Börse am Morgen: Die Baisse bleibt aus - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Die Baisse bleibt aus

Trotz großer Sorge über den Afghanistan-Konflikt ist der Dax nur knapp unter sein Niveau vom Freitag gerutscht. Vor allem Technologiewerte gewinnen, die T-Aktie aber gehört zu den größten Verlierern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte sind am Montag uneinheitlich in die neue Woche gestartet. Während der Dax bis 9.35 Uhr noch 0,2 Prozent leichter auf 4615 Punkte notierte und damit seine schwächere Tendenz vom Freitag fortsetzte, konnten die Wachstumswerte im Nemax 50 um 1,1 Prozent auf 911 Zähler zulegen.

Bei den Standardwerten gab es nur wenige Gewinner. SAP   standen in der Spitze des Index mit einem Plus von rund 1,80 Prozent auf 133 Euro. Der Softwarekonzern legt am Donnerstag seine Quartalszahlen vor. SAP hatte nach den Terroranschlägen seine Prognosen für das laufende Geschäftsjahr untermauert. Analysten rechnen mit einem deutlichen Gewinnanstieg. Fester notierten auch Siemens   und Infineon   . Die Aktie des Halbleiterherstellers Infineon hatte am Freitag mehr als sieben Prozent nachgegeben.

Bayer   rutschten nach einem positiven Start mit 0,30 Prozent auf 36,74 Euro leicht ins Minus. Vor dem Hintergrund befürchteter neuer Anschläge durch das Taliban-Regime hatte das Papier am Freitag davon profitiert, dass Bayer ein Antibiotikum gegen Milzbrand produziert, das in den USA stark nachgefragt ist. Erst kürzlich hatte der Konzern angekündigt, die Produktion des Antibiotikums deutlich zu steigern.

Commzerbank und Deutsche Telekom im Fokus der Anleger

Die Aktien der Deutsche Telekom   gehörten mit Abschlägen von 1,42 Prozent zu den größten Verlierern im Dax. Die letzten Bastionen der Monopolstellung der Telekom fallen. Bei der lukrativen so genannten "letzten Meile" hatte die Telekom bereits einen empfindlichen Rückschlag hinnehmen müssen. Nach Informationen der Tageszeitung "Die Welt" sollen die Telekomkonkurrenten nun auch das Netz der Telekom zur Durchleitung eigener Telefoneinheiten künftig günstiger nutzen können als bisher.

Die Regulierungsbehörde habe ein neues "Regime" für die Netzzusammenschaltung beschlossen und damit im Wesentlichen den Forderungen der Konkurrenten entsprochen. Im vergangenen Jahr habe die Telekom rund zwei Milliarden Mark mit der Netzzusammenschaltung erwirtschaftet. Details der Tarifstruktur will die Regulierungsbehörde heute Mittag bekannt geben.

Der Aufsichtsrat der Commerzbank   wird heute die angespannte Kostensituation der Bank diskutieren und vermutlich vom Vorstand eingebrachte Sparmaßnahmen auf den Weg bringen. Wie jüngst aus dem Institut verlautete, ist ein Stellenabbau von bis zu zehn Prozent der konzernweit 39.000 Arbeitsplätze eine "denkbare Größenordnung". Die Aktie notierte leicht im Minus.

In der schweren Krise der internationalen Luftfahrt nach den Terroranschlägen in den USA weiten die Fluggesellschaften ihre Sparmaßnahmen aus. Lufthansa   -Chef Weber forderte am Wochenende die Einführung der Vier-Tage-Woche, um Entlassungen zu vermeiden. "Alle Ausgaben werden strengstens überprüft", sagte Weber. Das Papier zeigte sich wenig verändert bei 11,74 Euro.

Der jüngste Aufschwung an den deutschen Aktienmärkten steht nach Ansicht zahlreicher Marktbeobachter auf wackeligen Füßen und sei fundamental kaum zu rechtfertigen. Der Markt bleibe stark schwankungsanfällig, sagen Händler. Wie sensibel die Börsen etwa noch auf politische Nachrichten reagieren hat sich zuletzt am Freitag gezeigt, als die Indizes sowohl in New York als auch in Frankfurt nach neu bekannt gewordenen Milzbrandfällen deutlich nachgaben.

Während der Dow Jones mit 0,7 Prozent im Minus verblieb, schaffte der Nasdaq Composite immerhin noch die Kehrtwende ins Plus. Ein positives Zeichen für den Handel am Montag. Doch die Angst vor neuen Terroranschlägen des afghanischen Taliban-Regimes dürfte sich auch in dieser Woche immer wieder drückend auf die Märkte legen, zumal die amerikanische Regierung die Milzbrandfälle in den USA mittlerweile als terroristische Taten einstuft.

Widersprüchliche Signale aus den USA

Unsicherheit herrscht ebenso über die weitere wirtschaftliche Entwicklung in den USA. Zwar wiesen die zum Wochenschluss veröffentlichten jüngsten Daten zum Verbrauchervertrauen einen überraschenden Anstieg auf. Zugleich aber rutschten die monatlichen Einzelhandelsumsätze so stark wie seit rund zehn Jahren nicht mehr ab.

Klarheit über die weitere Entwicklung könnten die Quartalszahlen der Konzerne IBM, Microsoft, General Motors oder Boeing in dieser Woche bringen. Auch der kanadische Netzwerkausrüster Nortel Networks und der finnische Mobilfunkkonzern Nokia werden ihre Geschäftszahlen vorlegen. Schlechte Nachrichten dürften der jüngsten Risikobereitschaft ein Dämpfer versetzen. Insgesamt legen in dieser Woche 190 börsennotierte US-Unternehmen ihre Geschäftszahlen vor.

Am Neuen Markt legten Helkon Media zunächst rund 16 Prozent auf 2,40 Euro zu. Der Medienkonzern hatte zuvor den Abschluss einer Rahmenvereinbarung zu einer langfristigen Programmkooperation mit dem Fernsehsender RTL2 bekannt gegeben. Bereits die erste Tranche an Lizenzrechten werde sich im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich bewegen, hieß es in einer Pflichtveröffentlichung vor Handelsbeginn.

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Montag schwach geschlossen. Der Nikkei büßte nach der negativen Vorgabe der Wall Street 179,81 Punkte oder 1,7 Prozent auf 10 452,54 Punkte ein.

Der Kurs des Euro hat sich am Montagmorgen stabil über der Marke von 0,91 Dollar gehalten. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde im frühen Handel in Frankfurt mit 0,9126 Dollar notiert. Der Dollar kostete damit 2,1431 Mark. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 0,9040 US-Dollar festgesetzt.

Marktteilnehmer rechneten zum Wochenauftakt mit einem verhaltenen Handel. Wichtige Konjunkturdaten würden erst im Wochenverlauf erwartet, sagte ein Frankfurter Händler. Großer Bedeutung wird auch einer Rede von US-Notenbankchef Alan Greenspan an diesem Mittwoch (17. Oktober) beigemessen. Marktteilnehmer erhoffen sich Hinweise auf mögliche weitere Zinsschritte der Notenbank Federal Reserve.