Börse am Morgen: Ein Freitag zum Vergessen - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Ein Freitag zum Vergessen

Schwache Unternehmenszahlen aus den USA lasten auf den deutschen Aktienmärkten. Die Technologiewerte gehören wieder zu den größten Verlierern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main – Der Dax fiel gleich nach Handelsbeginn in den roten Bereich, konnte seine Verluste bis 9.40 Uhr aber auf minus 0,1 Prozent bei 5256 Punkten begrenzen. Am Neuen Markt verlor der Nemax 50 rund 0,7 Prozent auf 926 Zähler.

Für Gesprächsstoff auf dem Parkett sorgt die Interpretation der wichtigsten US-Quartalszahlen. Für den Frankfurter Aktienmarkt stehen zum Wochenausklang nur wenige Termine an. Lediglich die Allianz   könnte noch einmal in den Blickpunkt rücken. Die Münchner veranstalten heute eine Analystenkonferenz, nachdem gestern auf der Bilanz-Pressekonferenz der Geschäftsbericht vorgestellt wurde. Die Aktie erholte sich im frühen Handel von den Verlusten des Vortages und stieg um 0,4 Prozent auf 273,69 Euro.

Unter Druck gerieten die Technologiewerte: Aus der Flut der Quartalszahlen der US-Unternehmen ragten die enttäuschenden Ergebnisse Microsoft   heraus. Das weltweite größte Softwareunternehmen verfehlte nicht nur die Prognosen, sondern Finanzvorstand John Connors senkte zudem die Zukunftserwartungen. Klartext über Hard-, Software und IT-Investitionen redete EMC-Finanzvorstand Bill Teuber: Die Wirtschaft befinde sich zwar "in einem frühen Stadium der Erholung". Dies habe sich aber noch nicht auf den IT-Investitionsaufwand der Unternehmen ausgewirkt. Tucci sagte dazu: "Zu viel Kapazität jagt zu wenigen Deals hinterher." Der Hersteller von Massenspeichern für Computer hatte im abgelaufenen Quartal einen Ergebnis-Einbruch hingenommen.

Größter Verlierer im Dax war die SAP-Aktie  , die 1,6 Prozent auf 153,40 Euro verlor. Belastend wirkten sich negative Analystenkommentare auf die Softwareschmiede aus. So soll das Investmenthaus Morgan Stanley das Kursziel von 180 Euro auf 172 Euro gesenkt haben. Auch Goldman Sachs hat Börsianern zufolge seine Prognosen gekürzt.

Ebenfalls schwach präsentierten sich auf Siemens   und Epcos   . Leicht im Plus notierten die Titel von Infineon   .

Größter Gewinner am Morgen war das Papier von Metro   . Mit einem Plus von 0,8 Prozent führte der Einzelhandelskonzern die Dax-Gewinnerliste an.

Gefragt waren die Aktien der Münchner Rück   . Der Rückversicherer verhandelt Zeitungsberichten zufolge offenbar wegen der Übernahme eines Pakets am fünftgrößten italienischen Versicherer La Fondiaria. Die Papiere verteuerten sich um 0,4 Prozent auf 288,00 Euro.

Schwache Geschäftszahlen drücken die Wall Street

Schwache Unternehmensmeldungen drücken die Wall Street

Der Dow Jones fiel am Donnerstag um 0,2 Prozent auf 10.205 Punkte. Mit einem Abschlag von 0,5 Prozent auf 1802 Zähler ging die Nasdaq aus dem Handel. Eine Flut von Unternehmensmeldungen hielt die Anleger in Atem. Zusätzlich belastete der Absturz eines Kleinflugzeuges in das Pirelli-Hochhaus in Mailand kurzfristig die Märkte. Spekulationen, dass es sich bei dem Vorfall um einen Anschlag handeln könnte, bestätigten sich am Abend nicht - die Indizes erholten sich weltweit von ihren Tiefständen.

Aktien des weltgrößten Handyherstellers Nokia sackten um über zwölf Prozent auf 18,10 Dollar. Der Konzern hatte eine überraschend pessimistische Prognose veröffentlicht. Auch die Titel des Konkurrenten Motorola fielen deutlich.

Microsoft enttäuscht

Microsoft   hatte am Donnerstagabend enttäuschende Zahlen und einen schwachen Geschäftsausblick präsentiert. Im nachbörslichen Handel gaben die Titel darauf stark nach. Der Überschuss stieg auf 2,738 Milliarden Dollar bzw. 49 Cent je Aktie. Nach einer Umfrage von Thomson Financial/First Call hatten Analysten im Durchschnitt mit einem Ergebnis von 51 Cent je Anteilschein gerechnet. Im gleichen Vorjahreszeitraum hatte Microsoft einen Überschuss von 2,45 Milliarden Dollar bzw. 44 Cent je Aktie erzielt. Der Umsatz stieg um 13 Prozent von 6,4 Milliarden auf 7,25 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt 7,3 Milliarden Dollar erwartet.

Der US-Computerkonzern Compaq, der sich vor einer möglichen baldigen Übernahme durch den US-Computerriesen Hewlett-Packard für fast 20 Milliarden Dollar befindet, hat im ersten Quartal 2002 einen kräftigen Umsatzrückgang und einen leichten Gewinn verbucht. Der Quartalsumsatz des großen PC- und Serverherstellers fiel gegenüber der Vorjahresvergleichszeit um 16 Prozent auf 7,7 Milliarden Dollar. Compaq verbuchte einen Gewinn von 44 Millionen Dollar oder drei Prozent gegenüber roten Zahlen von 131 Millionen Dollar oder acht Cent je Aktie in den ersten drei Monaten 2001.

Ebay übertrifft Experten-Erwartungen

Das Internet-Handelshaus Ebay hat im ersten Quartal beim Gewinn je Aktie Analysten-Prognosen übertroffen und beim Umsatz die Erwartungen der Experten erfüllt. Für das Gesamtjahr 2002 erhöhte das US-Unternehmen seine Schätzungen für das Ergebnis je Aktie, wie Ebay am Donnerstag nach Börsenschluss im kalifornischen San Jose mitteilte.

Im ersten Quartal erwirtschaftete das US-Unternehmen einen Gewinn je Aktie von 0,17 Dollar und damit mehr als doppelt so viel wie in den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres (0,08 USD je Aktie). Von First Call/Thomson Financial befragte Analysten hatten Schnitt mit 0,16 Dollar vorhergesagt.

Der amerikanische Computer-Anbieter Sun Microsystems hat im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2001/2002 einen leichten Verlust von 37 Millionen Dollar oder einem Cent je Aktie verbucht. Sun hatte in den ersten drei Monaten des Vorjahres 136 Millionen Dollar oder vier Cent je Aktie verdient. Der Umsatz fiel in dem am 31. März beendeten Quartalsabschnitt auf 3,1 (Vorjahresvergleichszeit: 4,1) Milliarden Dollar.

Der US-Hersteller von Personalcomputer Gateway hat angesichts eines erneuten massiven Absatzeinbruchs in den USA im ersten Quartal 2002 einen Umsatzrückgang von 51 Prozent verbucht. Gleichzeitig reduzierte das Unternehmen den Verlust und traf damit die Erwartungen der Analysten. Wie der PC-Hersteller mitteilte, lag der um Sondereinflüsse bereinigte Verlust bei 61 Millionen Dollar bzw. 20 Cent je Aktie. Analysten hatten im Durchschnitt mit dem gleichen Fehlbetrag gerechnet. Gateway hatte Ende Februar eine Umsatzwarnung ausgesprochen und einen Verlust von 18 bis 24 Cent in Aussicht gestellt.

Nikkei gibt nach – Euro hält sich über 0,89 Dollar

Tokios Börse schließt leichter

Die Aktienbörse in Tokio hat am Freitag nachgegeben. In Folge von Gewinnmitnahmen und der negativen Vorgabe der Wall Street büßte der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte 63,72 Punkte oder 0,6 Prozent auf 11.512 Punkte ein. Der breit angelegte Topix gab um 2,99 Punkte oder 0,3 Prozent nach und ging beim Endstand von 1092 Punkten ins Wochenende.

Euro hält sich über 0,89 Dollar

Der Kurs des Euro hat sich am Freitag im frühen Handel über der Marke von 0,89 Dollar gehalten. Um 9.15 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung in Frankfurt 0,8903 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag bei 0,8895 (Mittwoch: 0,8880) Dollar festgesetzt.

Kurzfristig sei das Aufwärtspotenzial des Euro nach den deutlichen Kursgewinnen an den Vortagen bei 0,8950 Dollar begrenzt, sagte ein Händler in Tokio. Die langfristige Perspektive habe sich jedoch zu Gunsten der europäischen Gemeinschaftswährung gewendet. Die Aussage des italienischen Innenministers, dass der Flugzeugabsturz in das Pirelli-Hochhaus in Mailand wahrscheinlich ein Unglück sei, habe den Devisenmarkt beruhigt.