Börse am Morgen: Die Stimmung hellt sich auf - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Die Stimmung hellt sich auf

Die deutschen Aktienmärkte sind uneinheitlich in den Handel gestartet. Börsianer erwarten vorerst keine drastischen Kurseinbrüche mehr. Unterdessen hat US-Präsident Bush verschärfte Gesetze zur Verhinderung von Finanzskandale angekündigt.
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Frankfurt am Main - Der Dax hat nach einer unentschlossenen Eröffnung im frühen Handel bereits deutlich zugelegt und kletterte bis 9.30 Uhr um 0,6 Prozent auf 4468 Punkte. Leicht schwächer präsentierten sich die Nebenwerte: Der MDax verlor rund 0,1 Prozent auf 3907 Zähler. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 auf 578 Punkten, ein Minus von 0,2 Prozent.

"Die Stimmung ist positiv, denn an der Börse glaubt im Moment niemand, dass es im Dax weiter abwärts in Richtung auf 4000 Punkte geht", sagte ein Wertpapierhändler in Frankfurt. Lediglich die Technologiewerte würden weiterhin spürbar durch Gewinnmitnahmen belastet.

Kursbeeinflussende Unternehmensnachrichten gab es kaum. Das Marktgeschehen war vornehmlich von technischen Reaktionen geprägt, sagten Börsianer. Anleger warteten auf eine Grundsatzrede des US-Präsidenten George W. Bush. Bereits am Montagabend hatte Bush harte Gesetze zur Verhinderung künftiger Finanzskandale in amerikanischen Unternehmen angekündigt und sich gleichzeitig hinter den Chef der US-Börsenaufsicht SEC, Harvey Pitt, gestellt. Pitt mache seinen Job gut und habe rasch auf die jüngsten Buchungsunregelmäßigkeiten reagiert, sagte Bush. Mehrere prominente Politiker hatten zuvor den Rücktritt des SEC-Chefs gefordert.

Bush betonte, das erschütterte Vertrauen von Verbrauchern und Investoren in US-Unternehmensführungen müsse wieder hergestellt werden. Einzelheiten will Bush heute in New York bekannt geben. Vorwürfe, dass er selber Anfang der 90er Jahre als Unternehmer möglicherweise von Insiderwissen profitiert und den Aufsichtsbehörden verspätet Verkaufsdokumente vorgelegt habe, wies der Präsident erneut zurück. Die Vorgänge um die Firma Harken Energy seien alle untersucht und klar gestellt worden, versicherte Bush.

Techwerte deutlich unter Druck

Die größten Kursabschläge mussten die Technologietitel hinnehmen. Die Aktien von SAP   (minus 2,5 Prozent auf 92,80 Euro), Epcos   (minus 2,1 Prozent auf 31,01 Euro), Siemens   (minus 1,9 Prozent auf 61,29 Euro) und Infineon   (minus ein Prozent auf 16,68 Euro) führten geschlossen die Verliererliste an. Siemens litt unter einer Herabstufung von Lehman Brothers. Die Investmentbank hat das Kursziel der Siemens-Aktie von 60 auf 50 Euro gesenkt, sagten Händler in Frankfurt.

Deutsche Telekom forciert Schuldenabbau

Die T-Aktie notierte nur leicht schwächer auf 10,57 Euro. Die Deutsche Telekom   prüft einem Zeitungsbericht zufolge den Verkauf von Teilen ihrer Informationstechnologie -Sparte (IT) T-Systems. Vorderstes Ziel sei dabei der Schuldenabbau, berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Unternehmenskreise. "Es gibt keine Tabus. Es gibt auch Szenarien, die den Verkauf von Einheiten der IT-Sparte einschließen", heiße es in den Kreisen. Es könnten zum Beispiel Rechenzentren oder ähnliche Teile verkauft werden, schreibt das Blatt weiter. Den Erlös aus dem Verkauf könne das größte europäische Telefonunternehmen zum Abbau seiner Schulden von 67,2 Milliarden Euro nutzen. Eine aus den Verkäufen zu erzielende Summe sei nicht genannt worden. Ein Telekom-Sprecher habe dazu keinen Kommentar abgegeben.

Größter Gewinner im frühen Handel war die Deutsche Post  . Die 'Aktie Gelb' kletterte um 2,7 Prozent auf 13,68 Euro. Auch HypoVereinsbank   und TUI   präsentierten sich fester. Die Aktie von Fresenius Medical Care  , noch am Vortag mit fünf Prozent der größte Verlierer, erholte sich leicht um 0,8 Prozent auf 50,97 Euro.

ProSiebenSat.1-Hauptversammlung im Zeichen der Kirch-Pleite

Am Tag der Hauptversammlung verteuerten sich die Anteilsscheine von ProSiebenSat.1   um 1,1 Prozent auf 9,48 Euro. Die Kirch-Pleite dürfte auf der heutigen HV des TV-Konzerns dominierendes Thema sein. Nach der Insolvenz der Muttergesellschaft KirchMedia wird ProSiebenSat.1 wohl einen neuen Mehrheitsgesellschafter bekommen. An einem Einstieg sind zahlreiche Medienkonzerne und Finanzinvestoren aus aller Welt interessiert. Das im MDax notierte Unternehmen leidet derzeit wie die gesamte Branche unter der Werbeflaute. Im ersten Quartal brach das Ergebnis vor Steuern von 28,6 auf 8,5 Millionen ein. Der Umsatz sank um fünf Prozent auf 489,3 Millionen Euro.

Der Dow Jones war am Montag um 1,1 Prozent auf 9274 Punkte gefallen, der Nasdaq schloss drei Prozent im Minus bei 1405 Zählern. Fortgesetzte Spekulationen über milliardenschwere Bilanztricks beim US-Pharmariesen Merck & Co.   und enttäuschend ausgefallene Geschäftszahlen des weltgrößten Aluminiumherstellers Alcoa   hatten für Kursverluste gesorgt, sagten Händler.

Tokios Börse schließt fest

Tokios Aktienbörse hat am Dienstag fest geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stieg deutlich um 191,05 Punkte oder 1,8 Prozent und ging beim Stand von 10.960 Punkten aus dem Handel. Der breit angelegte Topix verbesserte sich um 16,15 Punkte oder 1,6 Prozent auf 1050 Zähler.

Euro nähert sich der Marke von 99 Cent

Der Kurs des Euro hat sich im frühen Handel am Dienstag der Marke von 0,99 Dollar genähert. Gegen 9.10 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung 0,9895 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag bei 0,9828 (Freitag: 0,9725) Dollar festgesetzt.