogen Siemens   rund 1,70 Prozent auf 58,70 Euro an.

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer   hat für das dritte Quartal einen drastischen Ergebnisrückgang ausgewiesen und die Erwartungen von Analysten deutlich verfehlt. Die Aktie war der einzige Verlierer im Dax und fiel moderat um 1,30 Prozent auf 34,45 Euro.

Der operative Gewinn aus dem laufenden Geschäft vor Sonderposten betrage 66 Millionen Euro nach 711 Millionen vor Jahresfrist, teilte Bayer am Mittwoch in Leverkusen mit. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt 281 Millionen Euro erwartet. Unter dem Strich wies Bayer einen Konzernverlust von 183 Millionen Euro aus, nach einem Gewinn von 534 Millionen im Vorjahr. Trotz der Konjunkturschwäche und den Belastungen in der Sparte Gesundheit erwarte Bayer für das vierte Quartal aber ein positives operatives Ergebnis, hieß es.

Einen Tag nach Infineon-Chef Ulrich Schumacher wird heute auch der Siemens   -Vorstandsvorsitzende Chef Heinrich von Pierer den Anlegern schlechte Zahlen präsentieren. Analysten rechnen wegen der schlechten Lage in der Telekommunikationssparte mit einem Verlust im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2000/01 (30. September). Im Gesamtjahr dürfte der Siemens-Gewinn vor Sonderposten laut Schätzungen von 3,4 Milliarden Euro auf weniger als 800 Millionen Euro eingebrochen sein. Die Chiptochter Infineon steuerte einen Nettoverlust von fast 600 Millionen Euro bei.

Zwar gehört Siemens nicht zu den Favoriten von Herrn Prior. Vielleicht aber werden wir ja eine ähnliche Trotzreaktion der Aktie wie am Vortag bei Infineon sehen, die trotz grottenschlechter Zahlen rund zehn Prozent zugelegt hatte.

Nach der Verschmelzung zum größten deutschen Allfinanzkonzern gibt heute auch die Allianz   ihre Zahlen für das dritte Quartal bekannt. Die Allianz hatte ihre Prognosen für das laufende Jahr infolge der Terroranschläge in den USA bereits um eine Milliarde Euro gesenkt. Da die Aufwendungen im dritten Quartal zu Buche schlagen, erwarten einige Analysten einen Verlust in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro. Wegen des schwachen Börsenumfeldes wird auch die Dresdner Bank nach Einschätzung der Analysten einen Teil dazu beitragen.

Bei der Präsentation der Lufthansa   -Zahlen für das dritte Quartal warten Analysten vor allem auf die Prognose sowie Aussagen zu Stilllegungen und Einsparungen. Von der Zeit nach den Terroranschlägen des 11. September seien gerade einmal 19 Tage in das dritte Quartal gefallen, gibt HypoVereinsbank-Analyst Uwe Weinreich zu bedenken. Delbrück-Analyst Markus Glockemeier sagt: "Wichtig wird sein, welche Prognose Jürgen Weber für das vierte Quartal ausgibt." Martin Borghetto von Morgan Stanley Dean Witter ist davon überzeugt, dass die Deutsche Lufthansa am Ende des Jahres in die Verlustzone fliegen wird.

Für das abgelaufene Quartal liegen die Umsatzprognosen der Analysten zwischen 4,075 Milliarden und 4,5 Milliarden Euro. Obwohl die Folgen der Attentate von New York und Washington nach allgemeiner Überzeugung erst im vierten Quartal voll wirksam werden, gehen die Schätzungen der Experten beim operativen Gewinn weit auseinander. Zwischen 25 Millionen und 135 Millionen Euro soll Lufthansa verdient haben. Für die bisherigen drei Quartale prognostizierten sie einen Umsatz zwischen 11,4 Milliarden und 12,4 Milliarden Euro sowie einen operativen Gewinn zwischen 130 Millionen Euro und 265 Millionen Euro.

Am Neuen Markt werden unter anderem Carrier 1   , Kontron   und Constantin Film   ihre Quartalszahlen vorlegen.

Prior lässt die Bullen los

Pessimisten unter den Charttechnikern haben am Montag den Dax im Wochenverlauf eine Talfahrt vorausgesagt. Auf bis zu 4500 Punkten könne der Index fallen, nachdem die Standardwerte zuvor die Widerstandslinie von 5000 Punkten nicht halten konnten. Doch wir sehen ein ganz anderes Bild. Der Markt ignoriert schlechte Unternehmensnachrichten und steigt. Mutige nehmen bereits wieder das Wort "Jahresendrallye" in den Mund.

Andere wissen es noch besser, und dabei schießen die Spekulationen zuweilen auch ins Kraut: Egbert Prior, Provokateur aus Berufung, sieht den Dax zum Frühjahr bereits auf 7000 Punkten und rät seiner Fangemeinde, auf den "fahrenden Zug" aufzuspringen, "bevor es Ihnen Ihr Banker rät". Der Energieschub für deutsche Aktien soll wieder einmal aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten kommen.

Für das Büro Prior steht fest: Nach zehn US-Zinssenkungen versinken die Märkte in Liquidität, die Anleger werden wie besessen Aktien kaufen, die Unternehmen nahezu besinnungslos investieren, das Wort Rezession in die Mottenkiste kurzerhand zurückverbannt. Die Winterrallye werde die deutschen Aktien mit quasi historischer Gesetzmäßigkeit nach oben treiben, die Steuerreform ein "Dax-Monopoly" auslösen und die Unternehmensgewinne im Ergebnis kräftig sprudeln lassen....

Das erinnert doch ein wenig an alte Neuer-Markt-Hysterie. Bleiben wir auf dem Teppich und Herr Prior bitte bei seinen Leisten. Sollte er dennoch Recht behalten, wird manager-magazin.de Herrn Prior im kommenden Frühjahr natürlich an dieser Stelle als neuen Spekulationsmilliardär gebührend würdigen. Zurück zu den täglichen Niederungen des grauen Börsenalltags.

Gute Vorgaben aus New York

Die Chancen für einen festen Handelsauftakt in Deutschland stehen gut. Die US-Börsen konnten nach Handelsschluss in Deutschland noch zulegen und liefern heute erfreuliche Vorgaben. Der Dow Jones legte um 2,1 Prozent auf 9750 Zähler zu. Der Nasdaq Composite kletterte um 2,8 Prozent auf 1892 Punkte. "Der Rückzug der Taliban aus Kabul sorgte für gute Stimmung. An den Aktienmärkten hofft man auf einen Etappensieg im Kampf gegen den Terrorismus", kommentierte Peter Cardillo, Director of Research bei Westfalia Investments.

Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss im Plus. Der Nikkei kletterte um 0,6 auf 10.086 Zähler.