Börse am Morgen Die Irrfahrt des Dax
Frankfurt am Main - Der Dienstagshandel begann mit hohen Verlusten. Der Dax fiel innerhalb der ersten halben Handelsstunde auf 3269 Punkte, ein Minus von 1,9 Prozent. Damit rutschte der Leitindex auf den tiefsten Stand seit Anfang 1997. Nach zehn Uhr drehte der Index wieder ins Plus und notierte bei 3343 Punkten, ein Mini-Plus von 0,3 Prozent.
IWF senkt Prognosen
Der Internationale Währungsfonds (IWF) trübte die Stimmung mit pessimistischen Prognosen weiter ein: Die Einbrüche an den Aktienmärkten, die Finanzskandale und der Vertrauensschwund von Verbrauchern und Unternehmern dämpfe die Wachstumsaussichten in den USA, kündigte der IWF in Washington an.
"Die Negativrisiken im Hinblick auf Verbraucherausgaben und Unternehmensinvestitionen sind gewachsen", stellte der IWF in seinem jährlichen Bericht zur US-Wirtschaft fest. "Es ist deshalb wahrscheinlich, dass die Wachstumsprognose im bevorstehenden Weltwirtschaftsbericht nach unten korrigiert wird." Im April war der IWF von einem Wachstum von 2,3 Prozent in diesem und 3,4 Prozent im nächsten Jahr ausgegangen. Der nächste Weltwirtschaftsbericht wird Ende September veröffentlicht.
Die Finanzskandale um den Energiekonzern Enron und das Telekomunternehmen Worldcom hätten die Aktien- und Finanzmärkte erheblich erschüttert. Der Exekutivausschuss, das politische Leitungsgremium zwischen den IWF-Gouverneurstagungen, äußerte Sorge, dass "die jüngste Unternehmerpleiten und Buchführungsschwindel das Vertrauen des Unternehmenssektors offenbar erheblich untergraben haben". Der IWF geht dennoch davon aus, dass die US-Wirtschaft auf Wachstumskurs bleibt. Einige Mitglieder des Exekutivausschusses legten der US-Notenbank (Fed) eine weitere Zinssenkung nahe, sollten Verbraucher- und Unternehmervertrauen weiter einbrechen. Der Satz für Tagesgeld liegt seit Ende vergangenen Jahres auf einem 40-Jahrestief von 1,75 Prozent. Die Fed tritt nächste Woche Dienstag wieder zusammen.
BMW verbreitet Optimismus
Die Aktie von BMW konnte sich dem Abwärtssog nicht entziehen und fiel um 0,5 Prozent auf 36,60 Euro. Konzernchef Helmut Panke rechnet trotz der Konjunkturschwäche in den USA und Europa für dieses Jahr mit höheren Absatzzahlen. Der BMW-Vorstandvorsitzende gab sich in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" für den weiteren Jahresverlauf optimistisch. Die Marke BMW, ohne Mini, habe in diesem Jahr weltweit bisher um 4,5 Prozent und in den USA um acht Prozent zugelegt, berichtete die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe. BMW werde mehr als eine Million Autos im laufenden Jahr verkaufen.
Panke erwartet nach Angaben der Zeitung einen höheren Absatz und bessere Zahlen auf der Finanzseite. BMW rechnet in diesem Jahr mit einem US-Absatzanstieg von acht Prozent, plus oder minus ein bis zwei Prozent, erklärte der amerikanischen BMW-Chef Tom Purves. Die US-Baisse habe einigen Einfluss auf die Nachfrage. Purves gab sich trotzdem optimistisch, da sich Luxusmodelle eher nach dem Immobilien-Markt richteten.
Zahlen bei der Commerzbank durchgesickert
Die Commerzbank-Aktie verlor um 0,9 Prozent auf 9,80 Euro, nachdem Teile der für Donnerstag zur Veröffentlichung anstehenden Quartalszahlen vorab bekannt wurden. Danach soll die Frankfurter Finanzgruppe in der Zeit von April bis Juni einen Vorsteuergewinn von 25 Millionen Euro erzielt haben. Im Vorjahr war vor Steuern ein Quartalsergebnis von 197 Millionen Euro eingefahren worden. Ein Frankfurter Händler nannte die Kennzahl 25 Millionen Euro nicht schlecht, aber genau werde sich dies an der Frage entscheiden, wie das Ergebnis zustande komme.
Der weltweit größte Chemiekonzern BASF hat seinen Gewinn im zweiten Quartal merklich erhöht. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" gibt das Ludwigshafener Unternehmen am Donnerstag ein Betriebsergebnis vor Sonderposten um die 800 Millionen Euro bekannt. Im zweiten Quartal 2001 hatte BASF bei einem Umsatz von 8,33 Milliarden Euro ein Ergebnis von 751 Millionen Euro erwirtschaftet. Das BASF-Geschäft im Juni habe den positiven Trend der vergangenen Monate bestätigt, hieß es. Die Aktie reagierte auf die Nachricht mit einem leichten Plus von 0,2 Prozent auf 37,49 Euro.
Größter Verlierer war wieder einmal die Aktie von Fresenius Medical Care , die sich um über vier Prozent auf 26,10 Euro verbilligte. Der Dialyse-Spezialist hat in der vergangenen Woche seine Prognosen revidiert. Für 2002 werde nunmehr von einem Ergebnis nach Steuern von rund 300 Millionen Dollar ausgegangen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Zuvor waren 350 Millionen Dollar erwartet worden. Seitdem hat die Aktie massiv verloren.
Gewinneinbruch bei Qiagen
Die Qiagen-Aktie verlor nach Vorlage der Quartalszahlen rund 2,8 Prozent auf 6,25 Euro. Das niederländische Biotechunternehmen hat im zweiten Quartal 2002 angesichts von Ausgabenkürzungen bei den Industriekunden in der US-Pharmabranche weniger verdient als ein Jahr zuvor, lag mit seinen Zahlen aber im Rahmen der Analystenerwartungen. Der Gewinn je Aktie sei bereinigt um Einmalkosten für den Kauf der GenoVision AS und um ein außerordentliches Finanzergebnis im Vergleichsquartal auf fünf Cent gesunken von sieben Cent im Vorjahreszeitraum, teilte das auch am Neuen Markt gelistete Unternehmen nach US-Börsenschluss mit.
Schwache Konjunkturdaten drücken die Wall Street
In den USA bauten die Börsen im späten Handel ihre Verluste aus. Der Dow Jones schloss auf 8043 Zählern, ein Minus von 3,2 Prozent. Der Nasdaq rutschte um 3,4 Prozent auf 1206 Punkte. Händler begründeten die Schwäche mit Konjunktursorgen der Anleger und fallenden Finanz- und Pharmawerten. "Angesichts der sich abschwächenden wirtschaftlichen Erholung machen sich alle Sorgen darüber, wie es am Aktienmarkt weitergeht", sagte Scott Schermerhorn, ein Fondsmanager bei FleetBoston Financial.
Das Institut für Angebots-Management, früher als Verband der Chefeinkäufer bekannt, hatte im Handelsverlauf mitgeteilt, dass der Index im nicht-verarbeitenden Gewerbe im Juli mit 53,1 unter den Erwartungen ausgefallen sei. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf nicht mehr als 57 gerechnet. Schon vergangene Woche hatten die Arbeitsmarktzahlen für Juli eine konjunkturelle Abschwächung angedeutet.
Wall Street belastet den Nikkei
Die Aktienbörse in Tokio hat am Dienstag nach der negativen Vorgabe der Wall Street vom Vortag mit deutlichen Verlusten geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte sackte um 203,91 Punkte oder 2,1 Prozent ab und endete beim Stand von 9501 Punkten. Der breit angelegte Topix gab um 15,94 Punkte oder 1,7 Prozent nach und beendete das Geschäft beim Stand von 939,42 Zählern.
Euro fällt unter die Marke von 98 US-Cent
Sorgen über die Konjunkturaussichten in Europa haben den Euro deutlich unter die Marke von 0,98 Dollar gedrückt. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 9.10 Uhr 0,9746 Dollar. Am Montag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch bei 0,9836 festgelegt. Ein Dollar kostete damit 1,0167 (Freitag: 1,0129) Euro.
Der Kursrückgang ist nach Ansicht von Volkswirt Lothar Hessler von HSBC Trinkaus & Burkhardt auf die unsicheren Konjunkturaussichten in Deutschland und den anderen großen Volkswirtschaften Europas zurückzuführen. Der schwache Wirtschaftsaufschwung in den USA dämpfe auch die Aussichten auf dem alten Kontinent. Einen Beleg dafür könnten an diesem Mittwoch die deutschen Zahlen zum Arbeitsmarkt und zum Auftragseingang in der Industrie liefern.
Trotz des deutlichen Kursverlustes sieht Hessler die Aufwärtsbewegung des Euro nicht gebrochen. "Wir sehen den Euro weiter kurzfristig in einem Bereich von 0,97 bis 1,02 Dollar", sagte Hessler.