Börse am Morgen: Der Start enttäuscht - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Der Start enttäuscht

Der Dax ist am Morgen schwächer in den Handel gestartet und blieb damit unter den Erwartungen. Dabei hatten die Vorgaben aus den USA im Vorfeld hoffnungsfroh gestimmt. Gute Nachrichten hatte es unter anderem vom Autobauer Ford gegeben. Die Anleger hoffen, dass die Nokia-Zahlen am Vormittag nicht enttäuschen.
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Frankfurt am Main - Nach wenigen Handelsminuten sank der Index um 1,19 Prozent auf 3542,23 Punkte. Der MDax verlor 0,03 Prozent auf 3.279,39 Zähler. Am Neuen Markt sank der Nemax 50 um 0,74 Prozent auf 451,23 Punkte.

Besonders schwach entwickelten sich am Morgen die Technologieaktien. Neben Infineon   und der T-Aktie  , die jeweils mehr als 2 Prozent absackten, stach besonders die Aktie des Bauelementeherstellers Epcos   heraus, die mit einem Minus von 4,12 Prozent auf 12,80 Euro die mit Abstand schwächste Dax-Aktie bildete. Leicht im Plus hielten sich lediglich Spezialchemiewert Degussa   und die Bayer-Aktie  .

Am Mittwoch hatten die amerikanischen Aktienmärkte ihre frühen Zugewinne nicht gehalten. Nach "patriotischen Käufen", wie Händler in New York erklärten, schloss der Dow Jones 0,3 Prozent leichter auf 8581 Zähler. Der Nasdaq Composite rutschte um 0,4 Prozent auf 1315 Punkte ab. Marktbeobachter sprachen am Jahrestag der Terroranschläge von einer düsteren Stimmung an der Wall Street. Die Nyse liegt nur wenige Straßenzüge von "Ground Zero" entfernt, wo vor einem Jahr die Zwillingstürme des World Trade Center eingestürzt waren.

Zu der schwächeren Schlusstendenz an den Aktienmärkten hatte unter anderem das "Beige Book" beigetragen. Die amerikanische Notenbank (Fed) hatte am Abend bestätigt, was viele Unternehmer und Ökonomen längst befürchten: Der Aufschwung der US-Wirtschaft stockt seit Ende Juli. In den Fabriken ziehe die Produktion nicht an, Unternehmen stellten weniger neue Arbeitskräfte ein als gehofft, heißt es im "Beige Book" der US-Notenbank. Es gibt einen Überblick über die regionale Entwicklung der Wirtschaft.

Beobachter werteten diesen Bericht als Hinweis, dass die Notenbank die Leitzinsen auf absehbare Zeit auf dem 40-Jahrestief von 1,75 Prozent belassen wird. Die nächste Fed-Sitzung ist am 24. September.

In Deutschland dürften sich die Investoren vor der mit Spannung erwarteten Rede des US-Notenbankchefs Alan Greenspan (16 Uhr MESZ) und angesichts der schwachen Vorgaben zunächst zurückhalten. Händler in Frankfurt rechneten mit einem schwächeren Auftakt.

Greenspan wird sich nach Einschätzung von Analysten bei seiner Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses nicht als unverbesserlicher Konjunkturoptimist präsentieren. Um seine Glaubwürdigkeit zu untermauern, werde er die Märkte aber auch auf weiter bestehende Risiken wie etwa die angespannte Lage am Arbeitsmarkt hinweisen.

"Greenspan wird versuchen, das Vertrauen an den Märkten in die Wirtschaft wieder herzustellen", sagt Anthony Chan, Chefvolkswirt bei Banc One Investment Advisors in Columbus. Bereits bei seiner letzten Anhörung vor dem Kongress im Juli hatte der Notenbank-Präsident die besorgten Investoren zu beruhigen versucht und den langfristigen Ausblick der US-Wirtschaft als eindrucksvoll bezeichnet. Seither haben aber neue Bilanzsorgen und einige überraschend schwache Konjunkturdaten einer nachhaltigen Kurserholung an den Finanzmärkten entgegengestanden.

Fast zeitgleich zu Greenspans Anhörung will US-Präsident George W. Bush in seiner ebenfalls mit Spannung erwarteten Rede vor der Uno-Vollversammlung die Irak-Politik seiner Regierung erläutern.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Leitzinsen in der Euro-Zone nach einhelliger Einschätzung von Volkswirten bei ihrer heutigen (Donnerstag) Ratssitzung unverändert lassen. Die meisten Analysten rechnen sogar bis zum Jahresende mit einem unveränderten Schlüsselzins von 3,25 Prozent.

Schlechte Nachrichten vermeldete am späten Mittwochabend der am Neuen Markt notierte Softwarehersteller Intershop  . Das Unternehmen sieht sich auf Grund von hohen außerplanmäßigen Abschreibungen auf Vermögenswerte zu einer Reduzierung seines Kapitals veranlasst. Da das Eigenkapital die Hälfte des Grundkapitals unterschritten habe, werde eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, gab Intershop in einer Pflichtveröffentlichung bekannt. Geplant sei eine Zusammenlegung von fünf alten gegen eine neue Inhaberstammaktie. Intershop wolle durch die Maßnahmen seine Bilanzstärke und seine finanzielle Flexibilität erhöhen, hieß es weiter.

Auch der Stern eines weiteren ehemaligen Stars am Neuen Markt scheint unterzugehen. Der Verwaltungsrat von France Télécom   will heute Abend über die weitere Verfahrensweise mit Mobilcom   entscheiden. Sollte sich der französische Konzern gegen eine weitere finanzielle Unterstützung der Büdelsdorfer aussprechen, dann müsste die im Nemax 50 notierte Mobilcom nach eigenen Angaben Insolvenz beantragen. Das Ergebnis der Sitzung wird France Télécom voraussichtlich am Freitagmorgen bekannt geben.

Völlig offen bleibt, ob die Franzosen ein Übernahmeangebot für Mobilcom abgeben werden. Nach einem unbestätigten Zeitungsbericht wird sich das Unternehmen in Abstimmung mit der französischen Regierung von der hochverschuldeten Mobilcom trennen.

In der Auseinandersetzung mit dem Großaktionär France Télécom hat Mobilcom nach Informationen des "Handelsblatts" das Bundeskanzleramt um Vermittlungshilfe gebeten. Es liefen Gespräche mit der französischen Regierung und mit France Télécom "auf der Arbeitsebene", zitiert die Zeitung in ihrer Donnerstagsausgabe einen Regierungssprecher. Bei einer Insolvenz von Mobilcom sind rund 5000 Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet.

Die Deutsche Bank   will im Zuge ihres Verkaufsprogramms offenbar auch die US-Leasingtochter Deutsche Financial Services (DFS) verkaufen. Der Abschluss der Verkaufsgespräche werde bereits in den kommenden Tagen erwartet, berichtet das "Handelsblatt" heute. Die DFS beschäftigt rund 1750 Mitarbeiter und betreut ein Finanzierungsvolumen von zwölf Milliarden Dollar.

Die asiatische Leitbörse in Tokio ging etwas fester aus dem Handel. Der Nikkei gewann 15 Zähler auf 9415 Punkte hinzu: ein Plus von 0,2 Prozent.