Börse am Morgen: Der Ausverkauf geht weiter - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Der Ausverkauf geht weiter

Der Dax ist erneut tief ins Minus gerutscht und notiert mittlerweile weit unter der 3400-Punkte-Marke. Vor allem die Finanzwerte brachen nach schlechten Nachrichten aus USA und Deutschland dramatisch ein. Auch die Siemens-Aktie war nach der Bekanntgabe des Konzernergebnisses stark unter Druck.
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Frankfurt am Main - Nach einer festeren Eröffnung fiel der Dax um 4,1 Prozent auf 3380 Punkten im Minus. Schon am Dienstag fiel der deutsche Leitindex um 4,8 Prozent auf den tiefsten Stand seit Oktober 1997. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 auf 508 Punkte ab, ein Minus von 2,7 Prozent.

Marktbeobachter erklärten das anfängliche Plus im Dax mit einer technischen Reaktion. Von einer Erholung könne noch nicht gesprochen werden. Für den weiteren Tagesverlauf wird noch mit stark schwankenden Kursen gerechnet.

Unter starkem Druck waren die Finanzwerte. Deutschen Bank   fielen um 5,2 Prozent auf 52,80 Euro, Commerzbank   brachen um 11,8 Prozent ein auf 10,10 Euro, HypoVereinsbank   gingen um 9,7 Prozent auf 19,95 Euro zurück, Allianz   verloren 5,7 Prozent auf 133 Euro und Münchener Rück   fielen 5,4 Prozent auf 166 Euro.

Marktexperten zufolge drücken mehrere Faktoren die Bankenwerte in Minus. "Generell müssen die Banken ihre Risikovorsorge erhöhen, da in der derzeitigen Konjunktursituation mehr Firmen pleite gehen", sagte Georg Kanders von West LB Panmure. Zudem belasteten die derzeit stark fallenden Kurse an den Börsen auf vielfältige Art auch das Geschäft der Banken.

Auswirkungen auf die deutschen Bankenwerte haben Händlern in Frankfurt zufolge auch der Kurseinbrüche der Aktien der US-Banken Citigroup und JP Morgan Chase am Dienstag. Citigroup verloren über 15 Prozent, JP Morgan mehr als 19 Prozent, nachdem ein Untersuchungsausschuss des US-Kongresses den beiden Banken vorgeworfen hatte, den insolventen Energiehändler Enron bei desses Bilanzmanipulationen "unterstützt" zu haben.

Am Vortag waren die Firmenräume des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP   wegen Verdachts auf Bilanzfälschung durchsucht worden. Daraufhin sackte der Titel zwischenzeitlich um mehr als ein Fünftel seines Wertes zusammen. Zum Auftakt gab das Papier am Mittwoch weitere drei Prozent ab, ging dann aber wieder um knapp zweieinhalb Prozent ins Plus.

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft will nach Zeitungsberichten wegen der Millionen-Abfindungen bei der Übernahme des Telefonkonzerns Mannesmann durch den Konkurrenten Vodafone Anklage wegen des Verdachts der Untreue erheben. Beschuldigt werden der Deutsche-Bank-Vorstand Josef Ackermann, IG-Metall-Vorstand Klaus Zwickel, der frühere Mannesmann-Vorstandsvorsitzende Klaus Esser und der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Funk sowie drei weitere Personen, titelt die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Mittwochausgabe. Dass Anklage erhoben wird, gelte als sicher.

Der Münchener Siemens-Konzern   hat wegen Schwierigkeiten in der Netzwerksparte im abgelaufenen Quartal einen Ergebnisrückgang gegenüber dem Vorquartal verbucht, die Erwartungen der Analysten aber übertroffen. Die Aktien fielen dennoch um 8,2 Prozent auf 46,80 Euro. Die Siemens-Töchter Epcos   und Infineon   erwischte es noch härter mit Kursverlusten von 8,9 Prozent auf 18,50 Euro beziehungsweise 7,6 Prozent auf 13,95 Euro.

Die Deutsche Telekom   hat derzeit keine Pläne, Abschreibungen auf ihre US-Mobilfunktochter VoiceStream vorzunehmen. "Wir sehen keinen Abschreibungsbedarf", sagte ein Telekom-Sprecher am Dienstag in Bonn. Laut seinen Angaben steht VoiceStream mit rund 39 Milliarden Euro in den Büchern. Das ARD-Wirtschaftsmagazins Plusminus hatte zuvor vorab berichtet, dass die Telekom in ihrer Bilanz einen zweistelligen Milliarden-Verlust versteckt. Die T-Aktie notierte am Morgen auf 10,35 Euro, ein Minus von 1,4 Prozent.

Die Bayer-Aktie   gab neun Prozent auf 23,40 Euro ab. Der Pharmakonzerne will zusammen mit GlaxoSmithKline das Medikament Vardenafil, ein Mittel zur Behandlung von Erektionsstörungen, im kommenden Jahr in den USA einführen. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA habe einen positiven Zwischenbescheid erteilt, hieß es am Mittwoch von Bayer. Die FDA fordere vor der endgültigen Zulassung weitere klinisch-pharmakologische Studien. Vardenafil soll den im vergangenen Jahr vom Markt genommenen Cholesterinsenker Lipobay als wichtigen Umsatzträger ersetzen.

Neuer Markt: Balda profitiert von guten Zahlen

Am Neuen Markt stieg das Papier von Balda um 9,3 Prozent auf 4,35 Euro. Der Handy-Zulieferer ist im abgelaufenen Quartal in die Gewinnzone zurückgekehrt. Für das laufende Quartal stellte der Vorstand erneut steigende Umsätzen auf 48 Millionen Euro in Aussicht, wie der im Nemax 50 notierte Kunststoffverarbeiter am Dienstag nach Börsenschluss in Bad Oeynhausen mitteilte. Ab dem 4. Quartal erwartet Balda zudem erste Umsatz-Beiträge aus dem neuen Unternehmensbereich Medizintechnik.

Massive Verluste in New York - Euro pendelt um 0,99-Dollar-Marke

Massive Verluste in New York

Der Dow-Jones-Index fiel am Dienstag um 82,24 Zähler oder 1,1 Prozent auf 7702 Punkte. Der repräsentative S&P-500-Index, der die Kursentwicklung der 500 wichtigsten US-Unternehmen widerspiegelt, gab um 22,15 Zähler oder 2,7 Prozent nach und ging mit 797 Punkten aus dem Handel. Er liegt damit erstmals seit Mai 1997 wieder unter 800 Punkten. Der technologielastige Nasdaq-Index brach sogar um 53,66 Zähler oder 4,2 Prozent auf 1228 Punkte ein und befindet sich auf dem niedrigsten Stand seit fünf Jahren. Microsoft   und andere große Technologiewerte befanden sich auf Talfahrt.

Es sind in einem US-Senatsunterausschuss Vorwürfe wegen beanstandeter Transaktionen der beiden größten US-Banken Citigroup   und J.P. Morgan Chase   mit dem bankrotten Energiehändler Enron gemacht worden. Die beiden Banken bestritten die Vorwürfe, doch sackten ihre Aktien massiv ab. Citigroup fielen um 15,7 Prozent auf 27 Dollar und J.P. Morgan Chase um 18,1 Prozent auf 20,08 Dollar. Energiehandelsfirmen kamen ebenfalls unter die Räder.

Gute Zahlen von Amazon

In den USA wurden nach Börsenschluss gute Zahlen von Amazon.com   bekannt gegeben. Der Internet-Händler hat für das zweite Quartal bei einem um 21 Prozent gestiegenen Umsatz unerwartet wenig Verlust gemacht und will im Gesamtjahr 2002 auf Proforma-Basis die Gewinnzone erreichen. Das Unternehmen übertraf mit einem Proforma-Verlust je Aktie von 0,01 Dollar die Analysten-Erwartungen deutlich. Von First Call/Thomson Financial befragte Experten hatten im Schnitt mit einem Minus von 0,06 Dollar je Titel gerechnet. Der Umsatz sei im Jahresvergleich von 668 auf 806 Millionen Dollar gestiegen. Hier hatten die Analysten mit einem Wert von 789 Millionen Dollar gerechnet.

Die Mobilfunksparte des weltgrößten Telekomkonzerns, AT&T Wireless  , hat für das zweite Geschäftsquartal bis Ende Juni einen Gewinn je Aktie von einem Cent ausgewiesen. Mit einem ausgeglichenen Ergebnis aus fortgeführtem Geschäft traf das Unternehmen die Durchschnittsschätzung der von First Call/Thomson Financial befragten Analysten. Im Vorjahresquartal wurde ein Gewinn je Aktie in Höhe von neun Cent und ein Ergebnis aus fortgeführtem Geschäft von zwölf Cent erreicht, wie das Unternehmen am Dienstag in New York mitteilte. Den Umsatz bezifferte das Unternehmen auf 3,910 Milliarden Dollar gegenüber 3,376 Milliarden im Vorjahr. Der Nettogewinn brach den Angaben zufolge von 229 Millionen Dollar im Vorjahr auf 19 Millionen im zweiten Quartal ein.

Der amerikanische Faseroptik- und Kabelhersteller Corning   hat bei gesunkenen Umsatz mit seinem Verlust für das für das abgelaufene Quartal die Markterwartungen übertroffen. Von Thomson Financial/First Call befragte Analysten hatten mit einem Verlust vor außerordentlichen Posten von neun Cent pro Aktie gerechnet. Corning kam auf ein Minus von sieben Cent je Anteilsschein.

Börse in Tokio verliert deutlich

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Mittwoch nach den negativen Vorgaben der Wall Street mit deutlichen Verlusten geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte sank erstmals seit dem 20. Februar wieder unter die Marke von 10.000 Punkten und ging um 267 Punkte oder 2,6 Prozent leichter bei 9947 Zählern aus dem Handel. Der breit angelegte Topix verlor 16 Punkte oder 1,6 Prozent und notierte bei 976 Punkten.

Euro pendelt um die Marke von 0,99 Dollar

Der Euro notierte am Mittwochmorgen etwas leichter. Die Einheitswährung kostete gegen 9 Uhr rund 0,9901 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag bei 0,9910 (Montag: 1,0086) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0091 (0,9915) Euro.

Der Euro hatte am Dienstag nach dem Fall unter die Dollar-Parität seine Talfahrt zunächst beschleunigt und war zeitweise auch unter die Marke von 0,99 Dollar gerutscht. "Damit ist aber kein nachhaltiger Abwärtstrend des Euro eingeleitet", sagte Jitsuo Tachibana, Händler von Sumitomo Trust and Banking Co Ltd in Tokio.