Börse am Morgen: Die Party geht weiter - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Die Party geht weiter

Die deutschen Aktienmärkte starten fest in den Tag. Siemens rechnet im kommenden Jahr mit einer deutlichen Ergebnissteigerung und gehört erneut zu den Gewinnern. Bei der Lufthansa vermuten Marktbeobachter eine versteckte Kapitalerhöhung, die Aktie gibt nach.
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Hamburg - Trotz der Rallye am Vortag haben die deutschen Aktienmärkte angesichts der guten Vorgaben aus den USA fest eröffnet, gaben dann aber leicht nach. Die Kurssteigerung halten sich in Grenzen, doch sind erneut Technologietitel unter den Gewinnern zu finden. Der Dax notierte gegen 10 Uhr mit gut einem Prozent im Plus auf 5326 Zählern. Die Wachstumswerte im Nemax 50 standen mit 2,5 Prozent im grünen Bereich bei 1360 Punkten. Händler und Analysten zeigten sich optimistisch, dass die Aktienmärkte im Dezember noch eine Jahresendrallye erleben werden. Sie prognostizieren den Dax zu Silvester auf 5500 bis 6000 Punkte.

Infineon   , die in den vergangen beiden Handelstagen rund 25 Prozent zugelegt haben, standen mit 0,90 Prozent auf 28,49 Euro im Plus. Auch SAP   stiegen um rund ein Prozent auf 157,51 euro. Epcos   kletterte leicht um 0,20 Prozent auf 58,40 Euro.

Die Aktien von Siemens   legten gegenüber dem Vortag ein weiteres Prozent auf 74,45 Euro zu. Der Technologiekonzern rechnet nach dem Gewinneinbruch im Geschäftsjahr 2000/2001 (30. September) 2002 wieder mit einer deutlichen Ergebnisbesserung. Exakte Prognosen sind jedoch wegen der unsicheren konjunkturellen Lage zu diesem Zeitpunkt nicht möglich, sagte Vorstandsvorsitzender Heinrich von Pierer am Donnerstag in München. Er bekräftigte zudem, dass die Zielrenditen im Bereich Information & Kommunikation (IC) nicht wie geplant 2003 erreicht werden. Auf Grund der starken Marktveränderungen soll dem Arbeitsgebiet nun ein Jahr mehr Zeit gegeben werden, um die operative Margen im Rahmen der Operation 2003 zu erreichen.

Die Deutsche Lufthansa   wird eine Wandelanleihe mit einem Volumen von 500 Millionen Euro begeben. Dadurch sollten kurzfristige Verbindlichkeiten refinanziert werden, teilte die Fluggesellschaft am Donnerstag Morgen mit. Die Wandelschuldverschreibung laufe über zehn Jahre. Das riecht nach einer versteckten Kapitalerhöhung und wird von Investoren nicht gern gesehen. Die Aktie verliert zu Handelsbeginn mehr als rund zwei Prozent auf 15,91 Euro und ist damit schwächster Wert im Dax. Das Bezugsrecht für Altaktionäre werde nach einem entsprechenden Beschluss des Aufsichtsrats ausgeschlossen. Weitere Einzelheiten will Lufthansa im Laufe des Tages bekannt geben.

Der Bayer   -Aufsichtsrat wird heute über Vorschläge des Vorstands zum Konzern-Umbau beraten. In Branchenkreisen wird erwartet, dass das Kontrollgremium grünes Licht geben wird für die Bildung einer so genannten Holding-Struktur. Danach würden in allen Kerngeschäften selbstständige Tochterfirmen mit eigenen Vorständen geschaffen. Das würde sowohl den Verkauf von Unternehmensteilen wie auch Börsengänge erleichtern. Bayer hatte im Herbst angekündigt, die Sparten Gesundheit und Pflanzenschutz auszugliedern. Die Aktie stieg zunächst mit rund zwei Prozent auf 37,31 Euro.

Im Nemax 50 erholten sich ConSors   von ihren Vortagesverlusten und stiegen um 2,73 Prozent auf 9,80 Euro. Der Vorstandsvorsitzende des Online Brokers, Karl Matthäus Schmidt habe vom neuen Chef der Schmidt Bank, Paul Wieandt, die Zusicherung erhalten, dass ConSors nur als Ganzes verkauft werde. Das sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Allerdings seien die Verkaufsgespräche unterbrochen, die aber nun wieder aufgenommen werden sollen. Als Interessenten für ConSors würden derzeit die Postbank und der französische Online Broker Fimatex gehandelt. Ein Verkauf sei bis Ende Dezember nicht auszuschließen, hieß es weiter.

Die übrigen Online Broker entwickelten sich am Morgen unterschiedlich. Bei comdirect   scheinen die Anleger nach wie vor den Kundenzulauf zu honorieren. Comdirect habe in den zwei Wochen seit dem 16. November 1500 neue Kunden gewonnen, erklärte ein Unternehmenssprecher. Die Aktie gewann 3,72 Prozent auf 12,81 Euro, während die DAB Bank   0,52 Prozent auf 15,23 Euro einbüßte.

Bei World of Medicine lief der Absatz von Produkten für die Minimal Invasive Chirurgie schlechter als erwartet. Deshalb hagelte es am Morgen eine Gewinn- und Umsatzwarnung für 2001. Das Unternehmen werde einen Umsatz von etwa 30 Millionen Euro erwirtschaften nach bisher geplanten 33,6. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde um die Hälfte auf eine Million Euro einbrechen. Wie bisher rechnet das Unternehmen für 2002 mit einer Umsatzsteigerung von mindestens 35 Prozent und einer Ebit-Marge von mindestens zehn Prozent. Die Aktie brach um 17,30 Prozent ein und kostete noch 7,61 Euro.

Börsenausblick: Kein Platz für Pessimisten

Schluss mit dem Genörgel und Trübsal. Die Bullen sind zurück. Und glaubt man den euphorisch gestimmten Experten, werden sie noch einige Zeit rumtoben an den Aktienmärkten. Für Pessimisten ist kein Platz: Die letzten Fonds springen auf den fahrenden Börsenzug, die letzten Banken geben ihre zweifelnde Haltung auf und erhöhen ihren Aktienanteil.

Für die allseits kolportierte Jahresendrallye spreche nach Ansicht von Marktbeobachtern auch, dass institutionelle Anleger zum Jahresende Aktien zukaufen werden, um ihre Performance noch ein wenig aufzupolieren. Schließlich haben die Investoren vorerst auch nichts zu verlieren: Die Ertragssaison ist gelaufen, die nächste Welle der Gewinnwarnungen wird bis Anfang kommenden Jahres auf sich warten lassen.

Zudem mehren sich in den USA die Stimmen, die eine schnellere Erholung der Wirtschaft erwarten und wie zum Beispiel Salomon Smith Barney gestern ihre Prognosen für die durchschnittlichen Unternehmensgewinne der US-Konzerne angehoben haben. Mittlerweile sehen Analysten den Dax zu Silvester bei einem Stand zwischen 5500 und 6000 Punkten.

Sozusagen einen Tag zu früh hat der Nikolaus den Investoren den Stiefel mit Hightech-Überraschungen gestopft und damit die gestrige Kursrallye an den internationalen Aktienmärkten erst ausgelöst. Für eine weitere Überraschung könnte heute der weltgrößte Chipkonzern Intel   sorgen, der nach Börsenschluss in den USA einen Ausblick auf das vierte Quartal abgibt. In Deutschland erwarten heute die Investoren mit Spannung die Siemens   -Prognose für das laufende Geschäftsjahr.

Bei einigen Dax-Tech-Titeln kann es heute vermutlich zu leichten Gewinnmitnahmen kommen. Die Vorgaben für den Handelstag in Deutschland sind trotz der Rallye am Vortag aber nicht schlecht. So legte die US-Börsen nach Handelsschluss in Deutschland noch zu. Der Dow Jones schloss mit einem Plus von 2,2 Prozent auf 10.114 Punkten. Die Technologiebörse Nasdaq hatte zum ersten Mal seit fünf Monaten die Marke von 2000 Punkten übersprungen und beendete den Handel bei 2046 Zählern: ein Plus von 4,6 Prozent.

EZB: Keine Zinssenkung erwartet

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird heute voraussichtlich keinen Zinsschritt nach unten beschließen. Die deutsche Kreditwirtschaft rechnet damit, dass die EZB den zentralen Leitzins eine Weile bei 3,25 Prozent belässt.

Vor allem in den USA gebe es erste Anzeichen, dass der wirtschaftliche Abschwung zu Ende geht, heißt es zur Begründung am Finanzplatz Frankfurt. Erst im nächsten Jahr wird eine Senkung auf 3,0 Prozent erwartet.

Für den frühen Nachmittag werden weitere US-Konjunkturdaten erwartet. Zur Veröffentlichung stehen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe für die Woche zum 1. Dezember an. Es gibt die revidierten Produktivitätszahlen für das dritte Quartal. Und schließlich wird über die US-Industrieaufträge im Monat Oktober berichtet.

Nikkei testet 11.000-Punkte-Marke

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Donnerstag fest geschlossen. Der Nikkei ging nach der positiven Vorgabe der Wall Street mit einem Gewinn von 143 Punkten oder 1,3 Prozent beim Stand von 10.857 Punkten aus dem Markt. Zwischenzeitlich hatte das fernöstliche Kursbarometer sogar die psychologisch wichtige Kursmarke von 11.000 Punkten getestet.

Die Aktien des Baukonzerns Aoki stürzten zuvor ab, nachdem das Unternehmen angesichts eines milliardenschweren Schuldenberges vor einem Tokioter Gericht am Donnerstag Gläubigerschutz beantragt hatte.