Börse am Morgen: Die Post geht ab - nach unten - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Die Post geht ab - nach unten

Gute Vorgaben aus New York haben nicht geholfen, die deutschen Aktienmärkte notieren leichter. Autowerte stehen aber fest im Plus. Die Deutsche Post kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus, das Papier gibt nach.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Trotz der guten Vorgaben der Wall Street sind die deutschen Aktienmärkte mit angezogener Handbremse in den Handelstag gestartet. Der Dax fiel bis 9.35 Uhr mit 0,3 Prozent auf 5093 Zähler ins Minus. Die Wachstumswerte im Nemax 50 notierten ein halbes Prozent leichter auf 1150 Punkte.

Die Deutsche Post   kommt nicht aus den Negativschlagzeilen. Der Konzern soll nach einem Bericht der "Bild" Mehrwertsteuer von Kunden kassiert haben, von der das Unternehmen befreit war. Die Aktie rutschte zunächst 1,15 Prozent auf 14,74 Euro ab.

Die Zeitung berichtet heute unter Berufung auf den Bundesrechnungshof (BRH), die Post habe auf diesem Wege bis zu 23 Millionen Euro pro Monat eingenommen. Die Post solle Geschäftskunden die Mehrwertsteuer in Rechnung gestellt haben, obwohl es durch Finanzminister Hans Eichel (SPD) vor dem Börsengang durch eine Sonderregelung von der Mehrwertsteuer in bestimmten Bereichen befreit worden sei.

Nach der Kursrallye am Vortag (plus fünf Prozent) gaben die Aktien von Infineon   zunächst ein halbes Prozent auf 24,90 Euro ab. Der südkoreanische Hynix Semiconductor soll Gläubigern zufolge den Gesprächen mit der US-Firma Micron Technology Vorrang gegenüber Verhandlungen mit Infineon eingeräumt habe. "Es ist immer noch nicht klar, was da passieren wird", sagte ein Frankfurter Händler.

Der Spezialchemiekonzern Degussa sieht sich für ein mögliches Zusammengehen mit Konkurrenten gut gerüstet. "Ich schließe eine Teilnahme der Degussa an einer weiteren Konsolidierung in der Branche nicht aus", sagte Vorstandschef Utz-Hellmuth Felcht in einem Interview mit dem "Handelsblatt" (Freitagausgabe). Er bekräftigte Gespräch auch ein Interesse an der Bayer-Tochter Haarmann & Reimer. Die Börse setzte die Nachricht mit einem Kursminus von 1,46 Prozent auf 32,45 Euro um. Das Papier war damit schwächster Wert im Dax.

Autowerte im Dax gehörten bei moderaten Kursaufschlägen zu den Spitzenwerten im Dax. Nach Spekulationen, die Deutsche Bank werde Anteile von DaimlerChrysler   verkaufen war das Papier am Vortag unter Druck geraten und machte heute Vormittag wieder Boden gut. Die Aktie verteuerte sich um 1,13 Prozent auf 47,48 Euro. Auch Volkswagen   und BMW   notierten fest.

Am Neuen Markt zeigten sich die Investoren trotz der guten Vorgaben der Nasdaq eher lustlos zu Handelsbeginn. "Es ist Freitag und deshalb sind wohl keine großen Kurssprünge zu erwarten", erklärte ein Händler einer Privatbank. Eher würden im Tagesverlauf die "Gewinne der vergangenen Woche glattgestellt", hieß es.

Die Aktien der im Nemax 50 notierten United Internet   legten rund 2,60 Prozent auf 5,88 Euro zulegen. Die Internet-Holding erhält aus dem Verkauf eines Aktienpakets der börsennotierten AdLINK AG 35,5 Millionen Euro. Käufer ist der amerikanische Werbevermarkter DoubleClick.

Wall Street schloss fest im Plus

Der schwache Start der deutschen Aktien hat angesichts der guten Vorgaben aus New York ein wenig enttäuscht. Denn nach Börsenschluss in Frankfurt hatten die US-Börsen noch zugelegt. Der Dow Jones schloss mit einem Plus von 1,6 Prozent auf 9920 Zähler. Die Nasdaq kletterte um 1,1 Prozent auf 1934 Zähler vor. Die US-Börsen verzeichneten damit den stärksten Anstieg seit zwei Wochen.

Den deutlichen Anstieg der Kurse vor allem zur späteren Stunde begründeten Händler unter anderem damit, dass die US-Notenbank in einem erst am späten Abend bekannt gewordenen Sitzungsprotokoll sich positiv zur Wirtschaftsentwicklung in den USA geäußert habe. Überdies sützten positive Nachrichten des US-Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble (P&G) stützten die Hoffnung auf eine Trendwende der US-Konjunktur.

Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble kletterten 4,3 Prozent auf 81,68 Dollar. Das Unternehmen hatte zuvor mitgeteilt, im abgelaufenen Quartal sei erstmals seit einem Jahr der Umsatz wieder gestiegen. Zudem sei vor Restrukturierungsaufwendungen sechs Prozent mehr verdient worden als im Vorjahreszeitraum.

Nachbörslich berichtete der Medienkonzern Walt Disney zwar von rückläufigen Umsätzen und Gewinnen, doch lagen die Zahlen deutlich über den Erwartungen der Analysten. Deshalb sollten Börsianer heute auch einen Blick auf die Entwicklung von Medienaktien in Deutschland werfen. Disney berichtete für das erste Quartal von einem Gewinn von 15 Cent je Aktie, Analysten hatten im Schnitt lediglich zehn Cent erwartet. Die Umsätze lagen mit sieben Milliarden Dollar ebenfall über den Erwartungen (6,6 Milliarden Dollar).

Die Titel des Chipkonzerns Intel gewannen rund 3,5 Prozent auf 35,04 Dollar und profitierte dabei von einer Kaufempfehlung durch Merrill Lynch. Die Titel des Softwareherstellers Oracle legten um 3,85 Prozent auf 17,26 Dollar zu. Auch hier trieb eine Kaufempfehlung die Aktie. Zu den Gewinnern zählten ebenso Aktien von Computerherstellern wie Apple und Dell: Dies lässt heute auch für die Technologiewerte in Deutschland hoffen.

Die Aktienbörse in Tokio hat am Freitag starke Verluste verbucht. Der Nikkei sackte um 206,37 Punkte oder 2,06 Prozent ab und ging beim Stand von 9791 Punkten ins Wochenende.

Euro unter Druck

Der Kurs des Euro ist am Freitag gefallen. Gegen 8.00 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung in Frankfurt 0,8582 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag bei 0,8637 (Mittwoch: 0,8642) US- Dollar festgesetzt.

Die sich abzeichnende Erholung der US-Wirtschaft habe den Euro unter Druck gebracht, sagten Händler in Tokio. Die Kursverluste dürften auch in den kommenden Tagen anhalten, hieß es.