Börse am Morgen Desaster für MLP
Frankfurt am Main - Die schwachen Konjunkturdaten aus den USA, der zurückgehende Umsatz bei Disney und die Befürchtung, dass die US-Arbeitsmarktzahlen (14.30 Uhr MESZ) heute enttäuschen werden, sorgen für starke Verunsicherung an den Märkten. Der Dax gab zum Handelsauftakt um 0,7 Prozent nach und fiel unter 3600 Punkte. Auch der Nemax 50 rutschte um 1,6 Prozent auf 527 Zähler.
Zu den Gewinnern im frühen Handel zählten die defensiven Werte. Post , Linde und BASF verbuchten Gewinne von jeweils knapp ein Prozent. Dagegen gerieten vor allem Finanz- und Technologiewerte unter Druck.
Aktien von MLP brechen weiter ein
Massive Kursverluste musste erneut die Aktie von MLP hinnehmen. Händler sagten, nach den neuen Vorwürfen des Anlegermagazins Börse Online zur MLP-Bilanz wolle kaum noch jemand die Aktie halten - die Verunsicherung nach dem Kurssturz sei zu groß. Papiere von MLP stürzten zum Handelsauftakt um weitere zwölf Prozent und fielen unter 14 Euro. Bei der Aufnahme in den Dax wurde die Aktie noch für mehr als 100 Euro gehandelt.
Allianz zurückgestuft
Auch die Aktie der Deutsche Bank , die nach guten Quartalszahlen zunächst deutlich gestiegen war, notierte am Freitag wieder etwas schwächer. Deutschlands größtes Bankhaus schrieb im zweiten Quartal operativ schwarze Zahlen und profitierte beim Vorsteuerergebnis vor allem vom Verkauf ihrer Beteiligungen an der Münchener Rück und an der Allianz.
Die Anteilsscheine der Allianz gaben am Freitag weitere zwei Prozent nach und sind für weniger als 137 Euro zu haben. Am Mittwoch Abend hatte die Allianz ihre Gewinnprognose für das Gesamtjahr gesenkt, woraufhin der Aktienkurs bereits kräftig eingebrochen war. Am Donnerstag stuften diverse Investmenthäuser wie Goldman Sachs und Merrill Lynch die Allianz-Aktie zurück.
Hightechs schwach - Infineon zurückgestuft
Nach den starken Verlusten der US-Schwergewichte im Hightechsektor haben auch die deutschen Technologiewerte heute zunächst weiter nachgegeben. Infineon , Deutsche Telekom und Siemens verloren jeweils rund zwei Prozent. Dresdner Kleinwort Wasserstein hat zudem Infineon-Aktien von "Kaufen" auf "Halten" herunter gestuft und das Kursziel von 22 auf 15 Euro gesenkt.
BMW in USA gefragt
Zumindest die Aktien von BMW haben zunächst von den jüngsten Absatzzahlen in den USA profitieren. Insgesamt wurden in den USA im Juli 1,52 Millionen Fahrzeuge verkauft. Das ist das beste Monatsergebnis seit dem Allzeit-Hoch im Oktober 2001. Deutliche Zuwächse verzeichnete dabei BMW. Bei den DaimlerChrysler -Marken Mercedes sowie Chrysler war der Umsatz im Juli dagegen rückläufig. Die Aktie von BMW kletterte um 0,7 Prozent, während DaimlerChrysler leicht nachgab.
Wall Street schwach - Arbeitsmarkt entscheidet
Wall Street: Banges Warten auf Arbeitsmarktzahlen
Der Dow Jones baute im späten Handel seine Verluste auf 2,6 Prozent aus und schloss nur knapp über 8500 Punkten. Der Nasdaq Composite gab sogar 3,6 Prozent auf 1280 Zähler nach. Zum Handelsschluss in Deutschland hatten die Verluste im Dow 2,2 Prozent und an der Nasdaq 2,8 Prozent betragen. Händler rechnen für heute mit einem schwächeren Auftakt, da Dax und Nemax diese Verluste nachholen dürften.
Zwei Tage lang hat der Dow Jones schlechte Konjunkturdaten weggesteckt und seine Klettertour fortgesetzt. Doch nach dem schwachen Verbrauchervertrauen und den schwachen Wachstumsraten der Wirtschaft war der deutlich gefallene Einkaufsmanager-Index dann doch zuviel Munition für die Bären. Nun gehen wieder Rezessionsängste an den Märkten um. Der Kurssturz an den Börsen hat seinerseits dafür gesorgt, dass das Vertrauen der Verbraucher und die Investitionen der Unternehmen stark zurück gegangen sind.
In den USA ist der nationale Einkaufsmanager-Index auf knapp über 50 gefallen. Unter dieser Marke wird bereits auf eine anstehende Rezession geschlossen. Am heutigen Freitag werden um 14.30 Uhr MESZ in den USA Arbeitsmarktdaten veröffentlicht. Fallen auch diese ähnlich schlecht aus wie die bislang in dieser Woche veröffentlichten Konjunkturdaten, dürfte es auch mit der Erholung im Dow Jones vorerst vorbei sein. Die wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung waren bereits höher als von Volkswirten erwartet.
Konzernmanager in Handschellen
Zur Vertrauensbildung trugen auch nicht die Bilder bei, die US-Anleger gestern im Fernsehen anschauen durften. Der ehemalige Finanzchef und der Leiter der Buchhaltung des Skandalunternehmens WorldCom, Scott Sullivan und David Myers, wurden gestern festgenommen und nur gegen hohe Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt. Ihnen werden Verstöße gegen die Wertpapiergesetze und Falschangaben bei der Wertpapier- und Börsenkommission SEC vorgeworfen. WorldCom befindet sich wegen Buchfälschungen in einem Konkursverfahren.
Umsatz- und Gewinnrückgang bei Disney
Nach Handelsschluss der Wall Street wurden die Geschäftszahlen des US-Unterhaltungskonzern Walt Disney für das dritte Quartal veröffentlicht. Disney hat im dritten Quartal nur noch 364 Millionen oder 18 Cent je Aktie gegenüber 392 Millionen Dollar oder 19 Cent je Aktie im entsprechenden Vorjahreszeitraum. verdient. Die Ertragsentwicklung im Film- und Fernsehgeschäft war ebenfalls rückläufig. Der Umsatz schrumpfte gegenüber der Vorjahresvergleichszeit um drei Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar, teilte Disney am Donnerstag nach Börsenschluss mit.
Auch der weltgrößte Mineralölkonzern Exxon hat im zweiten Quartal wegen der niedrigeren Öl- und Erdgaspreise schlechter verdient. Dies setzte den Wert sowie die meisten anderen Ölaktien stark unter Druck. Auch Finanzwerte wie Citigroup und American Express gaben auf Grund von Abstufungen nach. General Motors verloren trotz guter US-Absatzzahlen im Juli an Boden.
An der Nasdaq bauten die Titel des weltgrößten Medienkonzerns AOL Time Warner ihre Verluste aus. Nach der US-Börsenaufsicht ermittelt nun auch das US-Justizministerium wegen möglichen Bilanzbetrugs bei der Online-Tochter von AOL.
Gewinnwarnung schickt Adobe in den Keller
Der Produzent von Grafik-Software Adobe hatte am Mittwoch nach Börsenschluss seinen Ausblick für das dritte Quartal gesenkt, weil der Umsatz im Monat Juli stark rückläufig gewesen sei. Die Aktie brach daraufhin um knapp 30 Prozent auf 16,83 US-Dollar ein und notierte damit so tief wie seit Mai 1999 nicht mehr. Papiere des Software-Herstellers Microsoft büßten knapp fünf Prozent ein.
Cisco und Intel unter Druck
Auch die Titel des Netzwerkausrüsters Cisco gaben bei kräftigen Umsätzen 8,57 Prozent auf 12,06 Dollar nach. Händler sagten, es gebe Gerüchte, dass Ciscos Zahlen in der kommenden Woche enttäuschen würden. Die Papiere des weltgrößten Herstellers von Mikroprozessoren, Intel , gaben um rund sechs Prozent nach.
Euro fester, Nikkei schwach
An der Aktienbörse in Tokio setzte der Nikkei mit einem Verlust von 0,9 Prozent seine Talfahrt fort und schloss nur noch knapp über 9700 Punkten. Der Euro notierte am Freitag fester bei 0,9859 US-Cent. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor bei 0,9760 (Mittwoch: 0,9783) US-Dollar festgesetzt.