Börse am Morgen Depression zum Wochenschluss
Frankfurt am Main - Der Dax gab zum Wochenschluss weitere 0,3 Prozent nach und fiel auf 5148 Punkte. Der Index könnte zum Wochenende sein Jahrestief von 5.124,69 Zählern knacken: Die Abwärtsbewegung hat sich nach Ansicht des Wertpapierhauses Lang & Schwarz beschleunigt. Die 5.000er Marke sei die nächste deutlichere Unterstützung.
Lediglich MLP (plus 2 Prozent) und Schering (plus 1,2 Prozent) starteten mit deutlichen Gewinnen in den Handelstag. Etwas fester notierten auch die Autotitel. Die Deutsche Telekom pendelte um den Vortagesschluss von 16,78 Euro. Nach dem erneuten Einbruch gestern ist das für T-Aktionäre ein schwacher Trost. Nach Angaben der FAZ ist der Verkauf des Kabelnetzes der Telekom an Liberty Media weiter unsicher.
Verlierer im Dax waren im frühen Handel SAP, Epcos und Fresenius mit Abschlägen zwischen ein und 1,9 Prozent. Die Verluste bei SAP hatten sich gestern noch in Grenzen gehalten, doch die Sorge um weitere Gewinnwarnungen aus den USA drückte am Morgen die Aktie.
Die Konjunkturflaute läßt auch die Gewinne der deutschen Unternehmen schrumpfen. Nach einer Umfrage der Tageszeitung "Die Welt" sind die Gewinne der Unternehmen im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um durchschnittlich 43 Prozent gesunken. Besonders stark sei der Rückgang bei Technologiekonzernen wie Infineon, Siemens und Deutsche Telekom. Steigerungsraten hätten dagegen Volkswagen, MAN und BMW (nach dem Abschied von Rover) verzeichnet.
IWF dürfte Konjunkturprognosen senken
Zwar hat die EZB am Donnerstag die Leitzinsen wie erwartet um 0,25 Prozent auf 4,25 Prozent gesenkt, der negative Ausblick auf die Konjunkturlage wog aber schwerer. In diesem Jahr dürfte die globale Konjunktur statt der erwarteten 3,2 Prozent nur noch um 2,8 Prozent wachsen, hieß es aus Kreisen der IWF. Für Deutschland werde das Wachstum für dieses Jahr auf 1,2 Prozent (Prognose Frühjahr: 1,9) und für 2002 auf 2,1 Prozent (2,6 Prozent) herunterkorrigiert.
Neuer Markt: Weiter abwärts
Der Nemax 50 war bereits gestern abend kurzzeitig unter die 1000-Punkte-Marke getaucht und nahm am Freitag mit Verlusten von 0,6 Prozent erneut Kurs auf die Dreistelligkeit. Einziger deutlicher Gewinner war Senator mit einem Plus von 12 Prozent auf 2,85 Euro. Lambda Physik (minus 6,1 Prozent auf 23,65 Euro) geriet erneut unter Druck.
Die negativen Vorgaben der Nasdaq und der Kurssturz der Technologiewerte in Asien belasten weiterhin. Die Gewinnwarnung von Sun Microsystems und die negativen Ausblicke von Corning, Altera und AMD hatten gestern den Kursrutsch ausgelöst, gestern nacht folgte Hitachi mit einer Gewinnwarnung.
Die wichtigen Indizes sind gestern reihenweise unter psychologisch wichtige Marken gerutscht. Der Dow Jones schloss 1,7 Prozent schwächer bei 9920 Punkten und damit auf dem tiefsten Stand seit dem 9. April. Der Technologieindex Nasdaq Composite brach um 2,8 Prozent auf 1792 Zähler ein und hat seit April 2000 64 Prozent eingebüßt.
Nikkei auf Tauchstation
Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Freitag neue Tiefstände erreicht. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte ging mit einem Minus von 224 Punkten beim Stand von 10.713 Zählern aus dem Handel - zum dritten Tag in Folge ein 17-Jahres-Tief. Das Abwärtspotenzial im Nikkei sei aber begrenzt, sagen Händler. Eine Unterstützung werde bei 10.500 bis 10.600 Punkten gesehen.
Nur der Euro klettert
Etwas fester zeigte sich lediglich der Euro. Die Gemeinschaftswährung notierte am Freitag zuletzt bei 0,9181 Dollar.