Börse am Morgen: Die Angst bleibt - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Die Angst bleibt

Die Verkaufspanik ist ausgeblieben, doch die Angst vor einer Rezession bleibt. Der Dax gibt einen Teil seiner Vortagesgewinne wieder ab. Finanz- und Versicherungstitel bleiben knapp behauptet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main – Der Dax gab zu Handelsbeginn mit einem Verlust von 67 Punkten (1,6 Prozent) einen Großteil seiner Vortagesgewinne wieder ab. Der Nemax 50 fiel um 2,3 Prozent auf 812 Punkte. Zwar haben die Zinssenkungen der Notenbanken gestern eine Verkaufspanik verhindert. Allerdings bleibt die Situation an den Märkten äußerst kritisch. Der Dow Jones hatte gestern 7,1 Prozent auf 8920 Punkte verloren.

Die Titel der Deutschen Telekom   , des Autobauers DaimlerChrysler   sowie der Versicherungskonzerne Allianz   und Münchener Rück   gaben nach ihren kräftigen Kursgewinnen von gestern wieder nach und verloren zwischen 1,5 und 3,1 Prozent.

Die Unsicherheit über die weitere polititsche Entwicklung nach den angekündigten Vergeltungsschlägen der USA ist Gift für die Börse: Immer mehr Experten gehen davon aus, dass das Verbrauchervertrauen in den USA weiter abnehmen und das Land im vierten Quartal in eine Rezession rutschen wird.

Fluggesellschaften weiter unter Druck

Die Aktie der Lufthansa   und des Touristikkonzerns Preussag gehörten zum Auftakt am Dienstag erneut zu den größten Verlierern. Die Touristik-Aktien leidet unter einem befürchteten Rückgang der Reisen in die USA. Hiobsbotschaften bei den Fluggesellschaften häufen sich. KLM Royal Dutch Airlines erwartet einen Gesamtjahresverlust. Auch die belgische Fluggesellschaft Sabena hat Alarm geschlagen. Darüber hinaus will die Fluggesellschaft US Airways 11.000 Stellen streichen. US-Präsident Bush hat Hilfe für die Fluggesellschaften angekündigt.

Massenentlassungen bei Banken?

Nach Informationen der "Welt" steht in den Frankfurter Großbanken ein massiver Stellenabbau bevor, der weit über die bisherigen Pläne hinausgeht. Bei der Dresdner Bank zum Beispiel sollen nach der Übernahme durch die Allianz zusätzlich 1300 Arbeitsplätze bis Ende 2003 gestrichen werden. Die Titel der Allianz   und der Deutsche Bank   starteten leichter.

Oracle bestätigt Prognose, SAP gibt dennoch nach

Der Softwarehersteller Oracle hat seine Prognose für das zweite Quartal 2001/2002 erneut bestätigt, die Aktie verlor gestern weniger als der Gesamtmarkt. Dennoch gab die Walldorfer Softwarefirma SAP   am Dienstag in Frankfurt mehr als fünf Prozent nach.

Dow Jones erlebt größten Tagesverlust in seiner Geschichte

Massive Kursverluste bei Fluglinien, Reiseunternehmen und Versicherungen hatten gestern für den größten Tagesverlust in der Geschichte des Dow Jones gesorgt. Der Index gab am Montag um 7,1 Prozent (684 Punkte) auf 8920 Punkte nach, der Nasdaq Composite verlor 6,8 Prozent auf 1579 Zähler. Fluglinien brachen um bis zu 50 Prozent ein, Rüstungskonzerne wie Lockheed und Raytheon legten zu.

Notenbanken federn Kurssturz ab

Mit einer konzertierten Aktion haben jedoch die Notenbanken die Märkte gestützt: Die US-Notenbank, die EZB sowie die Notenbanken von Kanada, Schweden und der Schweiz senkten jeweils ihre Zinssätze. Zudem kündigten Unternehmen wie Intel  , Pepsico, Compaq und Hewlett Packard   , vom Angebot der Börsenaufsicht Gebrauch zu machen und eigene Aktien zu erleichterten Bedingungen zurückzukaufen.

Das gemeinsame und entschlossene Krisenmanagement führte dazu, dass der breiter gefächerte Index S&P 500 lediglich um 4,9 Prozent auf 1039 Zähler zurückging, deutlich weniger als befürchtet. Der Dax hat zum Beispiel nach dem Attentat und vor Handelsbeginn in den USA zwölf Prozent verloren, der Europe Stoxx 50 knapp neun Prozent. In Europa bestünde demnach trotz der Kursgewinne gestern weiteres Aufholpotenzial, wenn die Angst vor einer Rezession die Kurse in den USA nicht weiter drückt.

Gewinne in Asien

Auch die asiatische Leitbörse in Tokio hat trotz der historischen Baisse der Wall Street mit Kursgewinnen reagiert. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stieg um 1,9 Prozent (175 Punkte) auf 9661 Zähler. Gewinnmitnahmen in der letzten Handelsstunde drückten den Index, der im Handelsverlauf schon 3,9 Prozent zugelegt hatte.

Euro schwächer

Der Euro gab wieder nach. Er wurde am Morgen mit 0,921 Dollar gehandelt, nachdem er am Montag kurzzeitig die 93-Cent-Marke überschritten hatte. Die Europäische Zentralbank und die Fed hatten gestern die Zinsen um jeweils 50 Basispunkte gesekt. Heute werden außerdem die Verbraucherpreise für August in der Euro-Zone bekannt gegeben.